Co-Preisträgerin Friedensnobelpreis

Streubomben-Monitor 2016 veröffentlicht: Aber was sind Streubomben eigentlich?

Minen und andere Waffen
Laos Syrien

Der neueste Bericht über die weltweite Streubomben-Situation deckt auf, dass die Angriffe in Syrien und Jemen massiv zugenommen haben: Doch was genau sind diese Bomben eigentlich?

Phongsavath verschränkt die Arme vor seinem Körper

Phongsavath Manithong aus Laos hat durch eine Streubombe seine Hände und sein Augenlicht verloren. | Damien Kremer / Handicap International

Streutechnik

Eine Streubombe ist ein Behälter, gefüllt mit kleineren explosiven Teilen, den sogenannten Submunitionen. Dieser Behälter kann eine Box, Rakete, Granate oder etwas ähnliches sein. Von einem Flugzeug abgeworfen, oder vom Boden aus abgefeuert, öffnet der Behälter sich in der Luft und lässt die Submunitionen frei. Dadurch wird eine fast vollkommen willkürliche, riesige Fläche bombardiert.

Die Zivilbevölkerung trifft es am schlimmsten

Infografik: 36% der Opfer von Streumunition sind Kinder

Streubomben töten, verletzten, verstümmeln und verursachen schreckliche psychische Traumata. Bis zu 97% der registrierten Opfer stammen aus der Zivilbevölkerung – Anders gesagt: Fast alle Opfer sind Zivilistinnen und Zivilisten.

Langzeitbedrohung

Bis zu 40% der Submunitionen explodieren beim Einschlag nicht. Entweder sind sie zu leicht oder der Boden zu weich oder ein technischer Fehler verhindert die Explosion. Da sie immer noch aktiv sind, sind diese Blindgänger nun genauso gefährlich wie Antipersonenminen. Sie können jederzeit explodieren. Sogar bei kleinsten Bewegungen. Sie machen ganze Gebiete unbewohnbar und verhindern eine Rückkehr zu einem normalen sozialen und wirtschaftlichen Leben und vertreiben Menschen aus ihrer Heimat. Diese explosiven Waffen sind ein Gefahr für die Zivilbevölkerung und das auch manchmal noch Jahrzehnte nachdem der Konflikt beendet wurde.

Laos – das am stärksten verseuchte Land der Welt

Eine alte Streubombe liegt im Schlamm

Kampfmittelräumer von Handicap International haben neine Subumunition in einem Reisfeld in Laos gefunden © Handicap International

Laos ist das traurige Beispiel für die Langzeitbedrohung, die von den Subsumtionen ausgeht. Obwohl Laos vor 40 Jahren, zwischen 1964 und 1973, das letzte Mal bombardiert wurde, verursachen die Blindgänger von damals immer noch schwere Unfälle und oft sind die Opfer Kinder.

Wer produziert Streubomben?

16 Länder produzieren anscheinend noch Streubomben, darunter China, Russland und Israel. Die USA produzieren nicht mehr, behalten sich aber vor, das in Zukunft wieder zu tun. Insgesamt 59 Länder lagern mehrere Millionen Submunitionen weltweit. Die USA hat einen Lagerbestand von schätzungsweise 3 Millionen Submunitionen. Dagegen haben Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien, die die Konvention unterschrieben haben, kürzlich sämtliche Lagerbestände vernichtet.

Was besagt die Streubombenkonvention?

Die Konvention für das Verbot von Streubomben (Oslo Konvention) trat im August 2010 in Kraft. Unterschrieben wurde sie von 119 Staaten. Die Konvention verbietet Einsatz, Produktion, Handel und Lagerung von Streubomben. Außerdem verpflichteten sich die unterzeichnenden Parteien dazu, Opferhilfe zu leisten und die kontaminierten Gebiete zu räumen.

Damit solche Szenen in Zukunft der Vergangenheit angehören:

Jetzt Petition "Keine Bomben auf Wohngebiete" unterzeichen

30 August 2016
Einsatz weltweit:
Helfen
Sie mit

Lesen sie weiter

Minen in Kolumbien: „Genau jetzt habe ich ein Leben gerettet!“
© J. Moreno / HI
Minen und andere Waffen

Minen in Kolumbien: „Genau jetzt habe ich ein Leben gerettet!“

Vor Mayras Füßen liegt ein halb vergrabener Sprengkörper: eine Landmine. Angst? Ein bisschen gehört in diesem Job immer dazu. Aber in diesem Augenblick spürt Mayra vor allem riesige Freude. Denn sie weiß: Genau jetzt habe ich ein Menschenleben gerettet. Als Entminerin bei Handicap International (HI) muss Mayra täglich mit dieser Gefahr umgehen. In Kolumbien hilft sie dabei, Minen aufzuspüren und gefährliche Flächen wieder sicher zu machen.

Streubombenmonitor 2026 – Opferzahlen verdreifacht
© HI
Minen und andere Waffen

Streubombenmonitor 2026 – Opferzahlen verdreifacht

Der neue Streubomben-Monitor zeigt einen alarmierenden Anstieg der Opferzahlen durch Streumunition. Knapp 90 Prozent kommen aus der Zivilbevölkerung. Handicap International (HI), Mitherausgeberin des Monitors, fordert mehr finanzielle Unterstützung für die Opfer, Räumung und Gefahrenaufklärung. Damit Kinder, die Sprengkörper mit Spielzeug verwechseln, nicht mehr schwerverletzt werden – so wie Mahmoud aus Syrien.

Syrien: „Oh, wie sie lacht!“
© N. Bimbashi / HI
Rehabilitation und Orthopädie

Syrien: „Oh, wie sie lacht!“

Fatima stammt aus Al Kusaybah, einem kleinen Dorf in der Nähe von Aleppo. Kurz nach ihrer Hochzeit floh sie 2021 mit ihrem Mann vor dem Krieg, als die Bomben immer näherkamen. Fünf lange Jahre verbrachten sie in der Türkei, fern der Heimat, fern von allem, was ihnen vertraut war. Doch die Sehnsucht nach Syrien war stärker als die Angst. Also kehrten sie zurück. Und dann wurde Aesha geboren.