Co-Preisträgerin Friedensnobelpreis

Mutige irakische Frauen räumen Minen in ihrer Heimat

Minen und andere Waffen
Irak

In unserem Minen-Räumungsteam in Baiji arbeiten zwei starke Frauen mit – trotz aller Vorbehalte, dass das angeblich Männerarbeit sei und trotz aller Sorge ihrer Familien, dass ihnen etwas passieren könnte. Beide haben erlebt, wie eine Freundin bzw. eine Verwandte ihre Beine verloren haben, als sie auf eine Mine traten – das motiviert Istabraq und Mawj, diese gefährliche Arbeit auszuführen.

Mawj Maad JarAllah und Istabraq Lazim Muhammed tragen ihre Entminungskleidung und lächeln in die Kamera.

Mawj Maad JarAllah und Istabraq Lazim Muhammed sind die beiden ersten Entminerinnen von HI im Irak. | © N. Mandalawi / HI

Minen, Blindgänger und explosive Kriegsreste bedrohen tagtäglich die Sicherheit der Zivilbevölkerung im Irak. Jährlich gibt es tausende Opfer, darunter viele Kinder. „Ich möchte das Leben in meiner Gemeinde sicherer machen“, betont Mawj Maad JarAllah. Deshalb habe sie angefangen, für Handicap International zu arbeiten. „Die Räumungsarbeiten sind lebenswichtig – vor allem für Bauern, die sonst ihre Felder nicht bestellen können, und für Kinder, die aus Versehen in den kontaminierten Gebieten spielen“, erklärt die junge Frau. Das schönste Gefühl sei, wenn ein Gebiet fertig geräumt sei und die Menschen es wieder ohne Gefahr nutzen können.

„Meine Mutter betet für mich“

Anfangs war es nicht so einfach, sich in der Männerwelt der Minenräumer durchzusetzen. „Da war schon der eine oder andere Kollege, der es nicht gewöhnt war, mit Frauen zusammenzuarbeiten“, sagt Mawj. Doch inzwischen herrschen ein kollegialer Ton und eine positive Dynamik im Team. Ihre Kollegin Istbraq Lazim Muhammed hatte eher mit den Vorbehalten ihrer Familie zu kämpfen. Vor allem ihr Bruder und ihre Mutter waren schlichtweg dagegen, dass sie sich zur Minenräumerin ausbilden ließ. „Mein Vater hingegen hat mich von Anfang an unterstützt“, so Istabraq. „Meine Mutter aber ist besorgt und betet täglich für meine Sicherheit“, berichtet die Irakerin. 

Die beiden Entminerinnen machen sich bereit für ihren Einsatz. I © N. Mandalawi / HI

Jeden Tag wird die Heimat ein bisschen sicherer

Beide betonen, dass sie keine Angst bei ihrer schwierigen Arbeit empfinden. Vielmehr seien sie stolz darauf, genauso wie die Männer Minen zu finden und zu markieren. Anschließend werden sie vom Sprengmeister entsorgt. Herausfordernd seien vor allem die hohen Temperaturen während der Sommermonate. „Bei der Hitze und mit der schweren Schutzausrüstung ist es sehr anstrengend. Der Staub behindert auch oft die Sicht“, sagt Istabraq. Aber all das hindert die beiden Frauen nicht daran, jeden Tag einen kleinen Teil ihrer Heimat von improvisierten Minen, explosiven Überresten oder Antipersonen-Minen zu befreien. 

 

 

Das Auswärtige Amt unterstützt Entminungsprojekte im Irak.

Logo Auswärtiges Amt für humanitäre Hilfe.

8 September 2023
Einsatz weltweit:
Helfen
Sie mit

Lesen sie weiter

Streumunition in Syrien: Der Ball, der keiner war
© T. Nicholson / HI
Minen und andere Waffen

Streumunition in Syrien: Der Ball, der keiner war

Der Krieg ist vorbei, doch für viele Familien in Syrien beginnt mit der Rückkehr eine neue Gefahr: Explosive Kriegsreste wie Streumunition machen Häuser, Straßen und Gärten lebensgefährlich. Handicap International (HI) klärt über die Gefahren auf und räumt Blindgänger, die sogar in Schulen liegen. Damit nicht noch mehr Kinder wie Mahmoud schwerverletzt werden.

Ukraine: Rehabilitation gibt Lidiya Hoffnung
© L. Hutsul / HI
Minen und andere Waffen Rehabilitation und Orthopädie

Ukraine: Rehabilitation gibt Lidiya Hoffnung

Lidiya blickt auf ihren Garten. Dort, wo früher Blumen blühten und Obstbäume standen, liegen heute Trümmer. Ihr Zuhause in Charkiw wurde bei einem Drohnenangriff zerstört. Dass die 77-Jährige heute überhaupt wieder vor den Ruinen stehen kann, verdankt sie der Reha von Handicap International. Denn nach dem Angriff konnte sie monatelang nicht einmal ihr Bett verlassen.

Warum sind Landminen so gefährlich für die Zivilbevölkerung?
© HI
Minen und andere Waffen

Warum sind Landminen so gefährlich für die Zivilbevölkerung?

Minen töten und verstümmeln jahrzehntelang – auch wenn der Krieg längst vorbei ist. Rund 90 Prozent der Opfer kommen aus der Zivilbevölkerung. Dennoch sind Landminen wieder auf dem Vormarsch: massiver Einsatz in bewaffneten Konflikten, Rückzug von fünf Staaten aus dem Ottawa-Verbotsvertrag, neue Minenproduktion, mehr Minenopfer. Gary Toombs, HI-Experte für Minenräumung erklärt, warum Minen so gefährlich sind und wie sich Staaten besser schützen können.