Niger: Doppelte Krise - Gewalt und Klimakatastrophen
In Niger kämpfen die Menschen nicht nur mit Überflutungen und Dürren, sondern auch mit den Folgen der Angriffe bewaffneter Gruppen. Hundertausende mussten fliehen, ganze Regionen sind mit Minen verseucht. Viele Menschen haben nicht genug zu essen, und besonders Menschen mit Behinderung werden oftmals übersehen. Doch unsere Teams haben schon Zehntausenden geholfen und viele Leben gerettet.
© I. Abdoulaye / HI
Unsere Teams warnen vor Minen, schulen zu Barrierefreiheit sowie Teilhabe und versorgen Menschen mit Amputationen. Besonders die Regionen Tillabéri und Diffa sind schwer gezeichnet: Bewaffnete Konflikte und häufige Extremwetter haben Hunderttausende zur Flucht gezwungen. Besonders gefährlich sind improvisierte Sprengkörper, die in Dörfern zurückbleiben und vor allem Kinder verletzen oder töten. Handicap International (HI) klärt seit 2021 über die Gefahren auf und zeigt, wie man verdächtige Gegenstände erkennt und gefährliche Zonen meidet.
„Dank unserer Arbeit haben wir schon viele Leben gerettet. Die Zahl der Unfälle sinkt“, berichtet Projektleiter Moussa Sidikou Sanda. „Wir helfen vor allem denjenigen, die durch einen Blindgänger verletzt und amputiert werden mussten.“
Über 60 Opfer von Explosionen erhielten bereits medizinische Versorgung, Prothesen und psychosoziale Unterstützung, um ihr Leben neu aufzubauen.
Rettungsanker gegen Ausgrenzung
In Krisen werden Menschen mit Behinderung, Frauen, Kinder und Ältere oft vergessen. Gemeinsam mit lokalen Partnern schult HI Gemeinden zu ihren Rechten, Barrierefreiheit und Teilhabe. Mobilitätshilfen wie Dreiräder oder Gehstöcke schenken Betroffenen Unabhängigkeit. Besonders wichtig sind kostenlose medizinische Camps für Menschen aus abgelegenen Regionen: Über 32.000 wurden hier schon behandelt. Für viele war es die erste medizinische Versorgung ihres Lebens. Einige erhielten Brillen, kleine operative Eingriffe oder Physiotherapie.
„Ein Mädchen, das von seiner Stiefmutter misshandelt wurde, kann heute dank der Behandlung durch einen Spezialisten wieder hören und geht zur Schule“, erzählt Sanda.
Und Maimouna Adamou aus Tillabéri erzählt stolz:
„Früher wusste ich nicht, wie ich ohne Hilfe zu meinem Arbeitsplatz kommen sollte. Jetzt habe ich mein eigenes Dreirad und bin wieder mobil.“
Solche Erfolge zeigen: Inklusion schafft eigenständiges Leben.
Gemeinsam gegen Hunger und Obdachlosigkeit
Die Klimakrise verschärft die Not. Nach den Überschwemmungen 2025 unterstützte HI 600 Haushalte in Diffa mit finanzieller Hilfe, um Essen und Unterkünfte zu sichern. Familien wie die von Adamou Oumarou lernten, stabilere Häuser zu bauen:
„Heute haben wir ein sicheres Zuhause, indem wir auch Nahrung gut lagern können.“
Zudem fördert HI ein besonderes Projekt für Frauen: Sie lernen und vermitteln in ihren Dörfern Wissen über gesunde Ernährung. Die Verteilung von Saatgut für Hirse, Sorghum und Erdnüsse stärkt die Eigenversorgung.
„Ich kann nur betonen: Das Projekt hat eine sehr positive Wirkung“, sagt Sanda.
Seit Beginn sind die Unfälle mit Blindgängern zurückgegangen, die gesundheitliche Versorgung hat sich verbessert und der soziale Zusammenhalt gefestigt.
Das Auswärtige Amt unterstützt Hilfsprojekte in Niger.