Co-Preisträger Friedensnobelpreis

Porträts von Till Mayer erschüttern

Minen und andere Waffen
Deutschland

Rund 100 Interessierte besuchten am Montag, 27. Januar 2020 die Vernissage der Ausstellung „erschüttert – Einschläge, die alles ändern“ im Gasteig. Die eindrücklichen Roll-Up-Displays des preisgekrönten Fotojournalisten Till Mayer dokumentieren die Folgen des Krieges für die Zivilbevölkerung und sind bis zum 09.02.2020 im Foyer der Glashalle West zu sehen.

Autor und Fotojournalist bei der Eröffnungsrede seiner Ausstellung im Gasteig München am Rednerpult vor den Ausstellungs-Roll-Ups

Autor und Fotojournalist bei der Eröffnungsrede seiner Ausstellung im Gasteig München | © Catherina Hess/HI

Zur Ausstellung gehören auch eine Stele mit einem echten Granatsplitter sowie ein Schreibpult, das Besucher*innen zu einer interaktiven Postkartenaktion einlädt. Organisatorin ist die gemeinnützige Hilfsorganisation Handicap International (HI). Die NGO kämpft mit ihrer Kampagne „Stop Bombing Civilians“ gegen den Einsatz von Explosivwaffen in bevölkerten Gebieten und ist in vielen Kriegs- und Krisenregionen in der Opferhilfe und in der Räumung explosiver Kriegsreste tätig.

Anlässlich der Eröffnung erzählte der blinde Musiker Mohamad Jolo aus Syrien von seiner Flucht und untermalte die Vernissage mit Musikstücken aus seiner Heimat. Der Bamberger Journalist und Fotograf Till Mayer bewegte die Teilnehmer*innen mit seinen Erlebnissen aus Kriegsgebieten: Er berichtete von Kindern, denen durch Explosivwaffen Beine abgerissen wurden, oder von Bauern, die ihre Felder nicht bestellen können, da überall Blindgänger lauern. Mit seinen ausdrucksstarken Fotos und bewegenden Texten will Till Mayer aufrütteln und dafür sensibilisieren, dass die Explosionen von Bomben und Granaten ein Leben lang erschüttern. Mayer sieht seine Protagonisten als Mahner gegen die Bombardierung der Zivilbevölkerung, doch zugleich auch als Mutmacher trotz der Schicksalsschläge.

Gegen Explosivwaffen auf die Zivilbevölkerung

Die Geschäftsführerin von HI Deutschland, Dr. Inez Kipfer-Didavi, unterstrich:

„Die Schicksale der Menschen, die Till Mayer in dieser Ausstellung so eindrucksvoll porträtiert, stehen für die unzähligen Frauen, Kinder, Männer, die in den Kriegsregionen dieser Welt durch Explosivwaffeneinsätze verletzt und traumatisiert werden. Viele verlieren ihre Heimat und geliebte Menschen. Mit der Ausstellung ‚erschüttert‘ möchten wir dieses drängende Problem in die deutsche Öffentlichkeit tragen.“

Unterstützen Sie unsere Kampagne und schreiben Sie Ihren Abgeordneten!

Die Leiterin der politischen Abteilung von Handicap International Deutschland, Dr. Eva Maria Fischer, forderte mehr Einsatz im Kampf gegen die Bombardierung von Zivilist*innen. „Ob in Syrien, im Irak, Libyen oder im Jemen – ganze Städte verwandeln sich durch den Einsatz von Explosivwaffen in Schlachtfelder. Die ungenauen und heftigen Bombenangriffe in Wohngebieten führen zu zahlreichen Opfern – davon stammen 92 Prozent aus der Zivilbevölkerung.“ Mit der Kampagne „Stop bombing civilians“ will HI Druck auf die Staaten ausüben. Sie sollen sich dafür einsetzen, den Bombenangriffen auf besiedelte Gebiete endlich ein Ende zu setzen und eine gemeinsame politische Erklärung mit diesem Ziel unterzeichnen.

Mohamad Jolo, blinder Musiker aus Syrien, sitzt auf einem Stuhl in der Ausstellung und spielt das kurdische Instrument Saz.

Mohamad Jolo: Der blinde, syrische Musiker spielt zur Eröffnung auf dem kurdischen Instrument Saz. Foto: Catherina Hess/HI

Über den Fotografen und Autor Till Mayer

Die Langzeitfolgen von Konflikten und ihre Ursachen hält Till Mayer seit vielen Jahren in seinen Fotos und Reportagen fest. Dafür wurde der Bamberger Journalist und Fotograf mehrfach ausgezeichnet. Oft arbeitet er eng mit Handicap International zusammen. Als Fotograf und Journalist arbeitet er für Spiegel-Online sowie für zahlreiche Zeitungen und Magazine. Seine Fotos werden weltweit in Ausstellungen gezeigt. Er ist Autor von mehreren Bildbänden.

www.erschuettert.org

Die Wanderausstellung wird mit Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und des Evangelischen Kirchlichen Entwicklungsdienstes gefördert und kann bundesweit ausgeliehen werden. Die Vernissage wurde vom Kulturreferat der Stadt München unterstützt. Weitere Informationen unter www.erschüttert.org. Die Ausstellung wird durch eine Broschüre in Leichter Sprache begleitet.

28 Januar 2020
Einsatz weltweit:
Helfen
Sie mit

Lesen sie weiter

Burkina Faso: Aufklärung vor Blindgängern trotz Überfällen
© HI
Minen und andere Waffen

Burkina Faso: Aufklärung vor Blindgängern trotz Überfällen

Unsere Expertinnen und Experten arbeiten in Burkina Faso in einer sehr angespannten Sicherheitslage. Ihre Aufgabe: die Bevölkerung über die Gefahr von Blindgängern aufzuklären, um die oft tödlichen Unfälle zu verhindern. Dabei müssen sie selbst immer wieder mit Überfällen und Ausschreitungen rechnen. In manchen Regionen können sie die Menschen nur über lokale Radiosender erreichen.

Senegal: Wie Hunde Kira, Storm, Fisti und Tini helfen, Minen aufzuspüren
© A. Stachurski / HI
Minen und andere Waffen

Senegal: Wie Hunde Kira, Storm, Fisti und Tini helfen, Minen aufzuspüren

Aufgeregt und gespannt hält Storm seine Nase in den Wind. Seine Augen leuchten. Der belgische Schäferhund trainiert seit Monaten in der Region Casamance, wie er Sprengkörper aufspüren kann.  Bald sind Storm und die anderen drei Hunde bereit für ihren ersten Einsatz. Dann unterstützen sie unsere Teams bei der Minenräumung. Entminerin Elisabeth Sambou freut sich schon auf die vierbeinigen Kollegen. 

Minen und Umwelt: Artenvielfalt in Kolumbien schützen
© J.M. Vargas
Minen und andere Waffen

Minen und Umwelt: Artenvielfalt in Kolumbien schützen

Minen sind nicht nur eine Gefahr für die Menschen, sondern verschmutzen den Boden und bedrohen die heimische Artenvielfalt. Das möchten wir verhindern! In Kolumbien räumen wir nicht nur Minen und Blindgänger, sondern engagieren uns auch für die Umwelt. So pflanzen wir nach der Räumung z.B. Obstbäume und klären die Bevölkerung über Umweltschutz auf.