Jemen – die Menschen verhungern im Bombenhagel

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Stellen Sie sich folgende Situation vor: 19 Millionen Menschen – so viele wie New York Einwohner hat oder insgesamt in den Niederlanden leben ­­­­­­­­­­­­­­– werden unaufhörlich bombardiert, sind abgeschnitten von lebenswichtiger Versorgung, können nicht fliehen, werden ignoriert von der internationalen Gemeinschaft. Genau das passiert 19 Millionen Menschen im Jemen seit zwei Jahren Tag für Tag für Tag.

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Das Schriftzug STOP BOMBING CIVILIANS sowie eine Explosion sind zu sehen
Das Schriftzug STOP BOMBING CIVILIANS sowie eine Explosion sind zu sehen

Heute (25. April 2017) findet in Genf eine Geberkonferenz für den Jemen statt, initiiert von UN-Generalsekretär Antonio Guterres. Das ist für uns Anlass genug, gemeinsam als Organisationen unsere Stimme zu erheben: Wir sind zutiefst empört darüber, dass Millionen Frauen, Männer und Kinder als Geiseln genommen werden – als Geiseln einer ermatteten Diplomatie und der Barbarei von Kriegsparteien, die das internationale humanitäre Völkerrecht verspotten und mit Füßen treten.

Jeden Tag versuchen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Organisationen, den am stärksten Betroffenen die lebensnotwendige Hilfe zukommen zu lassen, aber allzu oft können wir unserem Auftrag nicht gerecht werden. Die Konfliktparteien verhindern den Zugang zu den Hilfsbedürftigen. Zu der desolaten Sicherheitslage und den administrativen Hürden kommt erschwerend die De facto-Blockade für humanitäre Güter. Denn die Resolution 2216 des UN-Sicherheitsrats – die ja eigentlich die zivile Bevölkerung schützen sollte – hat dazu geführt, dass medizinische Versorgung, Lebensmittel und Hilfsgüter nicht mehr bei den Menschen ankommen.

In einem Land, das 90 Prozent seiner Nahrungsmittel importiert, kommt schlichtweg nicht mehr genug zu essen bei der Bevölkerung an. Eine Hungersnot wurde zwar noch nicht offiziell ausgerufen, aber das liegt möglicherweise daran, dass wir zu einigen Gebieten keinen Zugang haben und deshalb die Lage nicht evaluieren können. Schätzungen zufolge sind 462.000 Kinder aktuell vom Hungertod bedroht. Und das ist noch eine konservative Schätzung. Über den Hafen von Hodeidah kommen noch einige wenige der lebenswichtigen Güter in das Land. Noch ist der Hafen zu etwa 10 Prozent in Betrieb. Würde er vollständig abgeriegelt, würde das die Lage dramatisch verschlechtern. Das gesamte Gesundheitssystem könnte vor unseren Augen kollabieren. Deswegen fordern wir: Der Hafen muss geöffnet bleiben!

Und noch etwas bewegt uns: Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Jemen waren Zeugen, dass explosive Waffen immer wieder auch in stark bevölkerten Gebieten eingesetzt werden. Das widerspricht fundamentalen Prinzipien, wonach es Zivilisten zu schützen gilt. Wir sehen Tote, Verletzte und eine traumatisierte Gesellschaft. Viele der Menschen leiden unter den körperlichen und seelischen Folgen dessen, was sie Tag für Tag erleben und erleiden müssen.

Damit solche Szenen in Zukunft der Vergangenheit angehören:

Jetzt Petition "Keine Bomben auf Wohngebiete" unterzeichnen

Nur um das einmal ganz deutlich zu machen: Die gesamte internationale Gemeinschaft trägt die Verantwortung. Nicht zu vergessen, dass es Staaten gibt, die weiterhin Waffen in den Jemen liefern und keine politischen Maßnahmen ergreifen, um die Menschen aus der Falle, in der sie sitzen, zu befreien. Wir erwarten von der internationalen Gemeinschaft, dass sie heute deutliche Worte findet und die nötigen finanziellen Hilfen für den Jemen bereitstellt. Das reicht aber nicht. Nicht, so lange weiter eine Seeblockade besteht, weiter Bomben auf Wohngebiete fallen, der Zugang zu den Hilfsbedürftigen nicht oberste Priorität ist! Bei dieser Geberkonferenz geht es nicht nur um Geld. Es geht darum, inwieweit sich unsere Regierungen dem humanitären Völkerrecht verpflichtet fühlen. Es sei denn, sie begraben ihre Prinzipien – genauso wie die Menschen im Jemen, die sie nicht ausreichend beschützt haben.

Die Autoren dieses Beitrages sind:: Jean-Pierre Delomier von Handicap International; Jean-François Corty von  Ärzte der Welt; Isabelle Moussard-Carlsen von Aktion gegen den Hunger; Wael Ibrahim von Care und Hélène Quéau von Première Urgence Internationale

Vier Autoren leiten als Direktoren die Abteilung für internationale bzw. humanitäre Einsätze in ihrer jeweiligen Organisation in Frankreich. Wael Ibrahim ist Landesdirektor im Jemen. Der Gastbeitrag erschien im Original in französischer Sprache am 24. April in der Tageszeitung “Le Monde”.

Veröffentlicht am 25.04.17

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