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Afghanistan: Wenn ein Kind wieder aufsteht

Nothilfe Rehabilitation und Orthopädie
Afghanistan

Millionen Kinder in Afghanistan leiden an Unterernährung. Für viele bedeutet das nicht nur Hunger, sondern auch schwere Entwicklungsverzögerungen. Mit gezielter Stimulationstherapie hilft Handicap International (HI) den Kleinsten, kräftig und gesund zu werden. Denn nur so können sie die Folgen des Hungers aufholen. Die Förderung unserer Teams in Kunduz, Herat oder Kabul macht Kleinkinder wieder stark.

Ein Baby liegt auf einem gepolsterten Boden in einem Rehazentrum. Über dem Baby lehnt eine Frau und hält ihm ein Spielzeug hin.

HI-Therapeutin Eleha Rahmani macht mit der kleinen Hadisa Übungen, um Entwicklungslücken aufzuholen. | © HI

In Afghanistan leiden 2025 und 2026 fast 3,7 Millionen Kinder zwischen sechs Monaten und fünf Jahren an akuter Unterernährung, etwa 26 Prozent davon in schwerer Form. Viele Familien haben nicht genug Essen und keinen ausreichenden Zugang zu medizinischer Versorgung. Für die jüngsten Kinder sind die Folgen gravierend: Unterernährung kann ihre körperliche und geistige Entwicklung dauerhaft beeinträchtigen. Manche Kinder lernen nicht zu stehen, zu krabbeln oder zu gehen, weil ihnen schlichtweg die Kraft fehlt. Selbst zum Spielen und Lachen sind sie zu schwach.

Afghanistan: Gesunde Entwicklung für schwache Kinder

Um diesen Kindern zu helfen, macht Handicap International eine spezielle Stimulationstherapie für Kinder von 6 bis 59 Monaten. In sieben Fördereinheiten entdecken die Kinder spielerisch ihre Fähigkeiten neu. Aus apathischen Kindern werden dank der einfachen Übungen fröhliche Kinder. Sie werden mit buntem Spielzeug kognitiv, sozial, emotional, sprachlich und motorisch angesprochen. Mehr als 700 unterernährte Kleinkinder konnten bereits dank der Therapie wichtige Entwicklungsschritte nachholen. Ganz wichtig dabei: Auch die Eltern werden angeleitet, damit sie die Entwicklung ihrer Kinder aktiv fördern können. 

Erste vorsichtige Schritte

Der bewegendste Augenblick kommt oft am Ende des Programms: Wenn eine Mutter sieht, wie ihr Kind zum ersten Mal selbstständig aufsteht, das Gleichgewicht hält oder vorsichtig die ersten Schritte macht. Momente wie diese schenken Familien neue Hoffnung und zeigen, was mit der richtigen Förderung möglich ist. Die unterstützten Familien gehören zu den ärmsten des Landes. Sie stammen aus Gemeinden, die viele Flüchtlinge aufgenommen haben und in denen die medizinische Versorgung nicht ausreichend ist. Viele waren auch Binnenvertriebene und kommen nun wieder zurück in ihre alte Heimat, wo es nicht genug Lebensmittel gibt. 

Aufpäppeln, stärken, üben

Handicap International bietet die Stimulationstherapie derzeit im Regionalkrankenhaus von Kunduz, im Atatürk-Kinderkrankenhaus in Kabul und seit Kurzem auch im Bezirk Injil in der Provinz Herat an. An jedem Standort begleitet ein speziell ausgebildeter Stimulationstherapeut die Kinder auf ihrem Weg. Wann immer möglich, werden die Termine mit Partnerorganisationen abgestimmt, die sich um die Ernährung der Kleinen kümmern. Im Regionalkrankenhaus von Kunduz können Kinder beispielsweise am selben Tag sowohl ihre Behandlung gegen Unterernährung als auch ihre Therapiesitzung erhalten.

Seit dem Start des Programms Mitte August 2025 hat HI bereits 730 Kinder in den Provinzen Kunduz und Kabul unterstützt, darunter 348 Jungen und 382 Mädchen. Daten aus Herat liegen derzeit noch nicht vor.
 

 

17 August 2026
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