Co-Preisträgerin Friedensnobelpreis

Omaya: Schwanger mit Behinderung auf der Flucht

Rehabilitation und Orthopädie
Libanon

Schon wieder musste Omaya mit ihrer Familie vor den Bomben fliehen: Erst aus Syrien in den Libanon und nun aus der Hauptstadt Beirut in eine winzige Wohnung in der Nähe eines Flüchtlingslagers. Die 28-Jährige lebt mit einer erblichen Muskeldystrophie, ist im achten Monat schwanger und wünscht sich seit Jahren endlich ein friedliches Leben. Unsere Teams vor Ort kümmern sich um sie.

Eine schwangere Frau hält ihren Bauch und schaut ernst in die Kamera.

Flucht und Armut bestimmen Omayas Leben schon lange, doch die Unterstützung von Handicap International gibt ihr neue Hoffnung. | © HI

Krieg, Vertreibung und Armut haben Omayas Leben geprägt. Die junge Frau berichtet, wie schwierig das tägliche Leben ist:
 

„Unser Gebäude wurde während des Krieges beschädigt. Wir mussten fliehen. Eine Zeit lang hatten mein Mann, mein Sohn und ich keinen Ort, an den wir gehen konnten. Wir schliefen unter einer Brücke auf Kartons. Passant*innen gaben uns Decken und Kissen, bis uns schließlich hilfsbereite Menschen eine kleine Wohnung vermittelten. Sie besteht nur aus einem Zimmer, einer kleinen Küche und einem Bad. Die Lebensbedingungen sind sehr schwierig."

Es fehlt an allem

„Finanziell ist das Leben äußerst hart. Wir kämpfen jeden Tag darum, Lebensmittel und die notwendigsten Dinge bezahlen zu können. Wegen meiner Behinderung benötige ich außerdem Medikamente. Selbst diese Schwangerschaft war unter unseren schwierigen Umständen nicht geplant, aber sie ist Gottes Wille“, so Omaya. Zudem weckten die Bombardierungen in Beirut schmerzhafte Erinnerungen an Omayas Kindheit in Syrien, wo sie bereits Luftangriffe erlebt und Angehörige verloren hatte. „Der Krieg hat meine psychische Gesundheit stark angegriffen. Mein kleiner Sohn weinte vor Angst, und ich weinte mit ihm. Die Geräusche von Kampfjets und Explosionen machten mir solche Angst, dass ich nicht schlafen konnte. Mein Herz raste, und ich konnte nicht aufhören zu zittern.“

Eine Schwangerschaft voller Herausforderungen

Omayas Muskeldystrophie führt zu fortschreitender Muskelschwäche. Die körperlichen Belastungen sind hoch. Regelmäßige Physiotherapie und Medikamente sind entscheidend, damit sie mobil bleibt. Doch im Libanon kann sie sich die notwendige Behandlung nicht leisten. Zudem wird sie oft ausgegrenzt und kämpft mit Vorurteilen: 
 

„Manchmal verurteilen mich Menschen wegen meiner Behinderung. Sie bezweifeln, dass ich eine gute Mutter sein und mich um mein Kind kümmern kann. Diese Worte verletzen mich mehr als meine Krankheit. Wir brauchen Menschen, die an uns glauben und uns daran erinnern, dass wir weiterhin einen Platz in der Gesellschaft haben.“

Endlich Unterstützung

Über ihre Tante erfuhr Omaya von den Hilfsangeboten von Handicap International (HI). Dank der Unterstützung konnte sie erstmals dringend benötigte Schwangerschaftsvorsorge, Ultraschalluntersuchungen, psychosoziale Begleitung und Physiotherapie in Anspruch nehmen. Außerdem erhielt sie ein Babyset mit wichtigen Artikeln für ihr Neugeborenes.
 

„Die Teams von Handicap International haben mir wieder Hoffnung gegeben. Die Schwangerschaftsvorsorge hat mir geholfen, meine Schwangerschaft sicher zu begleiten, und die psychosoziale Unterstützung hat mich ruhiger gemacht. Auch die Physiotherapie ist wirklich wichtig“, sagt Omaya. „Ich brauche diese Unterstützung so sehr. Zum ersten Mal habe ich das Gefühl, dass sich jemand um mich kümmert. HI gibt mir eine neue Chance im Leben. Ich fühle mich wieder lebendig.“

 

 

 

4 August 2026
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