ComIn – Hilfe für Flüchtlinge und MigrantInnen mit Behinderung in München

Im Jahr 2003 haben wir das Projekt ComIn in München eröffnet. In den Büroräumen des Projekts oder auch bei Besuchen in Flüchtlingsunterkünften unterstützen haupt- und ehrenamtliche Mitarbeitende täglich MigrantInnen und Flüchtlinge mit Behinderung dabei, die engen Grenzen ihres Alltags zu erweitern

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Zwei Männer sitzen an einem Tisch. Der Mann auf der rechten Seite hat eine Sehbehinderung und liest in einem Buch mit Brailleschrift. Der andere Mann hört ihm zu.
Zwei Männer sitzen an einem Tisch. Der Mann auf der rechten Seite hat eine Sehbehinderung und liest in einem Buch mit Brailleschrift. Der andere Mann hört ihm zu.
Ein Kursteilnehmer mit Sehbehinderung liest aus einem Buch mit Braille-Schrift.

AKTUELL: Ehrenamtlich engagieren für Flüchtlinge mit Behinderung in München

ComIn sucht aktuell ehrenamtliche Mitarbeitende, die Flüchtlinge am Vormittag zum Deutschkurs begleiten oder die nachmittags Computerkurse anbieten können.

Bei Interesse melden Sie sich bitte bei Frau Ricarda Wank.

Was ist ComIn?

Basierend auf den seit Langem bestehenden weltweiten Aktivitäten von Handicap International fördert das Projekt ComIn die Einbindung von MigrantInnen und Flüchtlingen mit Behinderung in München.

Unsere Angebote sind:

  • PC-Kurse für Flüchtlinge mit und ohne Behinderung
  • Deutschübungen für Menschen mit unterschiedlichsten Behinderungen
  • Arbeiten am Computer mit angepassten Hilfsmitteln
  • Braille-Kurse (Blindenschrift)
  • Einführung in die EDV-Nutzung der Braille-Schrift für blinde oder sehbehinderte Menschen
  • Mobilitätsschulungen für RollstuhlfahrerInnen, Blinde und Sehbeeinträchtigte, Barriere-Checks
  • Suche von Freiwilligen für Einzelfallhilfe (Integration, Mobilität)
  • Stärkung junger/älterer MigrantInnen mit Behinderung (z.B. Selbstverteidigungskurse)
  • Entlastung der Familienangehörigen durch die Kooperation mit Organisationen
  • Projekte von Teilnehmenden wie Musikkurse, Unterstützung anderer Menschen mit Behinderung im Heimatland

Viele der Betroffenen kommen regelmäßig oder für eine bestimmte Zeit in unsere Projekträume in München. Im Idealfall werden sie so lange unterstützt, bis sie mobil und selbstständig eigene Ziele in die Hand nehmen können. Ermöglicht wird dies durch unsere Ehrenamtliche mit und ohne Migrationshintergrund.

J. Bakare aus Nigeria hatte bereits ein technisches Training unterlaufen, als er durch einen schweren Unfall chronische Lähmungen davontrug. Der junge Mann bekam zuhause nicht die Unterstützung, die er benötigte und entschloss sich deshalb nach Deutschland zu fliehen. Nach einigen Jahren der medizinischen Behandlung kam er zu ComIn und nahm dort an einem IT-Training teil. Als gelernter Experte war er nun im Stande selber IT-Kurse für andere Flüchtlinge mit Behinderung bei ComIn zu geben. Heute hat Jonathan einen guten Job bei einem Münchner IT Unternehmen, für den er sich durch seine Erfahrung und die Empfehlung von ComIn erfolgreich bewerben konnte.

Globale Krisen – nationale Mängel

Im Jahr 2015 erreichten circa 1,5 Millionen Flüchtlinge Europa, etwa 1 Million kamen nach Deutschland, viele von Ihnen nach München. Eine außergewöhnliche Herausforderung für Behörden und freiwillige Helferinnen und Helfer gleichermaßen. Wenig Beachtung findet dabei die Tatsache, dass  sich unter den vielen Schutzsuchenden auch Flüchtlinge mit angeborenen oder durch Verletzungen in Kriegs- und Krisengebieten erworbenen Behinderungen sowie chronischen Erkrankungen befinden. Aktuell gibt es keine genauen Daten über den Prozentsatz an Flüchtlingen mit Behinderung. Aus einer Studie aus dem Jahr 2015 über Langzeitfolgen von Verletzungen durch explosive Waffen gingen jedoch folgende Werte hervor:

  • 15% der Opfer von explosiven Waffen erlitten eine Ampuation
  • 10% der befragten Menschen litten an peripheren Nervenschädigungen
  • 5% der Opfer litten unter Verwundungen des Rückenmarks
  • Insgesamt hatten 89% der erfassten Opfer von explosiven Waffen eine bleibende oder vorübergehende Beeinträchtigung.

Da diese Stichprobe nur die durch Verletzung bedingten Beeinträchtigungen umfasst, kann von einer nicht zu unterschätzenden Zahl von Flüchtlingen und MigrantInnen mit Behinderung ausgegangen werden.

Trotz der erfolgreichen Unterstützung durch Projekte wie ComIn, sehen sich speziell Flüchtlinge mit Behinderung auch in Deutschland vielen vermeidbaren Hindernissen gegenüber.

Kritisiert wird unter anderem die Ende 2015 verabschiedete Verschärfung des Asylrechts (AsylbLG), das eine Abschiebung trotz Behinderung oder chronischer Erkrankung, wenn diese schon im Herkunftsland bestand, rechtlich ermöglicht. Ebenso ist die medizinische Versorgung nur im Notfall zulässig. Viele Menschen mit Behinderung sind jedoch auf eine regelmäßige medizinische Versorgung oder spezielle Behandlungen wie regelmäßige Physiotherapien angewiesen, auch wenn sie nicht als Notfall eingestuft werden.

Elementar für ein selbstbestimmtes Leben ist außerdem ein geregeltes Arbeitsverhältnis. Alle Flüchtlinge, auch Flüchtlinge mit Behinderung werden jedoch erst nach vier Jahren durch die Bundesagentur für Arbeit gefördert.

Ehrenamt als Chance für alle Beteiligten

Abseits des offiziellen Projekts zeigte sich im Laufe der Jahre zunehmend die ausgeprägte Eigeninitiative der Teilnehmenden.

T. Mahmood aus dem Irak arbeitete in seiner Heimatstadt Bagdad als Journalist und wurde dort während Kampfhandlungen schwer verletzt. Seitdem lebt er mit chronischen Schmerzen. Nach einer traumatischen Flucht durch den Iran und die Türkei erreichte er mit seiner Familie München. Im Projekt ComIn von Handicap Internationa, fand Mahmood persönliche Unterstützung und hatte die Chance Deutsch zu lernen. Dem gut ausgebildeten Mann verhalfen dieser Kurs und sein paralleles, freiwilliges Engagement für andere Flüchtlinge zu einem Job als Übersetzer für MigrantInnen aus Afghanistan und dem Irak.

Unsere Forderungen   

Neben unserer täglichen Arbeit ist es ComIn ein sehr wichtiges Anliegen, die politischen Rahmenbedingungen zu ändern und für eine konsequente Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung einzustehen. Darüber hinaus möchten wir den Blick der Öffentlichkeit auf die schwierigen Zustände in den Flüchtlingsunterkünften und die erschwerten Lebensbedingungen für Flüchtlinge mit Behinderung lenken. Nicht nur die Ausstattung und Versorgung in den Flüchtlingsunterkünften, auch die Einbindung in Ausbildungsprogramme und staatlich geförderten Deutschunterricht muss so schnell wie möglich mit Rücksicht auf Menschen mit Behinderung angepasst werden. ComIn versucht in diesen Fragen durch kontinuierliche Kampagnenarbeit Verbesserungen zu erzielen.

Veröffentlicht am 13.12.15

Haben Sie noch weitere Fragen?

Ricarda Wank steht Ihnen gerne zur Verfügung.

Projekt ComIn
Türkenstr. 21
80799 München

Tel.: 089 / 411 09 573
Fax: 089 / 54 76 06 20

E-Mail: rwank(at)handicap-international.de

Das Projekt ComIn wurde 2006 mit dem Preis Münchner Lichtblickeausgezeichnet.

Das Projekt ComIn wird durch die Stadt München gefördert.

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