Co-Preisträgerin Friedensnobelpreis

Wieder auf den Beinen: Noor ist kaum zu bremsen

Nothilfe Rehabilitation und Orthopädie
Syrien

Als im Februar 2023 in der Türkei und im Nordwesten Syriens die Erde bebt, wird die kleine Noor unter Trümmern begraben. Das tapfere Mädchen überlebt schwer verletzt. Unsere Teams kümmern sich von Anfang an fürsorglich um die Dreijährige.

© A. Rahhal / HI

Eifrig zieht Noor am Arm ihrer Physiotherapeutin. So schnell wie möglich will sie  in das Behandlungszimmer. Sie läuft, fällt hin, steht wieder auf und läuft weiter. „Seit sie wieder laufen kann, ist sie nicht mehr zu bremsen", freut sich ihre Stiefmutter.

Fast könnte man vergessen, dass eines ihrer Beine aus Silikon, Aluminium und Kunststoff besteht. Das Geräusch von Noors lila Klettschuhen hallt durch die Flure des Aqrabat-Krankenhauses, unserem Partner im Nordwesten Syriens, wo das Mädchen im Februar 2023 zum ersten Mal eingeliefert wurde.

„Als sie ins Krankenhaus kam, war ihr Zustand so kritisch, dass wir wenig Hoffnung hatten. Wir dachten, dass sie es nicht schaffen würde", erinnert sich ihre Stiefmutter.

Nach dem Erdbeben in Syrien: Mit Beinprothese zurück ins Leben

Die kleine Noor wurde in letzter Minute aus den Trümmern ihres Hauses gerettet. Sie hatte am ganzen Körper schwere Verletzungen, ein Teil ihres rechten Beins musste amputiert werden. Die Kleine war stark traumatisiert und sehr ängstlich. Unsere Teams sorgten dafür, dass es ihr psychisch besserging und begannen vorsichtig die Physiotherapie mit spielerischen Übungen.

Sobald Noor für die Behandlung bereit war, begannen die Physiotherapeuten, Ärzte und Psychologen mit den Reha-Übungen, die mit Spielen kombiniert wurden. Fatima, die Physiotherapeutin, die Noor seit ihrem Krankenhausaufenthalt begleitet, erzählt:

„Nach und nach akzeptierte Noor uns und bald hatte sie das Gefühl, dass wir zu ihrer Familie gehörten. Noor hat sich in dieser Zeit sehr verändert. Sie fing an zu lächeln. Das war unser großes Ziel!

Endlich wieder Kind sein

Nach einer langen Zeit der Genesung konnte Noor endlich zu ihrer Familie zurückkehren. Doch sie war frustriert, weil sie die anderen Kinder spielen sah, selbst aber nicht mitmachen konnte. Therapeutin Fatima wollte Noor so schnell wie möglich wieder zum Laufen zu bringen. Es dauerte über ein Jahr, dann konnte Noor endlich mit ihrer ersten Prothese die ersten Schritte machen. Ihre Familie war überglücklich und feierte den großen Erfolg mit einem großen Fest.

Noor besucht weiterhin mehrmals im Monat das Rehabilitationszentrum des Krankenhauses in Aqrabat. Fatima sieht jedes Mal Noors Fortschritte: „Ihr Leben hat sich komplett verändert. Sie spielt, macht Witze und ist sehr aktiv. Es ist, als hätte sie das Unglück überwunden und einen neuen Lebensabschnitt begonnen."

Auch für die HI-Teams ist Noors Geschichte inspirierend: „Mit Noor haben wir nie die Hoffnung verloren. Wir haben unser Ziel erreicht", sagt Fatima stolz.
 

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