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Syrien: Endlich eine Prothese für Amer

Rehabilitation und Orthopädie
Syrien

Amer (11) und seine Familie waren sieben Jahre lang vertrieben, bevor sie im vergangenen Jahr in ihr Dorf im Nordosten Syriens zurückkehrten. Wie viele Familien konnten sie es kaum erwarten, nach Jahren der Unsicherheit endlich nach Hause zu kommen. Doch nur wenige Wochen nach ihrer Rückkehr wurde Amer durch einen Blindgänger schwer verletzt und verlor bei dem Unfall sein Bein. Jetzt, ein Jahr später, hat er von Handicap International (HI) eine Prothese bekommen.

Links: Amer im Rollstuhl ohne Prothese, rechts: Amer mit seiner neuen Prothese

Amer hat nach einem Jahr Wartezeit endlich eine Prothese erhalten. | © N. Bimbashi / HI

13 Jahre Krieg haben Syrien mit Blindgängern verseucht

Nach 13 Jahren Krieg ist die folgende Geschichte in Syrien nur allzu bekannt: Eine Gruppe Kinder spielt draußen, als eines von ihnen einen Gegenstand aufhebt, der sich als Sprengkörper entpuppt und alle verletzt. Unter solchen Umständen verlor Amer 2025 sein Bein.

Zuerst benutzte Amer einen Rollstuhl, dann Krücken. Die Familie fuhr regelmäßig ins Al-Kasra-Krankenhaus zur Behandlung – eine zweistündige Fahrt von ihrem Wohnort entfernt. Eine anstrengende und kostspielige Reise. Seine Mutter begleitete ihn zu den Terminen, doch es gab Tage, an denen er nicht gehen wollte. Sein Großvater erklärt:

„Selbst als er Krücken benutzte, musste ich ihn manchmal noch tragen. Jetzt, mit der Prothese, ist es etwas einfacher. Er braucht noch Zeit, um sich daran zu gewöhnen, aber er fühlt sich besser und unabhängiger.“

Amer bekam im Dezember 2025 eine Prothese, nach fast einem Jahr auf der Warteliste. Die lange Wartezeit geht zurück auf eine überwältigende Nachfrage, begrenzte Reha-Kapazitäten und Kürzungen der Finanzmittel für humanitäre Hilfe.

Minenräumung verändert das Leben im Dorf

In einem Teil der Region um Amers Dorf hat Handicap International kürzlich Blindgänger und Kriegsreste geräumt, was die Risiken im Alltag deutlich reduziert. Die Menschen fühlen sich etwas sicherer als zuvor. Amer möchte draußen spielen, lernen und Zeit mit den Dingen verbringen, die er liebt:

„Jetzt spiele ich jeden Tag mit den anderen Kindern in meiner Umgebung. Und ich liebe es, Tauben zu züchten.“

Amer hält Tauben und hat einen Taubenschlag auf dem Dach seines Hauses. Er spricht stolz über sie und verbringt viel Zeit mit der Pflege der Tiere.

Noch ein langer Weg bis zum Schulbesuch

Doch es gibt noch viele Herausforderungen. Amer und seine Geschwister gehen immer noch nicht zur Schule. Die nächstgelegene Schule ist nur 500 Meter entfernt, wurde aber während des Konflikts beschädigt und nicht wieder instandgesetzt. Eine andere Schule ist weiter entfernt, aber Amers Bein schmerzt noch zu sehr, wenn er lange Strecken läuft:

„Ich wünschte, es gäbe eine Schule näher bei uns, damit ich wieder lernen kann. Ich möchte wie die anderen Kinder zur Schule gehen.“

Syrien: Belebtere Dörfer, erschöpfte Menschen

Noor Bimbashi, Expertin für politische Arbeit bei Handicap International berichtet von ihrem letzten Besuch in Amers Dorf über die aktuelle Stimmung vor Ort. Das Dorf sei lebendiger als noch ein Jahr zuvor, mehr Menschen seien unterwegs und Kinder spielten wieder auf den Straßen.

„Aber alle wirken erschöpfter“, ergänzt Noor Bimbashi. „Im vergangenen Jahr sprachen viele trotz allem, was sie durchgemacht hatten, noch mit einem Gefühl der Hoffnung und der Erwartung, dass sich die Dinge allmählich verbessern würden. Diesmal habe ich von vielen Familien gehört, dass sie erschöpft sind und Unterstützung brauchen. Das Leben ist nicht einfacher geworden und für einige fühlt sich der tägliche Kampf noch schwerer an, weil es keine Arbeitsplätze gibt, alle arm sind und man nicht weiß, ob man genug zu essen hat.“

 

Das Auswärtige Amt unterstützt humanitäre Hilfsprojekte in Syrien.

Logo des Auswärtigen Amts für Humanitäre Hilfe

21 Juli 2026
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