Co-Preisträgerin Friedensnobelpreis

Ukraine

Das Jahr 2026 ist das vierte Jahr seit Beginn der russischen Vollinvasion in die Ukraine. Verstärkte Luftangriffe, Drohnenattacken und weitreichende Beschüsse wichtiger Infrastruktur erschweren das Leben von Millionen Menschen in der Ukraine zunehmend. Die Zahl der zivilen Opfer steigt weiter, und viele Menschen sind nach wie vor auf der Flucht oder mussten ihre Heimat verlassen. Schätzungsweise 10,8 Millionen Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Familie mit fünf Kindern schaut in die Kamera.

Oleksandrs Familie lebt in einem winzigen Haus mit nur zwei kleinen Zimmern im Dorf Chaplyne in der Oblast Dnipro in der Ukraine. | © M.Monier / HI

Laufende Aktivitäten

Handicap International war bereits von 2015 bis 2017 in der Ukraine tätig. Der Schwerpunkt lag auf der Rehabilitation von Betroffenen, der Aufklärung über die Gefahren von Minen und explosiven Kriegsreste für Menschen entlang der Frontlinie sowie auf dem Ausbau der Kapazitäten von Gesundheits- und Sozialeinrichtungen in den Regionen Donezk, Dnipropetrowsk und Luhansk.

Mit Beginn der groß angelegten russischen Invasion im Februar 2022 nahm Handicap International ihre Arbeit in der Ukraine wieder auf. Nothilfeteams wurden in der gesamten Ukraine sowie im Nachbarland Moldau eingesetzt, wohin viele Menschen auf der Suche nach Sicherheit geflohen waren.

Seit Mitte 2026 ist Handicap International in den Regionen Charkiw und Dnipropetrowsk im Einsatz und hat ein Koordinationsbüro in Kyjiw. Gemeinsam mit mehreren lokalen Partnerorganisationen unterstützt Handicap International besonders schutzbedürftige Menschen, die von den Folgen des Krieges betroffen sind. Dazu gehören Schutzmaßnahmen, physische und funktionelle Rehabilitation sowie psychosoziale Unterstützung für verletzte und vertriebene Menschen. Darüber hinaus führt Handicap International Aufklärungskampagnen durch, um über die Gefahren von Minen und explosiven Kriegsresten zu informieren.

Hintergrund

Karte des HI-Einsatzes in der Ukraine

Auch 2026 bleibt die humanitäre Lage in der Ukraine äußerst kritisch. Nach offiziellen Angaben der Vereinten Nationen und der ukrainischen Regierung sind rund 10,8 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Davon leben mehr als 3,7 Millionen als Binnenvertriebene innerhalb des Landes.

Der größte Hilfsbedarf besteht in den östlichen und südlichen Regionen sowie in den nördlichen Grenzgebieten. Dort führen anhaltende Kämpfe und Beschuss dazu, dass viele Menschen ohne angemessene Unterkunft sowie ohne verlässlichen Zugang zu Energie, Trinkwasser und medizinischer Versorgung leben müssen. Besonders gefährdet sind Menschen mit Behinderungen und ältere Menschen, die zusammen etwa 30 % aller Hilfsbedürftigen ausmachen. Ebenso zählen Kinder, Alleinerziehende und Menschen mit chronischen Erkrankungen zu den besonders schutzbedürftigen Gruppen. Die großflächige Zerstörung der Infrastruktur hat in vielen Gebieten zu erheblichen Ausfällen der Strom-, Wärme- und Wasserversorgung geführt. Gleichzeitig ist das Gesundheitssystem durch die stetig wachsende Zahl von Patient*innen stark überlastet.

Die humanitäre Hilfe konzentriert sich im Jahr 2026 vor allem darauf, den Zugang zu sauberem Wasser, Sanitärversorgung und Hygienemaßnahmen sicherzustellen, die Ernährungssicherheit sowie finanzielle Unterstützung zu gewährleisten, Unterkünfte und Heizmöglichkeiten bereitzustellen, medizinische Versorgung und psychosoziale Unterstützung anzubieten und besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen zu helfen. Ein zentrales Anliegen ist dabei die Lokalisierung der Hilfe – also die aktive Einbindung der ukrainischen Zivilgesellschaft und lokaler Organisationen in die Planung und Umsetzung humanitärer Maßnahmen.

Insgesamt bleibt die humanitäre Krise äußerst schwerwiegend: Fast jede vierte Person in der Ukraine ist auf Unterstützung angewiesen. Ein inklusiver Ansatz in der humanitären Hilfe ist daher entscheidend, um sicherzustellen, dass insbesondere die verletzlichsten Menschen nicht zurückgelassen werden.

Anzahl der Mitarbeitenden von Handicap International: ca. 95

Programmstart: 2022


 

Neues aus den Projekten

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© L. Hutsul / HI
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Lidiya wartete in einer langen Schlange auf der Straße, um ihre monatliche Rente abzuholen, als plötzlich eine Streubombe explodierte. Die 75-Jährige wurde schwer verwundet, überall um sie herum sah sie Blut, Verletzte und Tote. Sie hatte noch Glück: Die vielen dicken Jacken, die sie wegen der Kälte übereinander angezogen hatte, retteten ihr das Leben. Und unsere Hilfe hat sie wieder fit gemacht.

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