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Streumunition in Syrien: Der Ball, der keiner war

Minen und andere Waffen
Syrien

Der Krieg ist vorbei, doch für viele Familien in Syrien beginnt mit der Rückkehr eine neue Gefahr: Explosive Kriegsreste wie Streumunition machen Häuser, Straßen und Gärten lebensgefährlich. Handicap International (HI) klärt über die Gefahren auf und räumt Blindgänger, die sogar in Schulen liegen. Damit nicht noch mehr Kinder wie Mahmoud schwerverletzt werden.

Ein kleiner Junge liegt auf einer roten Matratze. Sein rechtes Bein ist schwer verletzt, seine rechte Hand fehlt. Neben ihm sitzt ein Mann mit dichtem grauem Haar.

Mahmoud (6) zusammen mit seinem Vater Abu Mohammed. | © T. Nicholson / HI

Die Fenster gibt es schon lange nicht mehr. Dort, wo einst Glasscheiben waren, halten Decken den Wind notdürftig draußen. Aus dem Handy in Mahmouds Hand dringen die Geräusche eines Videospiels. Der Sechsjährige verbringt fast den ganzen Tag drinnen. Nicht, weil er das möchte, sondern weil sein Vater Angst hat, ihn wieder draußen spielen zu lassen. Denn direkt vor ihrer Haustür lauert noch immer die Gefahr durch Blindgänger.

Ein vermeintliches Spielzeug wird zur tödlichen Gefahr

Vor wenigen Monaten war Mahmouds Familie nach Jahren der Flucht in ihr Dorf östlich von Deir ez-Zor zurückgekehrt. Endlich wieder zuhause. Doch nur einen Monat später spielte der neugierige Junge neben dem Haus, als er eine kleine Metallkugel entdeckte. Er hob sie auf. Mahmoud dachte, er hätte ein Spielzeug gefunden. Doch es war die Submunition einer Streubombe. Sie explodierte und riss ihm die rechte Hand ab. Auch sein rechtes Bein wurde schwer verletzt. Seitdem musste Mahmoud bereits drei Operationen über sich ergehen lassen und für jede Behandlung rund 450 Kilometer nach Damaskus reisen. Für seine Familie, die zehn Kinder versorgen muss, sind die hohen Behandlungskosten und die langen Reisen eine enorme finanzielle Belastung.

Syrien: Zuhause ohne Sicherheit

Die Familie lebt heute in den Überresten ihres Hauses. Plastikplanen ersetzen die Tür, Decken verschließen die Fensteröffnungen. Mahmouds Vater Abu Mohammed erinnert sich an die Rückkehr: „Nach dem Krieg kehrte ich zurück und musste feststellen, dass mein Haus geplündert und zerstört worden war.“ Dass das Dorf voller Blindgänger war, wusste die Familie. Trotzdem blieb ihnen keine andere Wahl, als zurückzukehren.

Seit dem Unfall will Abu Mohammed, dass seine Kinder möglichst im Haus bleiben. „Die Gegend ist sehr gefährlich für Kinder, weil sie nicht wissen, was sie vor sich haben. Sie erkennen explosive Kriegsreste nicht. Sie halten sie für Spielzeug und spielen damit.“ Doch Kinder können nicht für immer drinnen bleiben. Mahmouds Geschichte ist kein Einzelschicksal. Sie steht für viele Familien, die nach dem Ende der Kämpfe in ihre Heimat zurückkehren und feststellen müssen, dass der Krieg noch immer unter ihren Füßen liegt.

21 Juli 2026
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