Co-Preisträgerin Friedensnobelpreis

Syrien: „Oh, wie sie lacht!“

Rehabilitation und Orthopädie
Syrien

Fatima stammt aus Al Kusaybah, einem kleinen Dorf in der Nähe von Aleppo. Kurz nach ihrer Hochzeit floh sie 2021 mit ihrem Mann vor dem Krieg, als die Bomben immer näherkamen. Fünf lange Jahre verbrachten sie in der Türkei, fern der Heimat, fern von allem, was ihnen vertraut war. Doch die Sehnsucht nach Syrien war stärker als die Angst. Also kehrten sie zurück. Und dann wurde Aesha geboren.

Eine kleines Mädchen liegt mit dem Bauch auf einem pinken Gymnastikball. Eine Therapeut sitzt hinter ihr und hält sie fest.

Aesha bei einer Physiotherapie-Sitzung von Handicap International. | © N. Bimbashi / HI

Schon nach wenigen Monaten bemerkte Fatima, dass etwas nicht stimmte. Aesha lernte nicht zu sitzen, nicht zu stehen, nicht zu laufen. Die Nachbarinnen schüttelten nur den Kopf und murmelten etwas von „Entwicklungsverzögerungen“. Doch Fatima spürte: Es war mehr als das.

Dann kam die Diagnose: Zerebralparese, die zu Muskelschwund führt. Die Muskeln ihrer Tochter würden noch schwächer werden, wenn sie nicht behandelt würden. Verwandte erzählten Fatima von der Salah-Al-Din-Klinik in Aleppo. Eine der wenigen Einrichtungen, die Physiotherapie für Kinder wie Aesha anbieten. Bald darauf durfte Aesha mit den Therapiesitzungen von Handicap International beginnen. Anfangs waren es zwei Sitzungen pro Woche. Jede war ein Kampf – gegen die Erschöpfung, gegen die Verzweiflung, gegen die Frage, ob es jemals besser werden würde. Die Therapie konzentriert sich darauf, ihre Haltung, Stabilität und Beweglichkeit zu verbessern und ihre allgemeine Entwicklung zu unterstützen.

Ohne Reha keine Besserung

„Der Weg ist schwierig, da eine solche Erkrankung eine langfristige und kontinuierliche Betreuung erfordert, um nachhaltige Verbesserungen zu gewährleisten und die funktionellen Fähigkeiten und die Unabhängigkeit des Kindes langfristig zu verbessern“, erklärt Reha-Spezialistin Ramziah Albitar.

Doch dann, ganz langsam, passierte es: Aesha begann, ihren Kopf zu halten. Sie lernte, sich zu drehen und sich hinzusetzen. Sie krabbelte. Ihre Hände, die früher nur reflexartig zupackten, begannen, Gegenstände bewusst zu greifen und wieder loszulassen. Sie konnte mit ein wenig Hilfe stehen. Und dann – der größte Moment – die ersten wackeligen Schritte an Fatimas Hand.

Unterstützung mit Spielzeug und viel Geduld

„Aesha ist jetzt 17 Monate alt“, sagt Fatima mit einem Lächeln. „Sie kann ihren Nacken und ihren Rumpf kontrollieren. Sie kann krabbeln, sie kann sich aufsetzen. Sie benutzt beide Hände. Und sie lacht – oh, wie sie lacht!“ Doch sie weiß auch: Der Weg ist noch lang. Jeder Fortschritt ist hart erkämpft. Die Physiotherapeutinnen von Handicap International haben ihr gezeigt, wie sie Aesha zu Hause unterstützen kann: mit Spielzeug, mit Stimulation, mit Geduld. „Wir müssen ihren Rumpf weiterhin stärken, ihre Arme kontinuierlich trainieren“, hat sie erklärt. Fatima nickt entschlossen. 

 

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und unterstützen Projekte in Syrien. 
 

3 August 2026
Einsatz weltweit:
Helfen
Sie mit

Lesen sie weiter

Syrien: Endlich eine Prothese für Amer
© N. Bimbashi / HI
Rehabilitation und Orthopädie

Syrien: Endlich eine Prothese für Amer

Amer (11) und seine Familie waren sieben Jahre lang vertrieben, bevor sie im vergangenen Jahr in ihr Dorf im Nordosten Syriens zurückkehrten. Wie viele Familien konnten sie es kaum erwarten, nach Jahren der Unsicherheit endlich nach Hause zu kommen. Doch nur wenige Wochen nach ihrer Rückkehr wurde Amer durch einen Blindgänger schwer verletzt und verlor bei dem Unfall sein Bein. Jetzt, ein Jahr später, hat er von Handicap International (HI) eine Prothese bekommen.

Streumunition in Syrien: Der Ball, der keiner war
© T. Nicholson / HI
Minen und andere Waffen

Streumunition in Syrien: Der Ball, der keiner war

Der Krieg ist vorbei, doch für viele Familien in Syrien beginnt mit der Rückkehr eine neue Gefahr: Explosive Kriegsreste wie Streumunition machen Häuser, Straßen und Gärten lebensgefährlich. Handicap International (HI) klärt über die Gefahren auf und räumt Blindgänger, die sogar in Schulen liegen. Damit nicht noch mehr Kinder wie Mahmoud schwerverletzt werden.

Venezuela: Handicap International leistet Nothilfe für Verletzte
© A. Jota / HI
Nothilfe Rehabilitation und Orthopädie

Venezuela: Handicap International leistet Nothilfe für Verletzte

Eingestürzte Häuser, Menschen unter Trümmern und Familien, die innerhalb weniger Sekunden alles verlieren: Die schweren Erdbeben in Venezuela haben Tausende Menschen in eine Notlage gestürzt. Sie haben Angehörige verloren, wurden verletzt oder ihr Zuhause liegt in Trümmern. Handicap International (HI) unterstützt die Betroffenen mit Rehabilitation, psychologischer Hilfe und Hilfsmitteln wie z.B. Rollstühle.