Co-Preisträgerin Friedensnobelpreis

Ukraine: „Mein Mann dachte, ich sei tot.“

Rehabilitation und Orthopädie
Ukraine

Yuliia verlor durch eine Minenexplosion beide Beine und ihr Augenlicht. Unsere Teams helfen ihr, auf ihrem schwierigen Weg zurück in den Alltag. Ein Physiotherapeut besucht sie regelmäßig, um ihr mit den Prothesen zu helfen und ihre Muskeln zu stärken. Yuliia wünscht sich endlich Frieden, eine Familie und hofft durch die Unterstützung von Handicap International auf ein selbstständiges Leben.

Yuliia, eine junge Frau mit Sonnenbrille, nutzt einen Rollator und trägt jeweils eine Prothese an beiden Bein, während eine HI-Physiotherapeutin daneben steht und sie unterstützt.

Nachdem Yuliia durch eine Panzer-Minenexplosion beide Beine und Augenlicht verlor, hilft HI ihr Schritt für Schritt zurück in den Alltag. | © L. Hutsul / HI

Im September 2023 wurde der Arbeitsweg für die damals 20-jährige Yuliia zur Tragödie. Im Dorf Mospanove in der Region Charkiw fuhr das Auto, in dem sie unterwegs war, über eine Anti-Fahrzeug-Mine. Der Fahrer starb sofort. Yuliia wurde schwer verletzt. Beide Beine mussten amputiert werden. Zudem erlitt sie Verbrennungen im Gesicht und an den Händen, verlor viele Zähne und erblindete vollständig.

„Wir haben versucht, einer Wasserpfütze auf der Straße auszuweichen. Die Mine explodierte auf meiner Seite des Autos“, sagt sie.

Ihr Mann, der in der Nähe arbeitete, kam herbeigelaufen, als er die Explosion hörte:

„Er dachte, ich sei tot.“

Nach mehreren Operationen mussten die Ärzte ihr beide Beine abnehmen, um ihr Leben zu retten. Sie sagten ihr später, dass sie nie wieder werde sehen können: Die Explosion hatte ihren Sehnerv zerstört.

Ohne Augenlicht und mit Prothesen: Den Alltag neu erlernen

Zu Hause musste Yuliia lernen, ohne ihre Beine und ohne ihr Augenlicht zu leben. Heute benutzt sie zwei Prothesen und eine Gehhilfe, aber sie kann sich nach wie vor nur sehr schwer fortbewegen. Ihr Zuhause und ihre Umgebung sind nicht sehr barrierefrei und die Straßen im Dorf sind für Menschen mit Behinderungen kaum nutzbar.
Ihre Mutter sagt:

„Ich hätte ihr eines meiner Augen gegeben, damit sie ein wenigstens ein bisschen sehen kann. Aber die Ärzte sagten uns, das sei unmöglich.“

Trotz dieser sehr belastenden Situation bleibt Yuliia entschlossen:

„Ich muss noch meine Beine kräftigen und meine Zähne reparieren lassen. Mir stehen noch viele Operationen bevor, aber ich möchte weiter vorankommen.“

Vielfältige Unterstützung von Handicap International

Handicap International (HI) hilft Yuliia seit mehreren Monaten dabei, unabhängiger zu werden. Dank HI und einem lokalen Partner, dem Verband blinder Anwälte in Charkiw (KABL), bekam sie Rechtsbeistand und konnte ihre Invalidenrente anpassen lassen.
Derzeit nimmt sie an einem sozialen Rehabilitationsprogramm für Menschen mit Sehbehinderungen teil. Dort lernt Yuliia zu kochen, alltägliche Aufgaben zu bewältigen und sich sicher fortzubewegen. Die HI-Sozialarbeiterin Olesia hat ihr bei der Auswahl einer sprachgesteuerten Küchenmaschine geholfen, damit sie ihre Mahlzeiten selbst zubereiten kann. Ein Physiotherapeut unterstützt sie regelmäßig mit ihrer Gehhilfe und dem Training ihrer verbleibenden Beinmuskeln.

Yuliia wünscht sich Frieden – überall!

Trotz der Schmerzen und ihres schweren Schicksals bleibt Yuliia optimistisch und hoffnungsvoll. 

„Zuallererst wünsche ich mir Frieden. Überall, nicht nur in der Ukraine. Außerdem möchte ich wie alle anderen leben, eine Familie gründen, eine Tochter und einen Sohn haben.“

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