Minen, Streubomben und andere Explosivwaffen

Seit mehr als 30 Jahren macht Handicap International darauf aufmerksam, dass in Kriegen und Konflikten insbesondere die Zivilbevölkerung leidet und durch Waffeneinsätze betroffen ist – und dass das Leid von Kriegsopfern nicht einfach mit dem Ende eines Konflikts aufhört. Bereits seit Jahrzehnten in den Ländern Südostasiens, Afrikas und Südosteuropas und nun auch im Irak, in Libyen, in Syrien und in anderen aktuellen Konfliktregionen werden Anti-Personen-Minen, Streubomben oder andere Explosivwaffen ihre Opfer fordern.

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Eine junge Entminerin aus dem Kongo kniet am Boden und hält eine Zündschnur in der Hand. Ihre beiden Kollegen stehen konzentriert neben ihr.
Eine junge Entminerin aus dem Kongo kniet am Boden und hält eine Zündschnur in der Hand. Ihre beiden Kollegen stehen konzentriert neben ihr.
Die 31-jährige „Rosy“ ist Entminerin aus Überzeugung. Als ehemalige Krankenschwester konnte sie das Leid der Minenopfer nicht länger ertragen und kämpft nun aktiv gegen die unmenschliche Bedrohung im Kongo.

Aus unserer Erfahrung im Einsatz gegen Landminen und Streubomben haben wir gelernt, wie Risiken verringert und Unfälle vermieden werden können, insbesondere durch explosive Kriegsreste, Leichtwaffen und Kleinwaffen. Wir versuchen, Menschen zu schützen, die in einer Situation der Flucht oder des Wiederaufbaus nach dem Krieg durch solche Waffen bedroht sind. Also klären wir insbesondere Kinder auf und vermitteln, wie sie Risiken erkennen und vermeiden können. Mit betroffenen Gemeinschaften arbeiten wir zusammen, um gefährliche Gebiete zu erkennen, markieren und schließlich sicherstellen zu können, dass die Minen und Blindgänger zerstört werden. Zudem sichern wir Waffen- und Munitionslager, die eine Explosionsgefahr darstellen.

Damit solche Szenen in Zukunft der Vergangenheit angehören:

Jetzt Petition "Keine Bomben auf Wohngebiete" unterzeichen

Unser internationales Engagement gegen:

Landminen

Landminen töten und verletzen. Sie verlängern das Leiden der Bevölkerung weit über das Ende eines Krieges hinaus. Der erste große Einsatz von Handicap International in den 80er-Jahren war die Versorgung von kambodschanischen Flüchtlingen in Thailand, die Opfer von Landminen geworden waren. Doch bald war klar, dass ein Engagement darüber hinaus nötig ist, um das Problem an der Wurzel zu packen: Zusammen mit fünf anderen Nichtregierungsorganisationen gründete Handicap International also 1992 die Internationale Kampagne zum Verbot von Landminen (ICBL). Die weltweite Mobilisierung der Zivilgesellschaft und Lobbyarbeit bei engagierten Staaten führte dazu, dass im Dezember 1997 in Ottawa das Abkommen zum Verbot von Anti-Personen-Minen auf Initiative von Kanada unterzeichnet wurde. Es trat am 1. März 1999 in Kraft. Die Staaten, die das Abkommen unterzeichnet und ratifiziert haben, dürfen keine Anti-Personen-Minen mehr einsetzen, lagern, produzieren oder weiterleiten. Sie müssen ihre Lagerbestände vernichten, Minen auf ihrem Gebiet räumen und die Opfer unterstützen. Für den unablässigen Einsatz gegen Minen, der zum Abkommen von Ottawa geführt hat, wurde Handicap International und den anderen Mitgliedern der ICBL 1997 gemeinsam der Friedensnobelpreis verliehen. Und die Kampagne geht weiter, damit alle Länder der Welt das Abkommen von Ottawa unterzeichnen – und endlich eine Welt ohne Minen erreicht wird.

Streubomben

Streubomben verteilen kleine Bomben, sogenannte "Submunitionen", über weite Flächen. Sie können dabei nicht zwischen militärischen Zielen und der zivilen Bevölkerung unterscheiden. Außerdem hinterlassen sie zahlreiche Blindgänger, die noch lange nach dem Ende eines Konfliktes Tote und Verletze fordern - diese wirken wie Landminen. Deshalb haben Handicap International und andere Organisationen der Landminenkampagne 2003 die Internationale Koalition gegen Streubomben (CMC) gegründet, die mit ihrem Engagement 2008 einen Verbotsvertrag erreichte. Doch weiterhin werden Streubomben immer wieder von Staaten eingesetzt, die den Vertrag noch nicht unterzeichnet werden. Also setzen wir uns mit unseren Bündnispartnern weiter für ein weltweites Verbot von Streumunition ein – und dafür, dass die betroffenen Gebiete geräumt und die Betroffenen nachhaltig unterstützt werden.

Explosivwaffen

Der Einsatz von explosiven Waffen – Minen, Streubomben, Flugkörper, Raketen, Artilleriegeschosse, Fliegerbomben usw. – in dicht bevölkerten Gebieten führt jedes Jahr zu Zehntausenden neuen zivilen Opfern.
Diese Waffen verursachen schreckliches Leid. Sie fügen ihren Opfern Verletzungen zu, die oft zu lebenslangen Behinderungen und tiefgreifenden psychischen Problemen führen. Sie zerstören Häuser, Schulen, Krankenhäuser – so dass Verletzte oft nicht einmal versorgt werden können. Nach einem Konflikt stellen Waffen, die beim Einschlag nicht explodiert sind, nicht nur eine Gefahr für die Bevölkerung dar, sondern auch ein Hindernis beim Wiederaufbau des Landes. Sie stürzen die Bevölkerung damit in große Armut.

Die Bombardierung der Zivilbevölkerung ist ein Verbrechen - lesen Sie hier, welche immensen Schäden explosive Waffen verursachen.

Bei unserem Einsatz für die Opfer des Krieges in Syrien sind seit 2015 drei große Erfahrungsberichte über die Folgen von Explosivwaffen entstanden:


Fakten:

  • Minen, Streubomben und andere explosive Kriegsreste fordern weltweit mehrmals täglich ein Opfer.
  • 2015 wurden 44.000 Menschen durch Explosivwaffen verletzt oder getötet. Davon stammen 76% aus der Zivilbevölkerung, bei Einsätzen in dicht bevölkerten Gebieten sogar 92%.
  • 5 bis 40% der Streubomben explodieren beim Einschlag nicht und wirken dadurch wie Landminen.
  • 94% der Opfer durch Streubomben sind Zivilistinnen und Zivilisten.
  • Von den 875 Millionen Leicht- und Kleinwaffen, die sich weltweit im Umlauf befinden – Revolver, Gewehre, Pistolen –, befinden sich 74% in den Händen der Zivilibevölkerung.

Veröffentlicht am 04.12.15

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