Hilfe für Vertriebene in Syrien

  • Nothilfe
  • Syrien

Seit Beginn des Krieges in Syrien sind 6,3 Millionen Menschen vor der Gewalt geflohen, um Zuflucht in anderen Teilen des Landes zu finden. Anfang 2017 eskalierte der Konflikt erneut im Süden Syriens und viele weitere Menschen wurden vertrieben. Handicap International hat gemeinsam mit Partnerorganisationen und anderen humanitären Akteuren dringend notwendige Lebensmittelpakete, Decken, Matratzen und vieles mehr an die Betroffenen verteilt, deren Lebensbedingungen sich schlagartig verschlechtert hatten.

Teilen

Murad und seine Töchter bei der Verteilung von Hilfsgütern.
Murad und seine Töchter bei der Verteilung von Hilfsgütern.
Murad und seine Töchter bekommen Decken bei der Verteilung.

Als sich der Lastwagen gefüllt mit Matratzen, Decken und Fertig- Nahrungsmitteln langsam durch die landwirtschaftlichen Felder kämpft, versammeln sich die Zuschauer um den Marktplatz und warten ungeduldig auf die Ankunft des Trucks. Murad hält seine beiden Töchter an den Händen und beobachtet den LKW, wie er sich ihnen langsam nähert. Der  40-jährige Landwirt musste in den letzten drei Monaten mit ansehen, wie sein Leben aus den Fugen geriet und sich alles veränderte. Nun ist er vollständig auf die humanitäre Hilfe angewiesen. Als der Truck zu ihnen einbiegt, laufen die zwei Töchter hinüber, um sich in der Warteschlange für die Verteilungen anzustellen. Ein erleichtertes Lächeln macht sich auf ihren Lippen breit, als sie schließlich Bettdecken in den Händen halten. „Das wird uns sehr helfen“, sagt Murad.

„Wir sind aus unserer Stadt geflohen und haben dabei nur die allernötigsten Sachen aus unserem Haushalt mitgenommen. Daher brauchen wir solch eine Unterstützung wirklich dringend“, fügt Murad hinzu.

 

Glück im Unglück

Ende März 2017 mussten er und seine Familie ihr Haus und ihre Gegend verlassen, weil sie dort ständig unter Bombenbeschuss standen. Seither wurden die Familie noch mehrmals innerhalb des Landes vertrieben: „Eine Woche, nachdem wir geflohen waren, wurde unser Zufluchtsort ebenfalls bombardiert. Wir mussten wieder fliehen…“
Murads Familie verlor den Großteil ihres Besitzes in den Luftangriffen. „Doch trotz allem finde ich immer noch, dass ich Glück hatte“, sagt er. „Es gibt Millionen Menschen, die derzeit in Syrien auf der Flucht sind. Die meisten Unterkünfte sind überbelegt und manche Leute finden nicht einmal einen Platz, an dem sie bleiben können. Ich habe wenigstens ein kleines Haus gefunden, das ich mit meinen zwei Brüdern zusammen mieten kann.“

Der Leiter der Nothilfeverteilungen für Handicap International im südlichen Syrien erläutert: „Vielleicht wundern sich die Leute manchmal, warum die Verteilung von Nothilfepaketen, Decken oder Matratzen in diesem Zusammenhang so wichtig ist. Doch diese Pakete sind für manche Familien lebensrettend. Die ausgeteilten Dinge können durchaus dazu beitragen, dass Menschen in dieser Lage weniger gefährdet oder ausgeliefert sind. Die Situation in Syrien scheint sich nicht zu verbessern. Wir glauben, dass der Konflikt noch weitere Jahre andauern wird. Jeden Tag werden immer wieder Menschen vertrieben. Manchmal müssen sie zu Fuß aufbrechen und haben keine Möglichkeit, irgendetwas mitzunehmen. Und normalerweise besitzen sie auch nicht die finanziellen Mittel, um sich die Sachen zu kaufen, die wir verteilen.“

 

Eine belastende Situation

Ein anderer Ort, ebenfalls in Südsyrien: Auch hier ist gerade eine Verteilung in vollem Gange. Über 3.200 vertriebene Familien erhalten Lebensmittelpakete. Abo Nabil greift nach einem Paket und legt es in seinen Kinderwagen. Als Vater von sechs Kindern wirkt er sichtlich erleichtert. Vor zwei Monaten musste er mit seiner Familie vor den Bombardierungen in seiner Stadt flüchten. „Als die Kämpfe intensiver wurden, wurde unser Haus mit einem Granatwerfer beschossen. Wir hatten keine andere Wahl, als zu fliehen. Seither hat sich für uns so vieles verändert. Jetzt leben wir in einem nicht fertig gebauten Haus mit anderen vertriebenen Familien. Ich kann nicht mehr arbeiten und habe einfach nicht das Geld, um Essen für meine Frau und die Kinder zu besorgen. Die Situation ist sehr belastend… Daher bin ich sehr dankbar für diese Lebensmittelverteilung!“

 

Der Lärm der Bomben

„Die meisten Flüchtlinge innerhalb Syriens leben in unfertigen Häusern, die sie als Gemeinschaftsunterkünfte nutzen oder in Zelten, die sie selbst aufgestellt haben“, erklärt der Leiter der Nothilfeverteilungen. „Die meisten haben alles zurückgelassen, als sie aus ihren Häusern geflohen sind. Jetzt sind sie auf Wassertrucks angewiesen, die durch die Gegend fahren und auf die Lebensmittelpakete, die wir ihnen spenden.“ Die Tatsache, dass es auch für die humanitären Akteure keine Sicherheit gibt, macht die Lage noch komplizierter. „Wir müssen unsere Verteilungen oft unterbrechen, weil Luftangriffe kommen. Manchmal hören wir den Lärm der Bomben nur ein paar Kilometer weiter. Aber wir werden trotz der Umstände weiterhin Hilfe leisten. Die Situation der Binnenvertriebenen ist kritisch und wir müssen helfen, ihre täglichen Bedürfnisse abzudecken“, ergänzt der Projektmanager von Handicap International. Seit Beginn des Nothilfeeinsatzes in Syrien im Jahr 2013 hat Handicap International schon fast 200.000 Menschen mit Lebensmitteln und wichtigen Haushaltsgegenständen im ganzen Land versorgt.

 

Handicap International in Syrien

Seit Januar 2013 arbeitet Handicap International mit Partnern innerhalb von Syrien, um der betroffenen Bevölkerung Hilfe zu leisten. Eine der Hauptaktivitäten vor Ort ist die Unterstützung von Gesundheitseinrichtungen, damit diese umfassende Rehabilitationsmaßnahmen und psychosoziale Unterstützung für Verletzte leisten können. Handicap International klärt zudem die Bevölkerung über die Gefahren von konventionellen Waffen auf, um die Menschen für die Risiken zu sensibilisieren. Darüber hinaus organisiert Handicap International mit den Partnern die Verteilung von Nahrungsmitteln und essentiellen Haushaltsgegenständen für Menschen in Not. Um sicherzugehen, dass niemand in der humanitären Hilfe vergessen wird, versucht HI Barrieren und Diskriminierungen gegenüber älteren, behinderten oder anderen besonders schutzbedürftigen Menschen zu reduzieren. Zu diesem Zweck werden humanitäre Akteure gezielt geschult und bei der barrierefreien Umsetzung ihrer Aktivitäten technisch unterstützt.

 

 

Veröffentlicht am 16.06.17

UNSERE AKTIVITÄTEN WELTWEIT

Helfen Sie mit