Co-Preisträgerin Friedensnobelpreis

Staaten müssen Streubomben endgültig abschaffen – 99 Prozent der Opfer sind Zivilisten

Minen und andere Waffen Politische Kampagnenarbeit
International

Der heute in Genf veröffentlichte Streubomben Monitor 2018 verzeichnet für das Jahr 2017 neue Angriffe mit Streumunition. Der Einsatz von Streubomben ist völkerrechtlich verboten. Bisher haben 120 Staaten den sogenannten Oslo-Verbotsvertrag unterzeichnet. Handicap International (HI) fordert alle Länder, den Einsatz dieser Waffen endgültig zu beenden.

Nicht explodierte Streumunitionsreste wie hier in einem Reisfeld in Laos sind eine große Bedrohung für die Bevölkerung

Nicht explodierte Streumunitionsreste wie hier in einem Reisfeld in Laos sind eine große Bedrohung für die Bevölkerung | © HI

Der Streubomben Monitor, den die Internationale Koalition gegen Streubomben CMC jährlich vorstellt,  überprüft die Umsetzung des Oslo-Vertrages, der den Einsatz, die Herstellung, den Transfer und die Lagerung von Streubomben verbietet. Der aktuelle Bericht bezieht sich auf den Zeitraum von Januar bis Dezember 2017 und umfasst – bei verfügbaren Informationen – auch das Jahr 2018 (bis August). Streubomben verteilen kleine Bomben, sogenannte "Submunitionen", über weite Flächen. Sie können dabei nicht zwischen militärischen Zielen und der zivilen Bevölkerung unterscheiden. Sie töten und verstümmeln wahllos. Bis zu 40 Prozent dieser Submunitionen explodieren nicht beim Aufprall. Dies gefährdet das Leben der Zivilbevölkerung, manchmal noch Jahrzehnte nach Beendigung eines Konflikts, und behindert das wirtschaftliche und soziale Leben.

Streubomben Monitor 2018

Der Monitor verzeichnet insgesamt 289 neue Opfer, die entweder durch den direkten Einsatz von Streubomben oder durch ihre Blindgänger getötet wurden. 99 Prozent der Opfer stammen aus der Zivilbevölkerung. Diese Zahl ist zwar deutlich niedriger als 2016 (971 Todesopfer), gibt aber nach wie vor Anlass zur Sorge. Zum einen wird die Zahl der Opfer mit hoher Wahrscheinlichkeit unterschätzt. Zum anderen folgt dieser Rückgang auf viele Jahre, die von besonders hohen Opferzahlen durch Streumunition gekennzeichnet waren. Die meisten Opfer stammen aus Syrien und Jemen. Zwar hat auch hier die Zahl der Streubombeneinsätze abgenommen. Doch allein in diesen beiden Ländern gab es noch zahlreiche Einsätze dieser Waffen.

Tödliche Gefahr durch Blindgänger

Da beim Einsatz von Streubomben bis zu 40 Prozent der abgefeuerten Waffen nicht explodieren, bleiben auch lange nach einem Krieg zahlreiche Blindgänger zurück, die für die Bevölkerung eine genauso große Bedrohung darstellen wie Anti-Personen-Minen. 2017 wurden in acht Ländern und zwei Regionen Opfer solcher nicht explodierter Streumunitionsreste registriert: Kambodscha, Irak, Laos, Libanon, Serbien, Syrien, Vietnam und Jemen sowie Berg-Karabach und Westsahara. Ein Drittel der im Jahr 2017 registrierten Unfälle mit Blindgängern ereignete sich in Laos (32 Todesopfer) - dem Land, das weltweit am stärksten durch zurückgebliebene Submunition verseucht ist. 62 Prozent der Opfer von Streumunitionsresten sind Kinder. So wie beispielsweise ein 10-jähriges Mädchen im Norden von Laos. Es fand eine sogenannte „bombie“, also eine Submunition, die wie ein Spielzeug aussah. Das Mädchen nahm diese mit nach Hause, wo sie explodierte. Die 10-Jährige starb, elf weitere Menschen wurden verletzt, darunter viele Kinder.

Konferenz in Genf gegen Streubomben

Vom 03. - 05. September 2018 findet in Genf die jährliche Konferenz der Unterzeichnerstaaten des Oslo-Vertrages statt. Ziel ist es, die Umsetzung der Verpflichtungen zu überprüfen. Seit Inkrafttreten des Übereinkommens am 1. August 2010 haben 35 Vertragsstaaten 1,4 Millionen Streubomben und insgesamt 175 Millionen Submunitionen vernichtet. Dies entspricht 99 Prozent der von den Vertragsstaaten angegebenen Streumunition. Im Berichtsjahr 2017 wurden 93 Quadratkilometer Land (doppelt so groß wie die Hauptstadt Luxemburgs) geräumt sowie 153.000 Submunitionen gesichert und zerstört. Insgesamt bleiben weltweit 26 Staaten und drei Regionen mit Submunitionsrückständen kontaminiert.

Eva Maria Fischer, Leiterin der politischen Abteilung von Handicap International Deutschland, begrüßt die positive Entwicklung und fordert die Staaten, die weiterhin Streubomben einsetzen, dringend auf, den Oslo-Verbotsvertrag zu unterzeichnen. „Dieser Vertrag, der vor genau zehn Jahren verabschiedet wurde, hat viel bewirkt: Millionen dieser grausamen Waffen wurden vernichtet – unter anderem einer der weltweit größten Bestände in Deutschland. Ähnlich wie Landminen sind auch Streubomben für die meisten Staaten heute Tabu. Genau deshalb ist es wichtig, dass der Vertrag endlich für alle Staaten gilt, damit es nicht immer weitere Einsätze gibt. Wir sehen in unseren Projekten, u.a. in Laos, wie Blindgänger aus Streubomben noch lange nach dem Krieg töten – und wie aufwändig es ist, diese wahllos verstreuten Munitionen wieder zu räumen.“

Hier finden Sie den Monitor und eine deutschsprachige Zusammenfassung der wichtigsten Fakten über Streubomben.

30 August 2018
Einsatz weltweit:
Helfen
Sie mit

Lesen sie weiter

Minen in Kolumbien: „Genau jetzt habe ich ein Leben gerettet!“
© J. Moreno / HI
Minen und andere Waffen

Minen in Kolumbien: „Genau jetzt habe ich ein Leben gerettet!“

Vor Mayras Füßen liegt ein halb vergrabener Sprengkörper: eine Landmine. Angst? Ein bisschen gehört in diesem Job immer dazu. Aber in diesem Augenblick spürt Mayra vor allem riesige Freude. Denn sie weiß: Genau jetzt habe ich ein Menschenleben gerettet. Als Entminerin bei Handicap International (HI) muss Mayra täglich mit dieser Gefahr umgehen. In Kolumbien hilft sie dabei, Minen aufzuspüren und gefährliche Flächen wieder sicher zu machen.

Streubombenmonitor 2026 – Opferzahlen verdreifacht
© HI
Minen und andere Waffen

Streubombenmonitor 2026 – Opferzahlen verdreifacht

Der neue Streubomben-Monitor zeigt einen alarmierenden Anstieg der Opferzahlen durch Streumunition. Knapp 90 Prozent kommen aus der Zivilbevölkerung. Handicap International (HI), Mitherausgeberin des Monitors, fordert mehr finanzielle Unterstützung für die Opfer, Räumung und Gefahrenaufklärung. Damit Kinder, die Sprengkörper mit Spielzeug verwechseln, nicht mehr schwerverletzt werden – so wie Mahmoud aus Syrien.

Wir sind stolz: unser Jahresbericht 2025
© T. Mayer / HI
Öffentlichkeitsarbeit

Wir sind stolz: unser Jahresbericht 2025

Es ist uns im Jahr 2025 gelungen, drei Millionen Menschen zu helfen. Angesichts der weltweit zunehmenden Kriege, Vertreibungen und Naturkatastrophen ist es umso wichtiger, dass unsere Teams vor Ort Menschen mit Behinderung und vulnerable Gruppen unterstützen sowie die Zivilbevölkerung in Konfliktgebieten stärken. Wir sind für jede Spende dankbar!