Co-Preisträger Friedensnobelpreis

Zwei Jahre nach dem Beben: Zurück ins Leben

Inklusion Nothilfe Rehabilitation und Orthopädie
Nepal

Zwei Jahre nach dem verheerenden Erdbeben kämpfen die Menschen in Nepal noch mit den körperlichen und seelischen Folgen. Für Viele ist die Rückkehr in den Alltag noch nicht möglich. Handicap International unterstützt Verwundete in fünf Rehabilitationszentren und hilft ihnen wieder zurück ins Leben: Sie sollen wieder zur Arbeit und Schule gehen können und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. 

Zwei Mädchen mit einem amputierten Bein stehen auf Gehstützen nebeneinander und lachen dabei

Nirmala und Khendo haben beim Erdbeben 2015 in Nepal ein Bein verloren. | L. Veuve/Handicap International

Mehr als 22.0000 Menschen wurden verletzt, als Nepal am 25. April und in den Tagen danach von Erdbeben der Stärke 7,8 erschüttert wurde. Vielen Verwundeten mussten Gliedmaßen amputiert werden, weil sie in den Trümmern eingeklemmt waren. Mehr als 6.200 verletzten und traumatisierten Erdbebenopfern half Handicap International unter anderem mit Prothesen, Gehhilfen oder Physiotherapie. Sie sind weiterhin noch auf Betreuung angewiesen.

Khendo hat von uns eine Beinprothese erhalten und kann nun wieder laufen. Auch heute erhält sie noch rehabilitative Unterstützung von uns. © L. Veuve/Handicap International

Direkt nach der Katastrophe konnten wir unsere Strukturen und unsere Logistik nutzen, damit die Erdbebenopfer schlichtweg überleben und wieder laufen können. Zwei Jahre später geht es auch darum, dass diese Menschen wieder ein eigenständiges Leben führen können. Dazu gehört, dass sie zum Beispiel durch Ziegenzucht neue Einkommensquellen finden oder einen eigenen Laden eröffnen - wir helfen mit Inklusionsprogrammen und finanzieller Unterstützung. Handicap International ist seit 17 Jahren in Nepal tätig und schritt sofort nach dem Erdbeben am 25. April 2015 zur Hilfe. Unsere Teams haben tausende Opfer unterstützt und wir bleiben auch weiterhin, um zu helfen.

Gefahr neuer Erdbeben eindämmen

Es besteht die Gefahr, dass Nepal in Zukunft wieder von schweren Erbeben betroffen sein wird.  Mit Gemeinden und lokalen Behörden arbeiten wir daran, Notfallpläne zu entwickeln, um die Frühwarn- und Evakuierungssysteme im Falle von Notsituationen zu verbessern. Diese Notfallpläne berücksichtigen Menschen mit Behinderung. Zudem führen wir ein Verfahren ein, mit dessen Hilfe unmittelbar Gesundheitspersonal bereit steht, um eventuelle Opfer im Falle eines Erdbebens schnell zu versorgen.

 

Der Einsatz von Handicap International in Nepal in Zahlen:

  • Die Teams leisteten mehr als 16.000 Behandlungen mit Rehabilitation und psychosozialer Unterstützung für über 6.00 Menschen und verteilten mehr als 4.700 Gehhilfen, Rollstühle und Krücken an die vom Erdbeben betroffenen Menschen.
  • Handicap International verteilte über 4.300 Sets mit lebenswichtigen Gegenständen: Zelte, Küchensets, Hygienesets, Decken und Bedachungsmaterial (zum Bau von Wellblechdächern) für über 2.200 Familien.[1]
  • Die Teams verteilten während des Winters 2015 warme Kleidung, Decken, Plastikplanen, Seile und Matratzen an mehr als 9.000 Menschen, die durch das Erdbeben besonders schutzbedürftig geworden sind.  
  • Handicap International war verantwortlich für die Lagerung von über 5.400 Tonnen humanitärer Hilfsgüter (in Katmandu, Dhading und Bidur) und für den Transport dieser humanitären Güter in abgelegene Gemeinden (mehr als 350 LKW-Fahrten für 37 Organisationen).
  • Handicap International stellte sicher, dass die besonders schutzbedürftigen Menschen Zugang zu humanitärer Versorgung haben (Bildung, Gesundheitsversorgung etc.), die von anderen Organisationen angeboten wird. Dies geschieht insbesondere durch die Sensibilisierung der humanitären Helfenden dafür, wie wichtig es ist, die Schutzbedürftigsten zu berücksichtigen.
  • Schließlich erhielten über 160 Haushalte, die vom Erdbeben betroffen waren, Ziegen, die ihnen eine neue Einkommensquelle bieten. Zusätzlich erhielten 294 Haushalte finanzielle Unterstützung, um ihre geschäftlichen Aktivitäten wiederzubeleben (Geschäfte, Kantinen etc.).

 

Unsere Arbeit in Nepal heute

  • Wir unterstützen fünf Rehabilitationszentren, in denen tausende Nepalesinnen und Nepalesen Physiotherapie und orthopädische Hilfsmittel erhalten. Zudem arbeiten wir daran, die Rehabilitationsleistungen in einigen Krankenhäusern in den Bezirken zu verbessern, die von dem Erdbeben betroffen waren.
  • Wir helfen den Opfern des Erdbeben dabei, neue Einkommensquellen zu finden (z.B. Ziegenzucht, kleine Läden etc.), besonders durch finanzielle Unterstützung. Darüber hinaus helfen wir Menschen mit Behinderung, Arbeit zu finden, indem wir sie beraten und leiten.
  • Weiterhin arbeiten wir mit Gemeinden und lokalen Behörden daran, Notfallpläne zu entwickeln, um die Frühwarn- und Evakuierungssysteme im Falle von Notsituationen zu verbessern. Diese Notfallpläne berücksichtigen Menschen mit Behinderung. Zudem führen wir ein Verfahren ein, mit dessen Hilfe unmittelbar Gesundheitspersonal bereit steht (Krankenpflegende, Ärzte etc.), um eventuelle Opfer im Falle eines Erdbebens schnell zu versorgen.
  • Handicap International verbessert auch den Zugang zu Schulen für Kinder mit Behinderung. In Zusammenarbeit mit dem Bildungsministerium entwickeln wir pädagogische Materialien und Instrumente, die speziell auf Kinder mit Behinderung abgestimmt sind.
  • Schließlich setzen wir uns dafür ein, den Schutz und die Achtung der Rechte von Gefangenen zu verbessern, ebenso ihre Lebensbedingungen (Versorgung mit Wasser und Nahrung etc.). Ziel ist es auch, unangemessene Behandlung, insbesondere Folter, sowie Langzeitfolgen, die durch Gefängnisaufenthalte entstehen, zu verhindern
 

[1] Über 11.000 Menschen.

25 April 2017
Einsatz weltweit:
Helfen
Sie mit

Lesen sie weiter

Lara, Flucht im Rollstuhl
© HI
Nothilfe

Lara, Flucht im Rollstuhl

Lara ist acht Jahre alt und musste schon mehrfach mit ihrer Familie vor Bomben und Beschuss fliehen. Sie hat Zerebralparese und benötigt einen Rollstuhl. Ihr Vater Zuhair trägt sie meist auf den Schultern, wenn sie erneut eine Notunterkunft verlassen müssen. Derzeit leben sie in den Gebäuden einer Universität in Gaza-Stadt, die nicht für Menschen mit Behinderung eingerichtet sind.

Philippinen: Schutz vor den Folgen des Klimawandels
© M-C Manalastas / HI
Nothilfe Vorsorge und Gesundheit

Philippinen: Schutz vor den Folgen des Klimawandels

Die Philippinen sind das Land, das weltweit am drittstärksten vom Klimawandel betroffen ist. Immer häufiger kommt es zu starken Regenfällen und anderen Naturkatastrophen. Mehr als 130 Millionen Menschen waren in den letzten 30 Jahren betroffen. Besonders schwer haben es dabei Menschen mit Behinderung. HI hilft ihnen und schult sie, damit sie sich besser auf den Notfall vorbereiten können.

Wieder auf den Beinen: Noor ist kaum zu bremsen
© A. Rahhal / HI
Nothilfe Rehabilitation und Orthopädie

Wieder auf den Beinen: Noor ist kaum zu bremsen

Als im Februar 2023 in der Türkei und im Nordwesten Syriens die Erde bebt, wird die kleine Noor unter Trümmern begraben. Das tapfere Mädchen überlebt schwer verletzt. Unsere Teams kümmern sich von Anfang an fürsorglich um die Dreijährige.