Libanon: „Ich habe meinem Vater versprochen, niemals unser Land zu vergessen“

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Jihad Aouad ist Bauer im Libanon. Infolge des Bürgerkriegs in seinem Land musste seine Familie ihr Ackerland aufgeben, das mit Anti-Personen-Minen kontaminiert war. Im Jahr 2013 zerstörte Handicap International die Minen und stellte die Olivenhaine für Jihad wieder her – und damit die Zukunft seiner Familie.

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Jihad Aouad ist ein lebhafter Mann in den Vierzigern. Er ist verheiratet und Vater eines kleinen Sohnes und lebt jetzt in Tulah, im Bezirk Batroun im Norden des Libanon. „Vergiss unser Land nicht! Das waren die letzten Worte, die mein Vater vor seinem Tod sagte. Ich versprach ihm, mich immer daran zu erinnern“, erklärt Jihad und bezieht sich dabei auf die Olivenhaine, die seiner Familie seit Generationen gehören. „In unser christlichen Kultur, hier im Libanon, bedeutet das Land alles: unser Leben, unsere Existenz und unseren Reichtum“, fährt Jihad fort. „1979 wurde es uns geraubt und mit Minen verseucht. Wir mussten wegziehen. Ich erinnere mich, wie mein Vater weinte wie ein Kind, als er hilflos mitansehen musste, wie seine Olivenhaine mit Büschen und Unkraut überwucherten.“

Im Lauf des libanesischen Bürgerkriegs wurden 1979, 1981 und 1987 Anti-Personen-Minen eingesetzt. Mehrere Bauern in Jihads Nachbarschaft versuchten ihre Felder zu betreten und wurden getötet, als sie auf Minen traten. Als der Bürgerkrieg im Jahr 1990 schließlich vorbei war, blieben die Minen in der Erde vergraben und stellten nach wie vor eine permanente Gefahr für die örtliche Bevölkerung dar. Jihads Vater ging auf Nummer sicher und zog mit seiner Familie in die Hauptstadt Beirut, um ein neues Leben zu beginnen.

2010 begann Handicap International mit der Minenräumung im Bezirk Batroun, wo zwei Teams mit sieben Minenräumern mehr als 170 km² Land [1] gesäubert haben. Im Jahr 2014 schloss sich ihnen ein neues Team mit 10 Minenräumern an. „Jetzt, wo unsere neuen Teammitglieder eingetroffen sind, ist unser Ziel, bis 2016 die gesamte Region zu säubern, in greifbare Nähe gerückt. Die Minenräumer sind hochmotiviert und haben große Erfahrung. Sie haben mein vollstes Vertrauen“, erklärt Mohamed El Kaakour, der örtliche Einsatzleiter von Handicap International.

Jihads Olivenbäume, inmitten von Büschen und Gestrüpp, reichen hinauf bis zu einer Hügelkuppe. Die einstige Bezeichnung „Minenfeld 1268“ ist Vergangenheit, seit das Gebiet von Mohammed und seinem Team geräumt wurde. „Es war nicht leicht. Die Hügel sind steil, der Boden steinig. Deshalb konnten wir keine Maschinen einsetzen und mussten die Minenräumung komplett von Hand vornehmen. Der Hang war zum Teil so steil, dass die Teams mit ihrer Arbeit nur äußerst langsam vorankamen. Zunächst wurde das Gelände genau inspiziert. Im Anschluss suchten die Fachleute mit einem Metallstab verborgene Stolperdrähte, die die Minen auslösen sollen. Erst nachdem sie die Vegetation mit Gartenscheren weggeschnitten hatten, konnte ein Metalldetektor eingesetzt werden, um zu überprüfen, ob gefährliche Gegenstände im Boden vergraben sind, zum Teil bis zu 40cm tief.

Heute kann Jihad wieder durch seinen Olivenhain spazieren, die Familie hat das Grundstück zurückbekommen. Er streift durch die Zweige einer der Bäume und findet eine vereinzelte Olive, die trotz der Dezemberkälte noch am Baum hängt. Die anderen Oliven sind längst geerntet und auf dem Markt verkauft. „Ich bin überglücklich“, gesteht Jihad mit einem Lächeln. „Wir hatten großes Glück und es war eine große Ehre, dass die Teams von Handicap International das Land von den Minen befreit haben.“ Freundschaftlich legt er seinen Arm um Mohamed El Kaakour. „Sie haben unser Land wieder nutzbar gemacht und unsere Kinder vor Verletzungen oder gar dem Tod bewahrt. Sie haben uns unsere Zukunft zurückgegeben.“


[1] Seit 2006 arbeitet Handicap International im Libanon, um durch Streumunition und Minen kontaminiertes Land zu säubern. Etwa 700.000 m² wurden in der Region Tyr im Süden des Libanon gesäubert und mehr als 140.000 Streumunitionen wurden zerstört. Die Organisation betreibt Minenräumung in Batroun im Norden des Landes seit 2010. 170 m² sind bisher durch die Arbeit der Teams von Handicap International bis jetzt wieder sicher gemacht worden.

Veröffentlicht am 26.02.14

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