Co-Preisträgerin Friedensnobelpreis

Äthiopien

Handicap International (HI) unterstützt Menschen, die von humanitären Krisen betroffen sind, indem sie den Zugang zu Gesundheits- und Rehabilitationsangeboten verbessert und sich für Klimaresilienz, Bildung, wirtschaftliche Teilhabe sowie die Verringerung bewaffneter Gewalt einsetzt

Nahaufnahme eines jungen Mädchens auf ihrem Dreirad. Neben ihr sitzt ihr Onkel. Beide lächeln in die Kamera.

Nyaduoth sitzt auf ihrem Dreirad neben ihrem Onkel. Das Dreirad ermöglicht dem jungen Mädchen mit Behinderung mobil und unabhängig zu sein. | © Till Mayer / HI

Laufende Aktivitäten

Handicap International startete 2011 ein Projekt zur Förderung inklusiver Bildung in der Fafan-Zone der Somali-Region. Darauf aufbauend wurden zwei aufeinanderfolgende Fünfjahre-Programme für den Zeitraum 2018 bis 2027 umgesetzt. Ziel dieser Maßnahmen ist es, Menschen mit Behinderungen, ihre Familien sowie Kinder mit Behinderungen dabei zu unterstützen, gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Dazu werden Barrieren abgebaut, der Zugang zu Einkommens- und Erwerbsmöglichkeiten verbessert und Rehabilitationsangebote ausgebaut. Darüber hinaus leistet Handicap International Opferhilfe für Überlebende von Kriegen, fördert ihre wirtschaftliche Teilhabe und stärkt sowohl die Betroffenen als auch ihre Familien.

Im Rahmen ihres Engagements für den Ausbau von Rehabilitationsangeboten setzt Handicap International zunehmend auf innovative, technologiegestützte Lösungen. Dazu gehören die Herstellung und Anpassung von 3D-gedruckten Prothesen und Orthesen für Menschen, die Gliedmaßen verloren haben. Dieser Ansatz wird derzeit in Tigray, der Somali-Region und Addis Abeba umgesetzt. Er bietet insbesondere Menschen in abgelegenen und unterversorgten Regionen eine bezahlbare und leicht zugängliche Versorgung, da die Produktionszeit und -kosten gesenkt und gleichzeitig der Zugang zu wichtigen Hilfsmitteln verbessert werden.

Handicap International unterstützt Überlebende von Kriegen durch Maßnahmen der Opferhilfe, um ihre wirtschaftliche Teilhabe zu fördern und sowohl die Betroffenen als auch ihre Familien nachhaltig zu stärken.

Seit 2019 setzt Handicap International Maßnahmen für mehr Schutz und zur Verringerung von Gefahren in den Regionen Somali, Oromia, Gambella, Benishangul-Gumuz, Tigray und Afar um. Die Maßnahmen richten sich an Binnenvertriebene und Geflüchtete, die von Dürre und Konflikten betroffen sind.

Darüber hinaus setzte Handicap International ein Projekt zur Stärkung lokaler Kapazitäten und zur Bereitstellung integrierter humanitärer Nothilfe um. Bestandteil des Projekts waren unter anderem Maßnahmen zur Förderung der psychischen Gesundheit und psychosozialen Unterstützung (Mental Health and Psychosocial Support, MHPSS).

Derzeit klärt Handicap International Gemeinden in kontaminierten Gebieten der Regionen Tigray und Amhara über die Risiken explosiver Kriegsreste auf.

  • Anzahl der Mitarbeitenden: 101
  • Direkte Begünstigte, die 2025 von HI unterstützt werden: 52.769 Menschen
  • Indirekte Begünstigte der Maßnahmen von HI im Jahr 2025: 233.582 Menschen
  • Start des Programms: 1986

Hintergrund

Karte des HI-Einsatzes in Äthiopien

Bis März 2026 blieb die Situation der öffentlichen Gesundheit in Äthiopien angespannt, obwohl der Marburg-Ausbruch im Januar offiziell beendet worden war.

Insgesamt wurden 19 Fälle und 9 Todesfälle registriert. Der Schwerpunkt liegt weiterhin auf der frühzeitigen Erkennung neuer Infektionen, insbesondere in Gebieten mit hohem Risiko.

Gleichzeitig besteht in den Regionen Somali, Oromia (einschließlich Bale und Ost-Bale) sowie Afar ein erhöhtes Risiko für Cholera und Durchfallerkrankungen. Ursachen sind anhaltende Dürre, Wassermangel und Vertreibung. Landesweit sind schätzungsweise 70 Millionen Menschen gefährdet.

Auch Malaria bleibt ein großes Gesundheitsproblem, insbesondere in der Region Oromia. Bis März 2026 wurden rund 7,3 Millionen Malariafälle und 1.157 Todesfälle gemeldet. Etwa 75 Prozent des Landes gelten als Malaria-Risikogebiete.

In den von Konflikten und Dürre betroffenen Regionen Afar, Somali und Tigray kommt es weiterhin zu Ausbrüchen von Masern, Denguefieber und Durchfallerkrankungen. Gründe dafür sind die niedrige Impfquote und eingeschränkte Gesundheitsdienste.

Zudem ist akute schwere Unterernährung weit verbreitet. Schätzungen zufolge benötigen rund 763.879 Kinder eine Behandlung, besonders in den von Dürre betroffenen Gebieten.

Die starken Regenfälle im Osten Äthiopiens im März 2026 haben die Wasser- und Futterversorgung vorübergehend verbessert und die Lage in einigen betroffenen Regionen etwas entspannt.

Kürzungen der internationalen Finanzierung in den Jahren 2025 und 2026 haben die humanitäre Hilfe in Äthiopien jedoch erheblich geschwächt. Einige Programme zur Nahrungsmittelhilfe mussten ihre Leistungen etwa halbieren, während gleichzeitig Finanzierungslücken von mehr als 200 Millionen US-Dollar entstanden. Infolgedessen wurden Ernährungsprogramme eingestellt, Lebensmittelrationen gekürzt und Millionen besonders gefährdeter Menschen verloren den Zugang zu lebenswichtiger Unterstützung. Dadurch haben sich Hunger, Unterernährung und die allgemeine humanitäre Lage weiter verschärft.


 

Neues aus den Projekten

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© Halefom Bale / HI
Minen und andere Waffen Rehabilitation und Orthopädie

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Mehari Amare Tadele ist 36 Jahre alt, Vater von vier Kindern und hat eine Metallwerkstatt. Beim Sortieren von Teilen explodierte plötzlich ein Sprengkörper. Mehari verlor sein linkes Auge, eine Hand und seinen Job, die einzige Einkommensquelle. Doch unsere Teams in der Region Tigray unterstützten den jungen Familienvater medizinisch und psychologisch und halfen beim Wiederaufbau seines Geschäfts.

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© HI
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Mangelernährung bei Kleinkindern kann zu Entwicklungsverzögerungen und Behinderungen führen. So ist es dem kleinen Pal im Flüchtlingslager in Äthiopien ergangen: Der unterernährte Junge konnte sich nicht so entwickeln wie andere Kinder in seinem Alter. Dank der Nahrungsmittelhilfe und umfassenden Therapien von HI kann er jetzt selbständig sitzen, stehen und gehen.

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Über eine Million Menschen leiden infolge der Gewalt in der äthiopischen Region Tigray. Die humanitäre Krise verschlimmert sich jeden Tag. Die Teams von Handicap International (HI) sind vor Ort, um den Betroffenen beizustehen. Viele Menschen mussten bereits fliehen. 

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