Ukraine: riesige Gebiete mit Minen, Streumunition und Blindgängern verseucht
Pressemitteilung, München/ Kyjiw, 22.02.2026
Co-Preisträgerin Friedensnobelpreis
Pressemitteilung, München/ Kyjiw, 22.02.2026
Nach einer Studie der humanitären Hilfsorganisation Handicap International (HI) ist etwa ein Viertel des ukrainischen Territoriums potenziell durch Landminen, Streumunition und andere explosive Kriegsreste kontaminiert. Die Minen und Blindgänger gefährden die Zivilbevölkerung, die Arbeit der Hilfskräfte und die Rückkehr von Vertriebenen. HI hat bisher 230.000 Menschen über die Gefahren von Blindgängern aufgeklärt.
Die Ukraine ist heute eines der am stärksten betroffenen Länder der Welt. „Wie in unserer Studie von Juni 2025 festgestellt wurde, ist etwa ein Viertel des ukrainischen Territoriums – 138.503 km² Land und 14.000 km² Wasser – potenziell durch Landminen, Streumunition und andere explosive Kriegsreste verseucht. Die Kontamination behindert die landwirtschaftliche Produktion, erschwert den Wiederaufbau und schränkt den Zugang zu humanitärer Hilfe ein. Ganze Gemeinden haben den Zugang zu lebenswichtigen Flächen für Ackerbau und Weidewirtschaft verloren, wodurch ländliche Haushalte in noch größere Armut getrieben werden und stärker auf Hilfe angewiesen sind“, sagt Dr. Eva Maria Fischer, Leiterin der politischen Abteilung Handicap International Deutschland.
Hinweis an die Reaktionen: Dr. Eva Maria Fischer steht für Interviews zur Verfügung
Generationen werden von den Folgen der explosiven Kriegsreste bedroht sein. Das genaue Ausmaß kann jedoch erst nach Ende der Kampfhandlungen ermittelt werden. Um die Gefahr durch Blindgänger zu verringern, schult Handicap International in der Ukraine die Zivilbevölkerung. Seit 2022 haben die Expert*innen von Handicap International 230.000 Menschen über die Risiken aufgeklärt, darunter vor allem Menschen in Frontnähe und Kinder. Zudem wurden humanitäre Hilfskräfte informiert. HI-Teams zeigen den Menschen, wie sie verschiedene Sprengfallen, Minen und Munitionsreste erkennen, was sie bei einem Fund machen sollen und auch, wie sie Verletzte sicher evakuieren können. Darüber hinaus werden Plakate verteilt und über das Radio gewarnt.
Handicap International verurteilt erneut aufs Schärfste die wahllosen Angriffe auf Zivilist*innen, medizinisches und humanitäres Personal sowie auf zivile Objekte, darunter Gesundheitseinrichtungen, Schulen und andere wichtige zivile Infrastruktur.
„Wir sehen eine ernsthafte Schwächung des Grundsatzes zum Schutz der Zivilbevölkerung. Dieser Grundsatz besagt, dass Zivilistinnen und Zivilisten verschont und vor den Auswirkungen bewaffneter Konflikte geschützt werden müssen. Wir verurteilen nachdrücklich die weit verbreiteten Einsätze von Explosivwaffen mit großflächiger Wirkung in bevölkerten Gebieten, die verheerende Schäden für die Zivilbevölkerung verursachen und das humanitäre Völkerrecht (IHL) eklatant missachten“, so Fischer. „Wir fordern die internationale Staatengemeinschaft auf, völkerrechtliche Verpflichtungen zum Schutz der Zivilbevölkerung endlich umzusetzen.“
Hier finden Sie die Studie Explosive Ordnance contamination in Ukraine: current and lasting threat for civilians
Hier können Sie die Geschichte der 75-jährigen Lidiya nachlesen, die Opfer eines Streubombenangriffs wurde, oder die von Yuliia, die bei einer Minenexplosion beide Beine und ihr Augenlicht verloren hat.
© L. Hutsul / HI
Handicap International / Humanity & Inclusion (HI) ist eine gemeinnützige Organisation für Nothilfe und Entwicklungszusammenarbeit, die in rund 60 Ländern aktiv ist. Wir setzen uns für eine solidarische und inklusive Welt ein. Wir verbessern langfristig die Lebensbedingungen für Menschen mit Behinderung und unterstützen diejenigen, die besonderen Schutz benötigen. Außerdem arbeiten wir für eine Welt ohne Minen und Streubomben sowie für den Schutz der Zivilbevölkerung im Krieg. HI ist Co-Preisträgerin des Friedensnobelpreises von 1997. Handicap International e.V. ist der deutsche Verein von HI.
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Huberta von Roedern, Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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Unsere Expertise wird regelmäßig von internationalen Gremien wie EU, UNICEF, UNHCR und WHO in Anspruch genommen.
Handicap International hat zudem einen beratenden Status beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen (ECOSOC).