Aufklärung, Prävention und Rehabilitation: unsere Projekte für ein aufrechtes Leben

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In Jammu und Kaschmir in Nordindien sensibilisiert Handicap International die Bevölkerung für die Bedrohung durch explosive Kriegsreste, die die Böden in den Dörfern nahe der Grenze zu Pakistan verseuchen. Weiterhin bieten wir Rehabilitation für besonders schutzbedürftige Menschen an und versorgen so auch die Opfer der explosiven Kriegsreste.

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Fayaz bei einer Rehabilitationssitzung mit Muddasir Ashraf, Physiotherapeut
Fayaz bei einer Rehabilitationssitzung mit Muddasir Ashraf, Physiotherapeut
Der junge Fayaz bei Rehabilitationsübungen mit Muddasir Ashraf, Physiotherapeut und Spezialist für Behinderung für Handicap International in Indien

Die sechsjährige Simran spielte in der Nähe ihres Hauses mit ihrem Bruder Fayaz, 4 Jahre. Sie entdeckte auf dem Boden etwas, das wie ein Ball aussah, und wollte es aufheben. Die Bombe explodierte und tötete sie augenblicklich. Fayaz verlor beide Beine. „Es war ein wirklicher Albtraum“, erklärt Firdousa, die Mutter der beiden. Fayaz und Simran sind nicht die einzigen Fälle: In Jammu und Kaschmir fordern explosive Kriegsreste immer noch regelmäßig das Leben von Menschen, die in den verseuchten Gebieten nahe der Grenze leben. In fünfzehn Jahren wurden mehr als 3.600 Unfälle gemeldet.

So vermeiden wir zukünftige Unfälle

In diesen Gebieten nahe der Grenze wissen viele Dorfbewohner nicht genug über die Gefahren explosiver Kriegsreste oder darüber, wo diese sich befinden. Es passieren immer noch viele Unfälle, und sie enden oft tödlich", erklärt Mehran Khan, Projektmanager für Minenaufklärung und Rehabilitationsprojekte in Jammu und Kaschmir. Seit April 2015 hat Handicap International in Partnerschaft mit der Help Foundation über 10.500 Menschen in 250 Dörfern für die Gefahren von explosiven Kriegsresten sensibilisiert und durch Verteilung von Informationsblättern und durch Seminare und Workshops aufgeklärt. Außerdem haben unsere Teams bereits über 100 Freiwillige und Hilfspflegepersonal über die Gefahren explosiver Kriegsreste geschult.

Handicap international setzt sich auch dafür ein, dass der Zugang von  besonders schutzbedürftigen Menschen zu den Rehabilitationsleistungen sichergestellt ist. „Rehabilitationszentren sind hauptsächlich in den Städten konzentriert. Familien, die in den Bergen wohnen, müssen meilenweit laufen, um zu einem Gesundheitszentrum zu kommen. Es kann Stunden dauern, ein Kind mit Behinderung in die Stadt Srinagar zu bringen. Und die Transportmöglichkeiten sind nicht immer sicher und außerdem teuer für sie. Aus all diesen Gründen bleiben viele Menschen zuhause und erhalten keinerlei medizinische Behandlung“, erklärt Mehran Khan.

Seit 2009 hat Handicap International im Rehabilitationszentrum des Hope Disability Center sowie in den Dörfern für über 10.000 Menschen, darunter 650 Minenopfer, Maßnahmen zur Rehabilitation durchgeführt. Wir haben über 1.500 Prothesen und Orthesen sowie mehr als 3.000 Mobilitätshilfen – Rollstühle, Krücken und Rollatoren – für Menschen mit Behinderung zur Verfügung gestellt. Zusätzlich haben wir viele Trainingsseminare für das Gesundheitspersonal (Ärztinnen und Ärzte, Pflegepersonal) organisiert, um es in der Früherkennung von Behinderungen während der Schwangerschaft  zu schulen. Außerdem lernte es dabei, wie Menschen mit Behinderungen an die passenden Hilfsangebote überwiesen werden können.

„Wir zeigen Familien, wie sie mit ihren Liebsten zu Hause Reha-Übungen machen können“

Zu sehen ist Fayaz mit einem Therapeuten von Handicap International. Er schult Fayaz für den Umgang mit seinen Prothesen.

Schritt für Schritt zurück in ein normales Leben - Fayaz bei einer Rehabilitationseinheit ©Lucas Veuve/Handicap International

Auch wenn die Hilfe, die wir den besonders schutzbedürftigen Menschen bieten, unbedingt notwendig ist, sind doch viele Schwierigkeiten damit verbunden: „Eine unserer – zu oft abgelehnten und falsch verstandenen - Prioritäten ist es, Menschen mit Behinderung dabei zu helfen, sich in ihre Gemeinschaften zu integrieren. Diese Menschen werden manchmal als ‚nutzlos‘ angesehen und laufen Gefahr, versteckt zu werden. Wir möchten, dass sie frei leben können, für sich selbst sprechen und gehört werden“, ergänzt Mehran Khan voller Hoffnung.

Veröffentlicht am 13.07.16

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