Sudan
Im Sudan arbeitet Handicap International (HI) mit Menschen mit Behinderungen sowie den am stärksten benachteiligten Bevölkerungsgruppen zusammen, um deren Grundbedürfnisse zu decken. Zudem versorgt HI Menschen mit Rehabilitationsmaßnahmen und setzt sich innerhalb der humanitären Gemeinschaft für einen inklusiveren Umgang mit Behinderung ein.
Kaltouma und Hassaneih Ismail Abdullah, zwei Schwestern, flohen vor dem Konflikt in der Region Darfur im Sudan. | © T. Nicholson / HI
Laufende Aktivitäten
Im Westen des Landes, in der Region Darfur, organisiert Handicap International (HI) die Verteilung von Bargeldhilfen an die am stärksten gefährdeten Haushalte, insbesondere an solche mit Kindern, die unter akuter Unterernährung leiden. Diese Maßnahme stärkt die Widerstandsfähigkeit der vom Konflikt betroffenen Familien, indem sie ihnen genug zu essen ermöglicht und gleichzeitig die lokale Wirtschaft unterstützt. Darüber hinaus setzt sich HI dafür ein, Gesundheitsrisiken im Zusammenhang mit durch Wasser übertragenen Krankheiten wie Cholera zu verringern. Dazu organisieren die Teams die Verteilung von Hygiene-Sets und führt Aufklärungskampagnen durch. HI ist auch in der Region Tawila (Nord-Darfur) aktiv, um sicherzustellen, dass humanitäre Hilfe selbst die entlegensten Gebiete erreicht. Dazu gehört die Verwaltung der Lagerung humanitärer Hilfsgüter, die Gewährleistung, dass diese so nah wie möglich an die Bedürftigen transportiert werden, sowie die Unterstützung der humanitären Gemeinschaft bei ihren logistischen Herausforderungen. Darüber hinaus führt Handicap International Rehabitlitationsmaßnahmen in den Gemeinden sowie in von internationalen NGOs betriebenen Gesundheitseinrichtungen durch. Dazu gehören der Aufbau spezialisierter Physiotherapieangebote und die Einrichtung einer Werkstatt zur Herstellung von Mobilitätshilfen.
In den sudanesischen Bundesstaaten Al-Jazirah und Khartum arbeitet HI im Rahmen eines Konsortiums mit anderen humanitären Organisationen zusammen, um in mehreren Schlüsselbereichen einen schnellen Zugang zu lebensrettender Hilfe zu gewährleisten. HI leistet zu diesem Projekt einen Beitrag durch Maßnahmen mit Reha von Menschen mit Behinderungen und Verletzten sowie durch Stimulationstherapie für unterernährte Kinder. Zudem stellt Handicap International Mobilitätshilfen wie Krücken, Gehstöcke und Rollstühle für Menschen bereit, die Schwierigkeiten bei der Fortbewegung haben. In der Region Khartum führt Handicap International außerdem Minenräumaktionen durch, startet Massenmedienkampagnen, um die Bevölkerung über die Gefahren von Blindgängern aufzuklären, und baut ein Opferhilfesystem auf.
Zudem setzt sich HI landesweit für inklusive humanitäre Hilfe ein. Dazu unterstützen wir unsere humanitären Partner dabei, die Einbeziehung von Menschen mit Behinderung zu stärken und so zu einem gerechten Zugang zu humanitärer Hilfe beizutragen. Auf globaler Ebene hat HI gemeinsam mit anderen Organisationen den Vorsitz der Arbeitsgruppe „Alter und Inklusion“ im Rahmen des humanitären Koordinierungsmechanismus der Vereinten Nationen inne. Damit setzt sich Handicap International für Standards zur Einbeziehung von Menschen mit Behinderungen in humanitäre Maßnahmen ein, wie sie 2019 vom Ständigen Interinstitutionellen Ausschuss der Vereinten Nationen definiert wurden.
• Anzahl der HI-Mitarbeitenden: 67
• Direkte Begünstigte, die 2025 von HI unterstützt werden: 7.560 Menschen
• Indirekte Begünstigte der HI-Initiativen im Jahr 2025: 34.170 Menschen
• Startdatum des Programms: 2024
Hintergrund
Der Sudan, mit fast 54 Millionen Einwohnern Afrikas drittgrößtes Land, ist seit April 2023 in einen verheerenden bewaffneten Konflikt zwischen den sudanesischen Streitkräften (SAF) und den Rapid Support Forces (RSF) verwickelt. Dieser von extremer Gewalt (Bombenangriffe, Belagerungen, Angriffe auf Zivilbevölkerung) geprägte Konflikt hat eine beispiellose humanitäre Katastrophe ausgelöst: Mehr als 13 Millionen Menschen wurden vertrieben, davon sind über 9 Millionen Binnenvertriebene. Damit ist der Sudan Schauplatz der weltweit größten Binnenvertriebenenkrise. Im Jahr 2025 waren darüber hinaus mehr als 33 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen – ein Anstieg um drei Millionen im Vergleich zum Vorjahr. Im April desselben Jahres bezeichneten die Vereinten Nationen diese Krise als die schwerwiegendste weltweit.
Die Lage im Land hat sich durch den wirtschaftlichen Zusammenbruch und die Zerstörung der Infrastruktur (Gesundheitswesen, Wasserversorgung, Landwirtschaft, Energieversorgung, Bildungswesen usw.) weiter verschärft. Im Jahr 2026 litten 24,6 Millionen Menschen im Sudan unter akuter Ernährungsunsicherheit, insbesondere in den Regionen Darfur und Kordofan, die von einer Hungersnot betroffen waren. Besonders leiden Kinder: Mehr als 21 Millionen Menschen (45 Prozent der Bevölkerung) sind von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen und Hunderttausende leiden unter schwerer Unterernährung.
Frauen, Kinder, Menschen mit Behinderungen und ältere Menschen gehören zu den am stärksten gefährdeten Gruppen und sind allen Formen von Gewalt besonders ausgesetzt. Trotz der Bemühungen humanitärer Organisationen, auch die entlegensten Gebiete des Landes zu erreichen, behindern erhebliche Zugangsbeschränkungen, besonders in aktiven Konfliktgebieten, sowie Finanzierungsengpässe weiterhin die Bereitstellung von Hilfe in den am stärksten betroffenen Regionen. Infolgedessen geraten auch humanitäre Helfer ins Visier: Im Jahr 2025 wurden 130 von ihnen getötet. Trotz eines von den Vereinten Nationen für das Jahr 2026 gestarteten Spendenaufrufs in Höhe von 2,9 Milliarden US-Dollar wurden bisher nur 16 Prozent der Mittel bereitgestellt. Dies gefährdet die Nothilfe.
Neues aus den Projekten
Sudan: Handicap International baut auf, was der Krieg zerstört hat
Zerstörte Städte, verlassene Straßen, Millionen Menschen auf der Flucht: Drei Jahre Krieg haben den Sudan tief gezeichnet. Im März 2026 hat unsere Leiterin der Nothilfe, Fanny Mraz, das Land bereist und die Folgen mit eigenen Augen gesehen. Viele Krankenhäuser und Reha-Zentren sind zerstört. Blindgänger bedrohen die Menschen. Unsere Hilfe wird dringend gebraucht.
Sudan: „Ich kann meinen Kindern kaum Essen besorgen“
Stellen Sie sich vor, die gesamte Bevölkerung von Berlin, Wien, Hamburg, München, Köln und Frankfurt müsste gleichzeitig fliehen. Unvorstellbar? Im Sudan ist genau das in den letzten drei Jahren Realität geworden.
Sudan: Nothilfe und Reha für Kriegsopfer
Drei Jahre nach Beginn des Krieges leidet die Bevölkerung im Sudan weiter unter extremer Gewalt. Millionen Menschen sind auf der Flucht. Die humanitäre Lage ist dramatisch. Rehabilitation und psychosoziale Unterstützung sind kaum noch verfügbar. Gleichzeitig steigt der Bedarf stetig. Handicap International (HI) gehört zu den wenigen Organisationen, die Reha und Physiotherapie im Land anbieten.
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