Co-Preisträger Friedensnobelpreis

10. Juli: Jahrestag des Kampfes um Mossul

Minen und andere Waffen
Irak

Zwei Jahre nach der Rückeroberung der Stadt Mossul am 10. Juli 2017 liegt der westliche Teil der Stadt weiterhin in Trümmern und ist mit tausenden explosiven Kriegsresten verseucht. Noch immer harren etwa 500.000 Geflüchtete in Flüchtlingscamps aus. Die Versorgung tausender Verletzter ist äußerst schlecht. Die Hilfsorganisation Handicap International (HI) ruft die internationale Gemeinschaft dazu auf, endlich auf diese humanitäre Tragödie zu reagieren. Außerdem muss die internationale Gemeinschaft dafür sorgen, dass Explosivwaffen nicht länger in Städten und Dörfern eingesetzt werden.

Ninewa-Flüchtlingscamp im Irak

Ninewa-Flüchtlingscamp im Irak | © Martin rep/HI

Krankenhäuser verseucht, Schulen zerstört

Allein eine Million Menschen flohen vor den Kämpfen bei der Schlacht um Mossul, die im Juli 2017 endete. Bis heute sind 65 Prozent der Häuser beschädigt. Obwohl das Leben in der Osthälfte der Stadt langsam wieder normal abläuft, so ist die Westhälfte, in der ein Großteil der Kämpfe stattfand, weiterhin schwer mit explosiven Kriegsresten und selbstgebauten Minen verseucht. Durch den massiven Einsatz von Explosivwaffen wurden lebenswichtige Einrichtungen wie Schulen und Krankenhäuser zerstört. Viele Straßen und Brücken sind immer noch unpassierbar. Allein im Krankenhaus Al Shifa wurden rund 1.500 explosive Kriegsreste gefunden.

„Die westliche Hälfte der Stadt wurde fast aufgegeben, weil es an Ressourcen mangelt und es politisch nicht gelungen ist, die Waffenräumung zu organisieren und die Stadt wieder aufzubauen. Kurzfristig ist keine Verbesserung in Sicht“, berichtet Thomas Hugonnier Leiter von Handicap International für den Nahen Osten.

Gefährliche Rückkehr

Da trotzdem sehr viele Menschen in die hochgradig verminten Gebiete zurückkehren, ist es dringend notwendig, sie über die Gefahren aufzuklären. „Die Menschen, die hier leben, sind sich der Gefahren nicht bewusst. Bis die Waffen geräumt sind, ist es unsere Aufgabe, sie so gut wie möglich über die Bedrohung durch explosive Kriegsreste zu informieren: wie man sie erkennt und was zu tun ist, wenn man welche findet", ergänzt Thomas Hugonnier.

Rund 500.000 leben in Flüchtlingscamps in der Provinz Nineveh. „Die Lage in den Camps ist sehr beunruhigend. Selbst nach zwei Jahren haben die Leute gerade einmal das absolute Minimum an Trinken und Essen zum Überleben. Die Hoffnungslosigkeit angesichts der Zukunft und die Traumatisierung werden sie noch über Generationen hinweg verfolgen“, bedauert Thomas Hugonnier. Handicap International hilft den Geflüchteten mit Gruppentherapien und versucht den Verletzten zu helfen. Allerdings ist die Nachfrage sehr groß, die Mittel unzureichend und die Wartelisten lang.

„Einige Patienten warten seit mehr als einem Jahr auf eine Prothese. Da die Mittel knapp sind, können wir ihnen nur eine Notfallversorgung anbieten, um ihre Mobilität zu verbessern und sicherzustellen, dass sie ihren Alltag so unabhängig wie möglich gestalten können. Dennoch ist die Situation völlig inakzeptabel”, so Hugonnier.

4 Juli 2019
Einsatz weltweit:
Helfen
Sie mit

Lesen sie weiter

Mehr zivile Opfer durch Bombardierung in Wohngebieten
© S. Hejji - HQ / HI
Minen und andere Waffen

Mehr zivile Opfer durch Bombardierung in Wohngebieten

2023 kamen in 75 Ländern Explosivwaffen in Wohngebieten zum Einsatz. Die Anzahl an zivilen Todesopfern ist um 122% gestiegen. Eine Zunahme ist vor allem in den palästinensischen Gebieten, in Sudan, Myanmar, Syrien und Pakistan zu verzeichnen. Dies sind einige der Ergebnisse des zweiten sogenannten EWIPA-Monitors über die Bombardierung in Wohngebieten. Eines der Opfer ist der neunjährige Fouad.

Senegal: Minenräumung ermöglicht Rückkehr nach 30 Jahren
© A. Faye / HI
Minen und andere Waffen

Senegal: Minenräumung ermöglicht Rückkehr nach 30 Jahren

Dank  der wirkungsvollen Minenräumung von Handicap International ist ein sicheres Leben in Bissine im Süden Senegals nun wieder möglich. Vor 30 Jahren musste die Zivilbevölkerung ihr Dorf fluchtartig verlassen. Da das Gebiet nun nicht mehr gefährlich ist, sind die ersten Bewohnerinnen und Bewohner bereits zurückgekehrt und haben erfolgreich damit begonnen, ihr Zuhause wiederaufzubauen. 

Burkina Faso: Aufklärung vor Blindgängern trotz Überfällen
© HI
Minen und andere Waffen

Burkina Faso: Aufklärung vor Blindgängern trotz Überfällen

Unsere Expertinnen und Experten arbeiten in Burkina Faso in einer sehr angespannten Sicherheitslage. Ihre Aufgabe: die Bevölkerung über die Gefahr von Blindgängern aufzuklären, um die oft tödlichen Unfälle zu verhindern. Dabei müssen sie selbst immer wieder mit Überfällen und Ausschreitungen rechnen. In manchen Regionen können sie die Menschen nur über lokale Radiosender erreichen.