Co-Preisträgerin Friedensnobelpreis

Emilie erhielt 1982 eine der allerersten Prothesen von HI – Sie veränderte ihr Leben

Minen und andere Waffen Rehabilitation und Orthopädie
Kambodscha

Als ihre Familie vor dem Krieg in Kambodscha floh, trat Emilie Pin Vath auf eine Antipersonen-Mine und verlor ihren linken Fuß. Im Flüchtlingslager Khao I Dang bekam sie eine Prothese aus Bambus und konnte so sechs Monate nach dem Unfall wieder auf zwei Füßen stehen. Heute lebt Emilie in Frankreich, träumt aber davon in ihre Heimat zurückzukehren. 

Links ist Emelie als Kind mit einer Unterbeinprothese aus Bambus zu sehen. Das Schwarz-Weiß-Bild zeigt außerdem ein anderes Kind mit einer Beinprothese und zwei Betreuende. Rechts ein aktuelles Bild von Emelie. Sie sitzt in lächelnd in der Mitte eines Raumes, ihre hochgekrempelte Hose zeigt ihre schwarze Unterbeinprothese.

Bereits sechs Monate nach ihrer Amputation konnte Emilie wieder auf zwei Beinen stehen, seither trägt sie ihre Prothese jeden Tag | © Hi / © MKE Production / HI

Explosion einer Antipersonen-Mine

Emilie erzählt: "Damals war in Kambodscha Krieg. Wegen der Roten Khmer musste meine Familie unser Dorf verlassen. Eines Tages, als wir zwischen Thailand und Kambodscha unterwegs waren, kamen wir zu einem Flüchtlingslager an einem Teich. Wir hatten eine anstrengende Reise hinter uns und wie die anderen Kinder wollte ich unbedingt in das Wasser springen. Auf dem Weg zum Teich kamen uns Männer entgegen. Im Vorbeigehen schubste mich einer und ich fiel auf eine Antipersonen-Mine. Es gab einen ohrenbetäubenden Knall. Danach erinnere ich mich nur noch an einen schwarzen Schleier. Ich konnte nichts mehr sehen. Als ich aufwachte, sah ich, dass ich keinen linken Fuß mehr hatte. Er war bei der Explosion der Mine abgerissen worden!"

 

Ankunft im Flüchtlingslager Khao I Dang

Ich wurde notfallmässig versorgt, aber für eine bessere Pflege musste ich in ein anderes Flüchtlingslager. Meine Familie hat mich zwei Wochen lang auf einer Trage durch den Wald getragen, ganz ohne Medikamente. Als wir im Lager Khao I Dang ankamen, sah ich viele Menschen, denen Arme oder Beine fehlten; die meisten waren Kinder. Ich wurde in die Klinik gebracht, wo man mir die Verbände abnahm. Die Ärzte entschieden, mir den Fuß zu amputieren."

 

Die ersten Bambusprothesen von HI

"Im Lager gab es eine Werkstatt mit Hämmern, Bambusstücken und Eisenstangen. Einer der Arbeiter sah mich und erklärte mir: "Wir stellen Prothesen aus Bambus für Kinder wie dich her. Sie sind für Menschen, deren Beine und Füße wegen Verletzungen durch Landminen amputiert werden mussten." Ich bin zu meinen Eltern nach Hause geeilt und habe gerufen:

Mami, es gibt eine Werkstatt, in der sie Beine machen! Für Kinder wie mich.

Damals lernte ich die Gründer von HI, Jean Baptiste Richardier und Claude Simonnot, kennen. Sie waren gekommen, um uns zu unterstützen. Trotz der Sprachbarriere schulten sie andere Kambodschaner*innen, die auch geflüchtet waren, wie Prothesen aus Bambus hergestellt werden.
Ich musste warten, bis mein Bein verheilt war, bevor ich meine erste Prothese anprobieren konnte. Am Anfang hat es sehr wehgetan, weil wir nichts gegen die Schmerzen hatten. Aber sobald ich den Fuß mit der Prothese zum ersten Mal auf den Boden stellte, rief ich: "Endlich kann ich wieder wie die Anderen laufen!"  Sechs Monate nach meiner Amputation hatte ich wieder zwei Füße. Trotz der Schmerzen habe ich seitdem meine Prothese jeden Tag getragen." 

 

 

Emilies Eltern haben sie stets ermutigt

"Dank des Roten Kreuzes konnte meine Familie im September 1982 nach Frankreich ziehen. Die erste Zeit war sehr hart. Wir kamen aus einem Land mit einer völlig anderen Kultur und ich hatte mit nur sechs Jahren schon die unbeschreiblichen Schrecken des Krieges miterlebt. Ich habe Erinnerungen, die ich nie vergessen habe. Als ich älter wurde, änderte sich mein Blick auf meine Prothese. Ich begegnete Kindern, die noch nie einen Menschen mit einer Amputation gesehen hatten und von meiner Prothese beeindruckt waren. Zum Glück haben meine Eltern mich immer ermutigt, die Blicke der anderen zu ignorieren und mein Leben so zu leben, wie ich es für richtig halte. 
Jetzt lebe und arbeite ich hier und habe sogar die französische Staatsbürgerschaft erhalten. Doch je mehr Zeit vergeht, desto mehr vermisse ich meine andere Heimat. Jetzt träume ich davon, nach Kambodscha zurückkehren und wieder dort zu leben."
 

24 März 2023
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