Südsudan: Hilfe für traumatisierte Flüchtlinge

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Über eine Million Menschen sind  aus dem Südsudan in das benachbarte Uganda geflohen seit im Jahr 2013 der Bürgerkrieg ausgebrochen ist. Viele haben Gewalt, Vertreibung, Vergewaltigung und willkürliche Morde, gesehen oder selbst erlebt. Handicap International (HI) bietet psychosoziale Unterstützung, um den komplexen und dringenden Bedürfnissen für die mentale Gesundheit der Flüchtlinge zu begegnen.

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Flüchtlinge aus dem Südsudan warten im Camp Omugo in Uganda
Flüchtlinge aus dem Südsudan warten im Flüchtlingscamp Omugo in Uganda
Geduldig warten südsudanesische Flüchtlinge auf die Zuteilung eines Stück Landes

Die Front

Nichts deutet darauf hin, dass man die Siedlung Omugo in Norduganda erreicht hat. Kein Checkpoint und keine Sicherheitskontrolle, keine spezielle Markierung. Das erste Zeichen, dass dieses Gebiet sich von den traditionellen Strohdachdörfern der Region unterscheidet, ist das gelegentliche Aufblitzen weißer Planen zwischen den Bäumen.

Trotz des harmlosen Anscheins findet man sich hier an der Front von Ugandas Flüchtlingskrise wieder. Über 800.000 Menschen sind aus dem Südsudan nach Uganda geflohen, seit der Bürgerkrieg im Juli 2016 erneut eskaliert ist – zusätzlich zu den 200.000 Flüchtlingen, die bereits vorher die Grenze nach Uganda überquerten. Die Siedlungen, die für die Unterbringung der Flüchtlinge gebaut wurden, haben nach und nach ihre Kapazitätsgrenze erreicht. Die Siedlung Bidi Bidi beherbergt alleine 275.000 Menschen und ist damit das größte Flüchtlingscamp der Welt.

Omugo ist jetzt das Ziel für alle ankommenden Flüchtlinge in Uganda. „Innerhalb weniger Wochen hat sich Omugo von einem  enorm weitläufigen ostafrikanischen Busch in ein Zuhause für 15.000 Menschen verwandelt“, erklärt  HI-Projektkoordinator für Uganda Ryan Duly. „Die ugandische Regierung, der UNHCR und verschiedene NGOs bauen so schnell es geht die notwendige Infrastruktur und Services wie Wassertanks, Latrinen, Straßen, Essen und die Verteilung der Waren auf. Währenddessen kommen weiterhin hunderte Menschen an.“

Besorgniserregende Geschichten

Am 16. Oktober erreichte eine Gruppe von 240 Flüchtlingen Omugo. Sie warteten geduldig in einer Reihe, bis sie einem Stück Land zugeteilt wurden, um darauf einen Unterstand zu bauen.Unter ihnen: Der 71-jährige Joel Roba. Sein Blick ist wegen eines starken Grauen Stars verschwommen und er läuft nur sehr langsam mit Hilfe eines Holzstabs. Joel beschreibt die Rückkehr in sein Dorf, nachdem die Kämpfer dort waren. Unter den Toten entdeckte er einige seiner Söhne, Töchter und Enkelkinder. Einen Sohn fand er mit verstümmelten Beinen und brachte ihn unter enormer Anstrengung ins Krankenhaus.

Neben Joel stehen zwei jugendliche Mädchen, die 12-jährige Viola und ihre 16-jährige Schwester Annet. Die Beiden sind alleine drei Tage gereist, um die Grenze zu erreichen, trotz der permanenten Gefahr sexuell missbraucht zu werden. Die Mädchen verließen ihr Dorf, nachdem ihre Mutter starb. Sie wissen nicht genau, was mit ihr passiert ist; nur, dass sie eine Operation hatte und die Nähte geplatzt sind.

Ate Charles, ein 48-jähriger Mann mit Polio, den sie erst eine Woche zuvor getroffen haben, kümmert sich um Viola und Annet. Ates Frau wurde von den Kämpfern im Mai 2017 ermordet. Er verkaufte sein Haus und all seine Besitztümer, um sich alleine auf die Reise nach Uganda zu machen. Nach zwei Wochen und nur noch 20 Kilometer von der Grenze entfernt, wurde er angegriffen und ausgeraubt. Die Angreifer stahlen ihm all sein Geld und sogar seine Schuhe.

Depression, Angst und posttraumatische Belastungsstörung

Es ist entsetzlich, dass solche Geschichten keine Ausnahmen bleiben. Die Mehrheit der Flüchtlinge in Omugo hat Gewalt, Traumata und Angst im Südsudan erlebt. Infolgedessen ist die Rate von Depressionen, Angststörungen, posttraumatischen Belastungsstörungen und anderen schlimmen psychologischen Leiden alarmierend hoch.

HI bietet psychologisches „Erste Hilfe“-Training für HelferInnen an vorderster Front, die sich als erstes um die ankommenden Flüchtlinge kümmern. Das ist entscheidend, um die Menschen mit einem kritischen mentalen Zustand zu erkennen und zu versorgen. Fälle, die psychiatrische Behandlung benötigen, werden an die medizinischen Partner von HI im lokalen Krankenhaus überwiesen.

Mit den weniger gravierenden Fällen erarbeitet das Team von HI, bestehend aus Psychologen und Psychologinnen sowie Sozialarbeitern, einen personalisierten und langfristigen Plan, um das Leid der Flüchtlinge zu verringern. Das können zum Beispiel Einzelsitzungen sein, aber auch Gruppentherapien. Simon Bakamuto, ein HI-Psychologe und Trainer erklärt: „Die Erfahrungen zu teilen, hilft oft die Gefühle von Isolation zu reduzieren und soziale Beziehungen wieder aufzubauen. Für jemanden, der seine Familie, seine Freunde oder sein Dorf verloren hat, kann das förderlich für die Genesung sein.“

HI versucht auch die Aufmerksamkeit für das Thema mentale Gesundheit unter den Flüchtlingen zu erhöhen. Vielen ist nicht klar, dass ihre Symptome wie Schlaflosigkeit, Ängste, Aggressionen oder übermäßiges Grübeln durch eine Behandlung kuriert werden können. HIs Anwesenheit in Omugo bedeutet, dass Flüchtlinge nicht länger im Stillen leiden müssen.


 

Sehen Sie hier die Geschichte von Leilas Flucht aus dem Südsudan in Bildern:

 

 

Veröffentlicht am 03.11.17

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