Co-Preisträgerin Friedensnobelpreis

Reha via Telefon

Nothilfe Rehabilitation und Orthopädie
Palästinensische Gebiete

Corona in Gaza bedeutet mehr Isolation und Verzweiflung für Menschen mit Behinderungen, da die Hilfe für sie ausgesetzt wurde. Ihab lebt mit seiner Frau, seiner vierjährigen Tochter und seinem einjährigen Sohn in einem kleinen Haus in Gaza. 2019 wurde er während einer Demonstration schwer verletzt als er auf der Straße kalte Getränke und Saatgut verkaufte. Seither hat Ihab an beiden Beinen Schmerzen und kann nicht richtig laufen.

Ihab und seine beiden Kinder

Ihab und seine beiden Kinder | © HI

Die Folgen der Corona-Pandemie machen Ihab schwer zu schaffen, da er weder im Reha-Zentrum an Behandlungen teilnehmen, noch Geld verdienen kann. HI versucht ihm via Telefon zu helfen. Ihab erzählt seine Geschichte:

Die Verletzung hat mein Leben völlig verändert. Ein Jahr danach habe ich immer noch Schmerzen, nehme Medikamente und bin in meiner Beweglichkeit sehr eingeschränkt. Ich kann nur mit Krücken laufen. Ich bin gestresst und nervös. Ich denke über meine Zukunft und meine Familie nach. Wie ich sie unterstützen und Geld verdienen kann, um uns zu ernähren. Ich bin ein junger Mann. Doch wegen der Verletzung kann ich nicht mehr als 100 Meter gehen. 

Kein Einkommen 

Die Situation ist seit der Ausgangssperre so schlimm geworden. Die Märkte wurden geschlossen, auch Geflügelmärkte. Jetzt kann ich die Hühner, die ich auf dem Dach meines Hauses aufgezogen habe, nicht verkaufen. Sie sind zu groß geworden, und niemand will sie mehr kaufen. Wie soll ich nur die Kredite und Schulden zurückzahlen? 

Ich habe Angst, das Haus zu verlassen. Ich will das Virus nicht in meine Familie holen. Ich verbringe den ganzen Tag zuhause. Ich bin depressiv, nervös und denke ständig  an meine Zukunft und meine Familie. Früher verbrachte ich Zeit mit meinen Freunden oder meinen Verwandten, die mich zu Hause besuchten. Sie können nicht mehr kommen. Jetzt fühle ich mich einsam.

Rehabilitationsdienste eingestellt

Die Reha-Dienste wurden eingestellt.  Aber ich bekomme Physiotherapie von HI-Partnern aus der Ferne per Telefon. Außerdem stellen sie mir das Verbandsmaterial für den Wundverband zur Verfügung. Ich lege es zuhause an und sie überwachen, ob es Komplikationen gibt. 

Ich habe Schmerzen, wenn ich die Übungen selbst durchführe. Ich traue mir nichts zu, selbst wenn ich von den Teams geschult und nachbetreut werde. Ich habe Angst, dass sich die Wunde infiziert. Außerdem waren die Besuche von HI oder die Sitzungen im Reha-Zentrum eine gute Gelegenheit, Menschen zu treffen, mit ihnen zu reden und darüber zu sprechen, wie ich mich fühle.

11 Mai 2020
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