Bombardierung von Zivilbevölkerung ist ein Verbrechen

Der Einsatz von explosiven Waffen in dicht bevölkerten Gebieten ist leider eine gängige Praxis in aktuellen Konflikten wie in Syrien, der Ukraine oder im Jemen. Dabei treffen diese Waffen jedes Mal auch Zivilbevölkerung und verursachen grausame Verletzungen wie Verbrennungen, offene Wunden oder komplizierte Brüche. Sie sind für lebenslange Behinderungen und dauerhafte psychologische Traumata verantwortlich. Sie zerstören Häuser und Wohnungen, Schulen und Krankenhäuser und zwingen die Menschen zur Flucht. Außerdem bleiben bei jedem Einsatz Blindgänger liegen. So machen explosive Kriegsreste die Rückkehr der Bevölkerung in ihre Wohngebiete nach einem überstandenen Angriff oder nach dem Ende eines Konflikts besonders gefährlich.

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Zerbombte Straßenszene, ein Auto liegt im Geröll
Zerbombte Straßenszene, ein Auto liegt im Geröll
Die durch explosive Waffen zerstörte Stadt Kobane

Was sind explosive Waffen?

Explosive Waffen bezeichnen verschiedenen Munitionsformen wie Mörsergranaten, Raketen, Artilleriegranaten und unkonventionelle Sprengvorrichtungen (Sprengfallen). Auch Anti-Personen-Minen, die laut der 1999 in Kraft getretenen Ottawa Konvention verboten sind, sowie Streumunition, verboten laut der Oslo-Konvention (2008), gehören dazu. Alle diese Waffen verursachen Verletzungen und Todesfälle und zerstören Infrastruktur, indem sie um einen Sprengpunkt herum Explosion, Hitze und Zersplitterung bewirken. Ihr Einsatz in dicht bevölkerten Gebieten bedeutet deshalb ein nicht hinnehmbares Risiko für die Zivilbevölkerung, insbesondere, wenn Waffen einen weiten Wirkungsbereich haben.

Explosive Waffen haben drei Hauptmerkmale, die das Leben der Zivilbevölkerung in Gefahr bringen:

  • Ein Wirkungsbereich, der von wenigen Metern bis hin zu mehreren hundert Metern um den Sprengpunkt herum reichen kann.
  • Ein Präzisionsgrad, der je nach Waffentyp variiert, da keine Waffe gänzlich zuverlässig ist. Fassbomben, die beispielsweise im syrischen Konflikt eingesetzt werden, treffen Ziele absolut unterschiedslos.
  • Der Einsatz von verschiedenen Waffentypen in einer Konfliktzone erhöht den Wirkungsbereich eines Angriffs.

Wenn zum Beispiel eine Konfliktpartei eine Rakete abfeuert, um feindliche Waffenlager, die sich nahe einer Wohngegend befinden, zu zerstören, kann diese Rakete leicht ihr Ziel verfehlen und ein wenige Meter entferntes Geschäft treffen. Die Explosion wäre ausreichend, um angrenzende Wohnhäuser zu zerstören und damit Mitglieder mehrerer Familien zu töten.

Was sagt das internationalen Recht?

Allein 2015 wurden fast 44.000 Menschen weltweit durch Explosivwaffen verletzt oder getötet. Davon stammen 76% aus der Zivilbevölkerung. Werden explosive Waffen in dicht bevölkerten Gebieten eingesetzt, sind es sogar 92%.  All dies dürfte nach dem internationalen Völkerrecht nicht sein. Als Lehre aus dem Zweiten Weltkrieg wurde im Genfer Abkommen IV festgelegt, dass in Konflikten weder die Zivilbevölkerung noch zivile Gebäude angegriffen werden dürfen. Jeder Angriff muss zwischen der Zivilbevölkerung und Kämpfenden unterscheiden. Die Anzahl ziviler Todesopfer oder Verletzte sowie Beschädigungen von zivilen Gebäuden muss begrenzt werden, indem das Prinzip der Proportionalität zwischen militärischem Ziel und potentieller Gefahr für Zivilisten eingehalten wird und relevante Vorsorgemaßnahmen getroffen werden, um das Ausmaß von Angriffen einzugrenzen.

Obwohl die Zivilbevölkerung laut Völkerrecht also unter besonderen Schutz gestellt wird, verursacht der derzeitige Einsatz von explosiven Waffen in Konfliktsituationen sehr viele zivile Opfer. Handicap International möchte den wichtigen Regelungen des Völkerrecht wieder mehr Gewicht verleihen. Deshalb versuchen wir als Teil der Kampagne INEW (Internationales Netzwerk zu Explosivwaffen) eine internationale politische Vereinbarung zu bewirken, die solche Einsätze gezielt reglementiert und dadurch möglichst ganz verhindert.

Handicap International engagiert sich in Regionen, in denen die Bevölkerung von Explosivwaffen betroffen war oder noch immer ist, z.B. in Syrien und den Nachbarländern, die viele Flüchtlinge aufgenommen haben. Viele der dort versorgten Menschen sind Opfer von explosiven Waffen. Die Fachkräfte von Handicap International kümmern sich um Verwundete und andere Menschen mit Behinderung. Sie klären die Bevölkerung, vor allem Kinder, über die Risiken auf, um Unfälle mit Blindgängern zu vermeiden. Und sie stehen bereit, um Blindgänger zu räumen, sobald ein Ende des Konflikts dies möglich macht.

Bei unserem Einsatz für die Opfer des Krieges in Syrien sind seit 2015 drei große Erfahrungsberichte über die Folgen von Explosivwaffen entstanden:

Damit solche Szenen in Zukunft der Vergangenheit angehören:

Jetzt Petition "Keine Bomben auf Wohngebiete" unterzeichen

Veröffentlicht am 08.08.16

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