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Juan José: Ein kleiner mutiger Anführer

Inklusion Nothilfe Rehabilitation und Orthopädie
Kolumbien

Juan José, 6 Jahre alt, lebt in Timbío, Kolumbien. Sein rechtes Bein wurde amputiert, als er im Alter von zwei Monaten an Thrombose erkrankte. Handicap International (HI) und ihre Partnerorganisation, FEDAR, trafen ihn kürzlich. Sie möchten ihn  unterstützen und ihm eine neue Prothese beschaffen.

Juan José spielt mit ein paar Freunden in der Schule | © Jules Tusseau/HI

„Juan José, mi amor…”.

In diesem kleinen Haus auf einer Höhe von 1800 Metern, entlang von Kaffee-, Yucca- und Avocado-Plantagen, ist José von Streicheleinheiten seiner sehr beschützenden Familie umgeben. Er ist der Mittelpunkt seiner Familie. Die Mutter Nidia erzählt, während sich ihre Augen mit Tränen füllen:

„Es war der 23. Oktober 2010, ich erinnere mich als wäre es erst gestern gewesen. Juan José war erst sieben Tage alt. Wir waren gerade auf dem Weg ihn als Neugeborenen zu registrieren. Ich hatte ihn auf meinem Arm, als ich bemerkte, dass seine Füße schwarz anliefen. Er hatte auch Schwierigkeiten beim Atmen. Ich war so besorgt. Wir eilten sofort in das nächstgelegene Krankenhaus, welches in Popayan war. Der Weg dorthin erschien mir wie eine Ewigkeit. Ich wollte einfach nur, dass sein Fuß wieder eine normale Farbe annimmt. Doch dann berichtete mir der Arzt: ‚Ihr Sohn hat Thrombose. Sein linkes Bein muss amputiert werden. Uns bleibt nichts Anderes übrig.‘ Ich war wie gelähmt, fassungslos. Er wurde dann in ein Krankenhaus nach Cali gebracht. Am 9. Dezember haben sie sein rechtes Bein amputiert. Er war erst zwei Monate alt.”

Juan José wurde ungefähr dreißig Mal behandelt: „Ich hatte durchgehend Angst, dass die Ärzte ihn beim Erneuern der Bandagen verletzten würden. Er hat sich so viel bewegt!“ Als er sieben Monate alt war, bekam er seine erste Prothese: „Wir haben die Prothese selbst finanziert, sie war sehr teuer. Er hat auch nicht viel Reha erhalten. Wir wohnen weit von der Stadt entfernt und haben wenig Geld.“

Die letzten Jahre vergingen wie im Flug und Juan José wurde groß.

„Er verbringt viel Zeit mit seiner Nichte, Maria, die im gleichen Alter ist wie er. Sie machen alles zusammen. Seit der Operation hatte er bereits fünf Prothesen. Wir bezahlten drei von den fünf. Juan José wurde ein mutiger, waghalsiger kleiner Anführer. Er fährt Fahrrad, klettert herum, spielt Fußball und stellt sich bei Regen unter Bananenblätter. Er ist ein sehr glücklicher Junge. Ich verstecke meine Tränen – ich möchte nicht, dass er weiß, wie viel Angst ich um ihn habe."

Er darf nicht anfangen zu bluten, denn er muss täglich Blutverdünner nehmen. Wenn ich ihn beobachte, wie er die Kaffeeplantagen entlang rennt, rutscht mein Herz in die Hose, denn ich bin sehr besorgt, dass er sich verletzt.

Brayan Stiven Gomez, Physiotherapeut, erklärt: „Wir haben Juan José vor ein paar Wochen in der Schule kennengelernt. Dort haben wir seinen Stumpf untersucht, an dem sich die Falten infizieren könnten. Auf den ersten Blick wirkt seine Prothese natürlich, aber sie ist nicht so funktionsfähig, wie sie sein sollte. Er weiß mit ihr umzugehen, aber er hat starke Schmerzen. Daher unterstützten wir seine Eltern mit dem Papierkram, um für ihn eine neue Prothese zu beantragen. In Kolumbien sind viele Menschen, die in abgelegenen Gebieten wohnen, nicht vertraut mit ihren Rechten innerhalb des Gesundheitssystems und sind nicht vertraut mit den administrativen Abläufen. Sie fühlen sich hilflos.”

„Wir werden seinen Eltern auch zeigen, welche Reha-Übungen er zu Hause machen kann. Und wir haben ihn gefragt, ob er an den Malaktivitäten, die wir veranstalten, teilnehmen möchte. Er ist darin sehr gut und  das stärkt sein Selbstbewusstsein.“

In der Schule rennt Juan José auf den Pausenhof und kickt den Fußball mit dem linken Bein. Er zielt sehr präzise und tritt  mit viel Kraft – die anderen Kinder beginnen daraufhin erfreut zu jubeln.

 „Juan José ist der kleine Anführer. Das Zentrum. Er gibt nicht auf. Ich kann nicht glauben, dass ich ihn am ersten Schultag unter meine Fittiche nahm, weil ich dachte er wäre schüchtern und schwach. Er strahlt so viel Freude aus,” fügt seine Lehrerin, Angela Irene Zemanate, noch hinzu.

17 November 2017
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