Myanmar
In Myanmar unterstützt Handicap International (HI) Menschen, die von humanitären Krisen betroffen sind, und hilft ihnen, die benötigte humanitäre Unterstützung zu erhalten. Außerdem engagiert sich Handicap International besonders in den Städten und stadtnahen Gebieten von Yangon und dem südlichen Shan-Staat für die Rechte und Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen.
Reha-Therapie - HI Myanmar | © T. Calvot / HI
Laufende Aktivitäten
In Myanmar leisten die Teams von Handicap International Hilfe für besonders schutzbedürftige Bevölkerungsgruppen. Angesichts der aktuellen Situation im Land konzentrieren sich die Maßnahmen von Handicap International vor allem auf die humanitäre Hilfe für Menschen, die von Konflikten betroffen sind. Dazu gehören sowohl Binnenvertriebene, die in offiziellen Lagern leben, als auch Menschen, die in informellen Unterkünften Zuflucht gefunden haben. Darüber hinaus arbeiten die Teams eng mit den aufnehmenden Gemeinden zusammen, um deren Bedürfnisse zu berücksichtigen und die zusätzlichen Belastungen durch die Aufnahme von Vertriebenen zu verringern.
Das Projekt kombiniert zwei Umsetzungsansätze:
- Direkt durch die Teams von Handicap International sowie
- in Zusammenarbeit mit lokalen Partnerorganisationen, die die Maßnahmen vor Ort durchführen.
Dieser kombinierte Ansatz ermöglicht es Handicap International, mehr Menschen zu erreichen. Die Zusammenarbeit mit lokalen Partnerorganisationen ist dabei besonders wichtig, um Menschen in schwer zugänglichen Gebieten zu unterstützen – insbesondere in Regionen mit eingeschränktem Zugang oder in Gebieten, in denen internationale Organisationen nur begrenzt tätig sein können. Durch diese Kombination aus direkten Hilfeleistungen durch die Teams von Handicap International und der Zusammenarbeit mit lokalen Partnern stellt Handicap International sicher, dass humanitäre Hilfe schnell, inklusiv und an die jeweiligen lokalen Gegebenheiten angepasst bei den Menschen ankommt, die sie am dringendsten benötigen.
Mit festen und mobilen Kliniken unterstützt Handicap International Menschen in konfliktbetroffenen Gebieten mit physiotherapeutischer Rehabilitation sowie Angeboten zur psychischen Gesundheit und psychosozialen Unterstützung. Die Rehabilitationsangebote umfassen Physiotherapie, die Bereitstellung von Hilfsmitteln sowie die Vermittlung an Einrichtungen für Prothesen und andere spezialisierte Gesundheitsdienste. Außerdem werden Angehörige und Betreuungspersonen geschult und beraten, damit sie die Behandlung der Betroffenen zu Hause weiter unterstützen können. Die psychosoziale Unterstützung erfolgt sowohl in Gruppen- als auch in Einzelgesprächen. Sie hilft den Betroffenen, die seelischen und sozialen Folgen von Konflikt und Vertreibung besser zu bewältigen. Wenn weiterführende oder spezialisierte Hilfe benötigt wird, vermitteln die Teams die Betroffenen an geeignete Fachstellen. Zusätzlich unterstützt Handicap International besonders schutzbedürftige Menschen dabei, ihre Grundbedürfnisse zu decken. Dazu gehören Lebensmittel, Hilfe bei der Unterbringung, Haushalts- und Alltagsartikel sowie Hygieneartikel und weitere Materialien für Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene. Darüber hinaus erhalten betroffene Menschen finanzielle Hilfe, um ihre wichtigsten Bedürfnisse eigenständig zu decken.
Auf nationaler Ebene trägt Handicap International dazu bei, die humanitäre Hilfe inklusiver zu gestalten. Dafür entwickelt Handicap International gemeinsam mit anderen Akteuren Standards, Leitlinien und Arbeitshilfen, die humanitären Organisationen dabei helfen, die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen in allen Bereichen ihrer Arbeit zu berücksichtigen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf inklusiver Bildung. Handicap International unterstützt internationale und nationale Bildungsakteure sowie gemeindebasierte Bildungsinitiativen durch fachliche Beratung und Schulungen, damit Kinder und Jugendliche mit Behinderungen gleichberechtigten Zugang zu Bildungsangeboten erhalten. Darüber hinaus fördert Handicap International die wirtschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen. Dazu unterstützen die Teams Menschen mit Behinderungen sowie Haushalte, in denen Menschen mit Behinderungen leben, beim Zugang zu Einkommens- und Beschäftigungsmöglichkeiten. Ziel ist es, ihre wirtschaftliche Selbstständigkeit und ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Krisen zu stärken.
Da viele Regionen in Myanmar durch explosive Kriegsreste belastet sind, führt Handicap International Aufklärungskampagnen über die Gefahren solcher Kriegsreste durch. Ziel ist es, das Bewusstsein der Bevölkerung für diese Risiken zu stärken und Unfälle zu verhindern.
Um eine wirksame und gut abgestimmte humanitäre Hilfe sicherzustellen, arbeitet Handicap International eng mit lokalen Behörden, internationalen und nationalen Hilfsorganisationen, zivilgesellschaftlichen Organisationen sowie den betroffenen Gemeinden zusammen.
• Anzahl der Mitarbeitende von Handicap International: 93
• Direkte Begünstigte, die 2025 von Handicap International unterstützt werden: 75.355 Menschen
• Indirekte Begünstigte der HI-Aktivitäten im Jahr 2025: 233.841 Menschen
• Das Programm wurde 2013 ins Leben gerufen
Hintergrund
Myanmar befindet sich seit der Übernahme durch das Militär im Februar 2021 im fünften Jahr eines landesweiten bewaffneten Konflikts. Aus zunächst lokalen Auseinandersetzungen hat sich ein zersplitterter Bürgerkrieg entwickelt, der von Luftangriffen, Drohnenangriffen, Artilleriebeschuss und dem Zusammenbruch staatlicher Einrichtungen geprägt ist. Im Jahr 2026 werden schätzungsweise mehr als 16 Millionen Menschen – rund ein Drittel der Bevölkerung – auf humanitäre Hilfe angewiesen sein. Gleichzeitig erschweren die anhaltende Unsicherheit, der eingeschränkte Zugang zu betroffenen Gebieten und eine unzureichende Finanzierung die Bereitstellung dieser Hilfe.
Die Krise wurde zusätzlich durch Naturkatastrophen verschärft. Ein Erdbeben der Stärke 7,7 im März 2025 verursachte massive Schäden an Gesundheitseinrichtungen, Verkehrsinfrastruktur, Bewässerungssystemen und Märkten in wichtigen landwirtschaftlichen Regionen. Später im Jahr 2025 führten schwere Überschwemmungen zu weiteren Vertreibungen gefährdeter Bevölkerungsgruppen und zerstörten zahlreiche Lebensgrundlagen. Das Zusammenspiel von bewaffnetem Konflikt und Naturkatastrophen hat die Ernährungsunsicherheit erheblich verschärft und den Zusammenbruch grundlegender Versorgungsstrukturen beschleunigt – insbesondere im Südosten des Landes.
Vertreibung ist weiterhin das prägende Merkmal der Krise. Anfang 2026 waren mehr als 5,2 Millionen Menschen innerhalb des Landes oder über die Landesgrenzen hinweg auf der Flucht – so viele wie nie zuvor. Viele Menschen werden aufgrund von Luftangriffen, Artilleriebeschuss, Überschwemmungen und sich ständig verändernden Frontverläufen immer wieder vertrieben. Diese wiederholten Fluchtbewegungen führen zum Verlust von Besitz und Lebensgrundlagen und schwächen die Fähigkeit der Betroffenen, Krisen zu bewältigen. Gleichzeitig haben sich die Kosten für Grundnahrungsmittel seit 2021 vervierfacht, und schätzungsweise 16,7 Millionen Menschen leiden unter akuter Ernährungsunsicherheit.
Auch die veränderte Art der Kriegsführung hat das Verletzungsmuster deutlich verändert. Luftangriffe, Landminen und andere explosive Waffen führen zu einer hohen Zahl schwerer Verletzungen, darunter Amputationen und Rückenmarksverletzungen. Da das öffentliche Gesundheitssystem weitgehend zusammengebrochen ist und Rehabilitationsangebote nur eingeschränkt zur Verfügung stehen, führen selbst grundsätzlich behandelbare Verletzungen zunehmend zu dauerhaften Behinderungen. Dies verstärkt langfristig sowohl die soziale Ausgrenzung als auch die wirtschaftliche Benachteiligung der Betroffenen.
Der Humanitarian Needs and Response Plan (HNRP) für das Jahr 2026 verfolgt das Ziel, 4,9 Millionen Menschen mit lebensrettender Hilfe und Schutzmaßnahmen zu erreichen. Vorrang haben dabei 2,6 Millionen Menschen mit dem dringendsten Unterstützungsbedarf. Für die vollständige Umsetzung des Plans werden 890 Millionen US-Dollar benötigt; zur Unterstützung der am stärksten betroffenen Menschen sind mindestens 521 Millionen US-Dollar erforderlich. Die humanitäre Hilfe wird sich insbesondere auf schwer zugängliche Gebiete konzentrieren und im Rahmen der sogenannten Humanitarian Reset-Strategie in hohem Maße mit lokalen Partnerorganisationen zusammenarbeiten, um eine bedarfsgerechte, inklusive und wirksame Unterstützung nach humanitären Grundsätzen sicherzustellen.
Neues aus den Projekten
Myanmar nach dem Erdbeben: Eine Überlebende erzählt
Nach dem heftigen Beben in Myanmar sind Tausende obdachlos und in improvisierten Notunterkünften untergekommen. Die Bedingungen sind äußerst prekär und die Menschen sind weiterhin dringend auf Hilfe angewiesen. Die mobilen Teams von Handicap International (HI) unterstützen gezielt Verletzte und Ältere. Eine von ihnen berichtet von ihren schlimmen Erlebnissen während und nach dem Erdbeben.
Myanmar: HI-Nothilfe-Team im Einsatz
Die Lage in Myanmar nach dem verheerenden Erdbeben vom 28. März ist erschütternd. Die Krankenhäuser sind überfüllt. Es gibt schlimme Verletzungen wie Amputationen und komplexe Brüche. Handicap International versorgt die Opfer mit Notfall-Reha, verteilt Rollstühle, Zelte sowie Decken und unterstützt das Krankenhaus in Mandalay.
Nach dem Erdbeben: Myanmars Helfer unter Druck
Nach dem katastrophalen Erdbeben in Myanmar berichtet ein Mitarbeiter unserer Partner-Organisationen für Rettungseinsätze, wie traumatisch die Situation auch für Helfer ist. Viele sind verzweifelt und erschöpft angesichts der Tragödie. Handicap International unterstützt sie mit psychologischer Hilfe.
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