Co-Preisträger Friedensnobelpreis

Libyen: 25 Tonnen hochexplosive Kriegsreste vernichtet

Minen und andere Waffen
Libyen

Teams von Handicap International haben in Misrata ein gigantisches Munitionslager mit explosiven Kriegsresten zerstört. ARD-Hörfunkkorrespondent Peter Steffe sendet einen Beitrag über die erfolgreiche Mission und künftige Herausforderungen im Land.
 

In einem Sprenggraben liegen sehr viele nicht explodierte Kriesüberreste. Sie sind bereits mit einem Kabel für die Sprengung verbunden.

Nicht explodierte Munition vor der Sprengung in Misrata. | © Handicap International

Am 12. Dezember 2013 zerstörte Handicap International 25 Tonnen explosive Kriegsreste in Misrata, Libyen. Dies war nach dem 14. November die zweite kontrollierte Sprengung, die von Expertinnen und Experten der Organisation in diesem Jahr durchgeführt wurde. Insgesamt wurden bei diesen beiden Operationen mehr als 22.086 konventionelle Waffen zerstört, sodass diese keine weitere Gefahr für die Zivilbevölkerung mehr darstellen.

„Die zerstörten explosiven Kriegsreste, stammen aus einem Waffen- und Munitionsdepot in Misrata, das 2011 bei NATO-Luftangriffen bombardiert worden war. Durch die Bombardements waren tausende nicht explodierte Munitionseinheiten und andere explosive Überreste über eine Fläche von knapp 1,5 km² verstreut worden und stellten nach wie vor eine große Gefahr für die Bevölkerung dar. In der Hoffnung, Altmetalle zu finden, die sie gewinnbringend verkaufen können, schrecken manche Anwohner nicht einmal davor zurück, die zerstörten Bunker zu betreten. Andere wiederum suchen gezielt Sprengkörper, um sie beim Fischfang einzusetzen. Um die Metalle bzw. den Sprengstoff frei zu bekommen, bearbeiten die Zivilisten die Munition häufig mit Hammer und Meißel, ohne darauf Acht zu geben, dass die gefährlichen Überreste dabei jede Sekunde explodieren können. Wir wissen, dass bei derartigen Versuchen bereits mehrere Menschen ums Leben gekommen sind“, erklärt Paul McCullough, der Leiter des Einsatzes von Handicap International in Libyen.


Die kontrollierte Sprengung wurde unter hohen Sicherheitsmaßnahmen durchgeführt © Chris Woodburn/Handicap International

Für die Durchführung der Sprengung wurden das gesamte Gebiet und alle Zufahrtsstraßen rund um das Munitionslager weiträumig abgesperrt, selbst der Flugverkehr musste unterbrochen werden. Die minutiös geplante Sprengung aller gefundenen 152mm Projektile, von denen jedes einzelne 43 kg wiegt, wurde von Expertenteams von Handicap International durchgeführt. Die Operation war ebenfalls im örtlichen Radio angekündigt worden, um die Bevölkerung vor dem ohrenbetäubenden Lärm und der starken Rauchentwicklung zu warnen.
Seit April 2011 hat Handicap International etwa 30 km² bewohntes Land, was einer Fläche von etwa 4.000 Fußballfeldern entspricht, gesichert und von explosiven Kriegsresten gesäubert. Neben der Kampfmittelräumung in Misrata führt die Organisation auch Aufklärungskampagnen über die Gefahren von explosiven Kriegsresten für die betroffene Zivilbevölkerung durch, an denen insgesamt bereits 110.000 Menschen teilgenommen haben.

Seit Anfang 2014 muss dieses wichtige Projekt, die riesigen Mengen an Munition aus den zerstörten Bunkern in Misrata zu sichern und zu zerstören, vorläufig eingestellt werden, da die bisherige Finanzierung durch das Auswärtige Amt ausgelaufen ist. Im Sinne der Betroffenen sollte das Projekt aber in jedem Fall fortgesetzt werden, sobald sich ein neuer Geldgeber findet. Peter Steffe, ARD-Hörfunkkorrespondent vor Ort, hat Ende 2013 mit den Verantwortlichen von Handicap International in Libyen gesprochen. Im Interview betonen die Leiter der Mission Catty Smith und Paul McCullough die großen Erfolge dieses Projekts, weisen aber auch auf die Herausforderungen für die Zukunft angesichts der immer noch sehr großen Mengen an frei zugänglichen Waffen und Munition und der ungesicherten Finanzierung zur Fortführung der Kampfmittelräumung hin.

ARD-Hörfunkbeitrag von Peter Steffe anhören

Unterstützen Sie unsere Arbeit, mit Ihrer Spende.

 

14 Januar 2014
Einsatz weltweit:
Helfen
Sie mit

Lesen sie weiter

25 Jahre Landminen-Verbotsvertrag – Große Erfolge, aber auch weiterhin Bedrohung in 60 Ländern
© Till Mayer / HI
Minen und andere Waffen

25 Jahre Landminen-Verbotsvertrag – Große Erfolge, aber auch weiterhin Bedrohung in 60 Ländern

Vor 25 Jahren, am 3. 12. 1997, wurde in Ottawa der Vertrag über das Verbot von Antipersonen-Minen verabschiedet. Bis heute haben 164 Staaten das Abkommen unterzeichnet. Trotz vieler Fortschritte existieren aber noch immer Millionen von Antipersonen-Minen und jährlich gibt es tausende Tote und Verletzte. Vor allem selbstgebaute Minen und explosive Kriegsreste bedrohen die Zivilbevölkerung.

80 Staaten verabschieden Abkommen für mehr Schutz der Zivilbevölkerung vor Bombardierung
© G. Lordet / HI
Minen und andere Waffen

80 Staaten verabschieden Abkommen für mehr Schutz der Zivilbevölkerung vor Bombardierung

80 Staaten haben auf der Konferenz von Dublin am 18. November 2022 ein internationales Abkommen zum besseren Schutz der Zivilbevölkerung vor dem Einsatz von Explosivwaffen in Wohngebieten (EWIPA) verabschiedet. 

Landminen-Monitor 2022:  Einsatz von Antipersonen-Minen durch  Russland und Myanmar
© Jared Bloch/ICBL-CMC
Minen und andere Waffen Öffentlichkeitsarbeit

Landminen-Monitor 2022: Einsatz von Antipersonen-Minen durch Russland und Myanmar

Der neue Landminen-Monitor 2022 meldet das siebte Jahr in Folge eine hohe Anzahl von Opfern durch Landminen. Der Monitor, der am 17. November in Genf präsentiert wird, verzeichnet im Berichtszeitraum insgesamt 5.544 Tote und Verletzte. Außerdem dokumentiert er den Einsatz von Landminen durch Russland und Myanmar sowie durch nicht-staatliche bewaffnete Gruppen in fünf Ländern.