Co-Preisträger Friedensnobelpreis

Jordanien: „Jetzt kann mein Bruder sogar zur Schule gehen!

Rehabilitation und Orthopädie Vorsorge und Gesundheit
Jordanien

Ali, 4, lebt in Jordanien. Er leidet an Zerebralparese und besucht seit einigen Monaten die Einrichtung einer Partnerorganisation von Handicap International  (HI), wo er durch Physio- und Beschäftigungstherapiemaßnahmen gefördert wird.

Junge mit Zerebralparese in Jordanien bekommt Physiotherapie von HI

Ali (4) aus Jordanien leidet unter Zerebralparese. Seit einiger Zeit bekommt er von einem Partnerzentrum von HI Physiotherapie. | © Elisa Fourt / HI

Ein kleiner Junge kommt in das Physiotherapiezentrum in Zarqa, Jordanien. Er scheint sich hier schon ganz zu Hause zu fühlen.

Wir kommen seit dem Sommer dreimal wöchentlich hierher“, erklärt Reham, Alis ältere Schwester, die seine Hand hält.

Ali leidet an Zerebralparese.

Am Tag, als er zur Welt kam, sagten uns die Ärzte, er habe bei der Geburt einen Sauerstoffmangel erlitten, und dadurch seien seine motorischen Funktionen beeinträchtigt. Damals fasste ich den Entschluss, alles zu tun, um ihm zu helfen. Meist bin ich es, die ihn zu seinen Rehasitzungen begleitet," fügt Reham hinzu und blickt ihren Bruder liebevoll an.

Manal, die Physiotherapeutin des Zentrums, beginnt mit der Behandlung. „

Ali hat seit dem ersten Mal Riesenfortschritte gemacht«, sagt sie. »Anfangs fiel es ihm sehr schwer, seine Bewegungen zu kontrollieren. Er hatte Probleme, den Kopf gerade zu halten, das Gleichgewicht zu bewahren oder nach Dingen zu greifen. Und er hatte große Angst. Er weinte ständig, und es dauerte eine ganze Weile, bis er sich an uns und die Reha-Übungen gewöhnt hatte. Aber im Laufe der Zeit konnten wir dann sein Vertrauen gewinnen."

Der größte Erfolg der Physiotherapeutin bestand vermutlich darin, dass die Hoffnungen von Alis Familie und auch ihre eigenen Hoffnungen weit übertroffen wurden.

Als wir zum ersten Mal hierherkamen, wünschte ich mir nur, mein Bruder würde irgendwann allein aufstehen können. Aber ich hätte nie gedacht, dass er durch die Therapiesitzungen eines Tages sogar imstande sein könnte, zur Schule zu gehen", sagt Reham, sichtlich bewegt.

Während sie mit dem kleinen Jungen die Übungen durchführt, erzählt Manal:

Wir haben Physiotherapie und Beschäftigungstherapie kombiniert, um Alis Alltag  zu erleichtern, und er macht erstaunlich rasche Fortschritte. Nach nur wenigen Sitzungen konnte er aufrecht stehen und einen Stift in der Hand halten. Und er kann jetzt längere Zeit sitzen. Als wir sahen, wie gut er sich entwickelt, sprachen wir mit unserem Kollegen, einem Experten für Inklusion, der bestätigte, dass Ali auf jeden Fall zur Schule gehen könnte, wie jedes andere Kind auch. Damit hatten wir gar nicht gerechnet, aber es ist sowieso immer ein tiefes Gefühl der Befriedigung, wenn die ursprünglich gesteckten Ziele noch übertroffen werden."

Ali wird demnächst den Kindergarten besuchen.

Wenn er größer wird, wird mein Bruder merken, dass er nicht unbedingt alles tun kann, was andere Kinder tun, oder es ihm jedenfalls nicht so leicht fällt; das wird für ihn wohl das größte Problem werden. Wenn wir lieber über das sprechen, was er kann, als über das, was er nicht kann und wenn er sieht, dass er sich von anderen Kindern gar nicht so sehr unterscheidet, macht ihn das glücklich. Ali ist wirklich intelligent, und auch wenn er nicht so beweglich ist, versteht er doch alles, was wir zu ihm sagen. Ich weiß, dass er einer der besten Schüler seiner Klasse sein wird", sagt Reham stolz.

Und als die Sitzung sich dem Ende nähert, fügt Alis große Schwester hinzu:

Ich hoffe einfach, dass er weiter Fortschritte macht. Er soll im Alltag so unabhängig wie möglich werden. Ali verdient es, so aufzuwachsen und sich so zu entwickeln wie jedes andere Kind seines Alters. Die Erfahrungen hier im Zentrum haben mir gezeigt, dass wir seinen Zustand nicht als Bremse, sondern eher als ein Hindernis sehen müssen; ein Hindernis, dass mein Bruder aller Voraussicht nach überwinden wird. Und je mehr Zeit vergeht, desto mehr scheint ihm das auch klar zu werden. Das ist das einzige, was zählt."

21 Dezember 2017
Einsatz weltweit:
Helfen
Sie mit

Lesen sie weiter

Verwundeter Junge aus Sudan will wieder laufen
© T. Shelton / HI
Nothilfe Rehabilitation und Orthopädie

Verwundeter Junge aus Sudan will wieder laufen

Abdellatif wurde im Sudan angeschossen und schwer verletzt. Danach fühlte er seine Beine nicht mehr und war von der Hüfte abwärts gelähmt. Seine verzweifelte Familie flüchtete mit dem Jungen in den Tschad, wo er in einer Klinik operiert werden konnte. Das HI-Team unterstützt ihn seitdem mit Physiotherapie. Abdellatif übt jeden Tag und kann nun seine Beine schon ein kleines bisschen fühlen.

Jemen: Fußballspielen auf Prothesen
© T. Mayer / HI
Rehabilitation und Orthopädie

Jemen: Fußballspielen auf Prothesen

Abdullah tritt auf eine Mine, als er zwei Kameraden an der Front retten will. Er kennt die Gefahr, als er ins Minenfeld läuft – die Explosion reißt seinen rechten Fuß ab, Splitter bohren sich in seinen Körper. Nach seiner Heldentat ist Abdullah verzweifelt und weiß nicht, wie er weiterleben soll. Doch inzwischen ist er Familienvater, hat kleinere Jobs und spielt Fußball – mit seiner Prothese.

Dank psychologischer Hilfe: Beatrice und Rose schöpfen neue Hoffnung
© HI
Rehabilitation und Orthopädie

Dank psychologischer Hilfe: Beatrice und Rose schöpfen neue Hoffnung

Ihre traumatischen Erlebnisse verfolgen die 49-jährige Beatrice (Name geändert) noch immer. Der Krieg und die Flucht aus ihrer Heimat, der Demokratischen Republik Kongo, lasten schwer auf ihr. Jetzt lebt sie in einem Flüchtlingslager in Uganda und erhält psychosoziale Unterstützung von HI. Wir kümmern uns auch um Beatrices Tochter Rose (Name ebenfalls geändert), die Opfer sexueller Gewalt wurde.