Somalia (Somaliland)
In Somalia und Somaliland setzt sich Handicap International (HI) dafür ein, dass die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen in der humanitären Hilfe stärker berücksichtigt werden. Gleichzeitig unterstützen wir in den Bereichen Rehabilitation, psychische Gesundheit und Stimulationstherapie für unterernährte Kinder.
Hargeisa, 2020. Eine von HI organisierte psychosoziale Gruppensitzung (PSS) im Flüchtlingslager für Binnenvertriebene in Malawle. | © HI
Laufende Aktivitäten
Handicap International unterstützt von Krisen betroffene und besonders gefährdete Menschen mit Teams in Mogadischu, Hargeisa, Garowe, Burao und Laasanod. Ziel ist es, den Zugang zu wichtigen, inklusiven und hochwertigen Dienstleistungen für Menschen mit Behinderungen, Kinder, Frauen und andere besonders gefährdete Gruppen zu verbessern, die von Vertreibung, Armut, Klimakrise und Gewalt betroffen sind.
Handicap International hilft mit Rehabilitation, psychosozialer Unterstützung und Angeboten zur Förderung der psychischen Gesundheit sowie Stimulationstherapie für mangelernährte Kinder. Dabei verbindet HI die direkte Unterstützung von Menschen mit dem Ausbau lokaler Strukturen, der Zusammenarbeit mit Gemeinden und der Verbesserung des Versorgungswesens. So erhalten besonders schutzbedürftige Menschen – insbesondere Menschen mit Behinderungen – rechtzeitig Zugang zu würdevoller und qualitativ hochwertiger Unterstützung.
Handicap International versorgt außerdem Menschen, die von Gewalt, Vertreibung, Verletzungen oder psychischen Belastungen betroffen sind, mit psychosozialer Unterstützung und Maßnahmen zur Förderung der psychischen Gesundheit. Unsere Teams arbeiten eng mit Gesundheitseinrichtungen, lokalen Gemeinschaften und Behörden zusammen, um den Zugang zu hochwertiger Versorgung, funktionierenden Überweisungssystemen und einer kontinuierlichen Betreuung zu verbessern, insbesondere für Menschen, die in humanitären Krisen häufig übersehen werden.
In Laasanod betreibt HI ein Rehabilitationszentrum. Dort erhalten Menschen mit Behinderungen Hilfsmittel, physiotherapeutische Behandlungen und Nachsorge. Die Angebote helfen ihnen, ihre Selbstständigkeit zurückzugewinnen, ihre körperlichen Fähigkeiten zu stärken und ihre Teilhabe am Familien- und Gemeinschaftsleben zu verbessern. Darüber hinaus arbeitet Handicap International eng mit Gemeinden, lokalen Organisationen, Organisationen von Menschen mit Behinderungen (OPDs) und Gesundheitseinrichtungen zusammen und bietet Schulungen an, um die Qualität, Kontinuität und Zugänglichkeit der Angebote zu verbessern.
Zusätzlich betreibt HI in Burao ein Zentrum für Stimulationstherapie. Dort unterstützen die Teams Kleinkinder, die von Mangelernährung oder Entwicklungsverzögerungen betroffen sind. In individuell abgestimmten Fördermaßnahmen lernen zudem Eltern und Betreuungspersonen praktische Übungen, die sie nach der Entlassung zu Hause fortführen können.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der fachlichen Unterstützung anderer humanitärer Organisationen. Handicap International stärkt die Kapazitäten von Partnern im sogenannten Einsatzbereich „Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene (WASH)“, damit diese Maßnahmen inklusiver gestaltet werden. Außerdem schult HI Organisationen von Menschen mit Behinderungen (OPDs) im Bereich inklusiver Koordination und unterstützt sie dabei, sich besser im humanitären Sektor zurechtzufinden. Ergänzend begleitet Handicap International OPDs, die Kleinprojekte umsetzen, und berät sie bei fachlichen und organisatorischen Fragen rund um inklusive humanitäre Hilfe.
- Mitarbeitende von HI: 23
- Direkt unterstützte Menschen im Jahr 2025: 4.699
- Indirekt erreichte Menschen im Jahr 2025: 28.194
- Beginn der Programme: 1992
Hintergrund
Somalia und Somaliland (eine unabhängige Region, die international nicht anerkannt ist) befinden sich weiterhin in einer schweren und langanhaltenden humanitären Krise. Ursachen sind wiederkehrende Dürren, bewaffnete Konflikte, Vertreibung, Krankheitsausbrüche sowie schwache öffentliche Versorgungssysteme.
Nach dem Humanitarian Needs and Response Plan 2026 sind 4,8 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Humanitäre Organisationen benötigen 852 Millionen US-Dollar, um 2,4 Millionen Menschen mit lebensrettender Hilfe und Schutzmaßnahmen zu erreichen. Vorrang haben dabei 1,6 Millionen Menschen in den am stärksten betroffenen Gebieten – verteilt auf 21 Hochrisikodistrikte.
Die Menschen in Somalia und Somaliland sind weiterhin mehreren Krisen gleichzeitig ausgesetzt. Dürren, Vertreibung und fehlende grundlegende Dienstleistungen zerstören Lebensgrundlagen und erhöhen die Risiken für die Bevölkerung. Hinzu kommen sinkende Mittel für die humanitäre Hilfe. Zu den dringendsten Bedürfnissen gehören Essensversorgung, Zugang zu sauberem Wasser, Gesundheitsversorgung, Schutz, Unterkünfte und weitere lebenswichtige Unterstützung.
Menschen mit Behinderungen gehören zu den am stärksten betroffenen Bevölkerungsgruppen. In Somalia machen sie 16 Prozent der Menschen aus, die humanitäre Hilfe benötigen. Dennoch stoßen viele von ihnen auf physische, kommunikative und gesellschaftliche Barrieren, die den Zugang zu Hilfsangeboten, Schutzmaßnahmen und Unterstützung erschweren. Umso wichtiger sind inklusive humanitäre Hilfe, Rehabilitationsangebote, psychosoziale Unterstützung, barrierefreie Informationen und bedarfsgerechte individuelle Begleitung.
Humanitäre Hilfe muss daher nicht nur das unmittelbare Überleben sichern, sondern auch gewährleisten, dass grundlegende Dienstleistungen inklusiv, zugänglich und auf die Bedürfnisse besonders benachteiligter Menschen zugeschnitten sind. Für viele Familien ist rechtzeitige Unterstützung entscheidend, um Leben zu schützen, ihre Würde zu bewahren und ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber wiederkehrenden Krisen zu stärken.
Massive Kürzungen der humanitären Finanzierung in den Jahren 2025 und 2026 haben bereits zur Schließung wichtiger Gesundheits-, Ernährungs- und Wasserversorgungsangebote geführt. Dadurch sind Millionen Menschen von lebensrettender Unterstützung abgeschnitten, obwohl der humanitäre Bedarf weiter wächst.
Neues aus den Projekten
Somaliland: Endlich lacht und krabbelt mein Baby!
In Rodas Familie reicht das Geld oft nicht für genügend Essen. Ihr kleiner Sohn Suhayb war stark unterernährt und so schwach, dass er weder sitzen noch krabbeln konnte. Im Ernährungszentrum wurde er wieder aufgepäppelt und bekommt nun von unserem Team eine besondere Stimulationstherapie. Roda ist überglücklich: Endlich lacht und spielt der Kleine wie andere Kinder in seinem Alter!
Psychosoziale Unterstützung in Somalia
Trotz der Verbesserung der allgemeinen humanitären Lage leiden die Menschen in Somalia noch immer unter Gewalt, politischer Instabilität und einer hohen Sterblichkeitsrate. Durch die ständige Unsicherheit werden psychotische Symptome oft verursacht oder noch verstärkt. Menschen mit psychischen Störungen werden in der somalischen Gemeinschaft jedoch meist marginalisiert.
Alles zurücklassen, um die Familie ernähren zu können
Die Hungerkrise in Ostafrika verursacht nie dagewesene Flüchtlingszahlen. Fast 80 Prozent der Flüchtlinge sind Frauen und Kinder, die nicht mehr genug Essen zum Überleben haben. Rose und ihre Kinder leben jetzt in einem Flüchtlingscamp in Kenia, sind aber dennoch zahlreichen Schwierigkeiten ausgesetzt.
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