Co-Preisträgerin Friedensnobelpreis

Rohingya: Die Bürger von Nirgendwo

Nothilfe Rehabilitation und Orthopädie
Bangladesch

Am Sonntag, 25. August 2019, jährt sich die Vertreibung der Rohingya aus Myanmar zum zweiten Mal. Die muslimische Minderheit ist in ihrem Heimatland systematischer Verfolgung  ausgesetzt. Vor zwei Jahren eskalierte die Gewalt und führte zur Flucht von 741.000 Rohingya ins benachbarte Bangladesch. Laut Vereinten Nationen leben dort derzeit über 911.000 Menschen in Flüchtlingscamps in der Region Cox’s Bazar - dem sogenannten größten Flüchtlingslager der Welt. Die Bündnisorganisationen von „Aktion Deutschland Hilft“, zu denen auch Handicap International gehört, helfen den Menschen seit Ausbruch der Krise.

Shumira, 10 Jahre, versucht im Teknaf Camp mithilfe ihres Therapeuten das Laufen auf Krücken. Sie ist vor ihrer Unterkunft zu sehen.

Shumira, 10, lebt mit zerebraler Kinderlähmung im Teknaf Camp und wird von HI-Rehabilitationsbeauftragten Mohammad Rahman betreut | © Abir Abdullah/HI

80 Prozent der Flüchtlinge in den Lagern sind Frauen und Kinder. Manuela Roßbach, geschäftsführender Vorstand des Bündnisses „Aktion Deutschland Hilft“, zu dem auch Handicap International gehört, erklärt:

„Die geflüchteten Kinder, Frauen und Männer haben keine Rechte. Sie dürfen sich weder in Myanmar noch im Aufnahmeland Bangladesch frei bewegen. Kindern wird der Zugang zur Bildung verwehrt und ihren Eltern ist es nicht gestattet, zur Unterstützung ihrer Familien zu arbeiten. Ein normales Leben scheint unter diesen Bedingungen undenkbar.“

Mohammad Mahmudur Rahman arbeitet als Rehabilitationsbeauftragter für HI  in Teknaf, Cox’s Bazar. Mohammad kümmert sich zum Beispiel um Shumira, die an zerebraler Kinderlähmung leidet. Er macht mit ihr Übungen für die Beweglichkeit und um ihre Muskulatur zu stärken. „Ich bin sehr stolz darauf, für die mobile Einheit von HI zu arbeiten. Als Team gehen wir von Tür zu Tür und finden heraus, was die Menschen wirklich brauchen. Wir helfen ihnen, ihr Leben zu verbessern.“

Größtes Flüchtlingslager der Welt

Aktuell soll es einen erneuten Versuch der Rückführung der Flüchtlinge in ihr Heimatland geben. Jedoch fehlt die Aussicht auf eine sichere Bleibe- oder Rückkehrperspektive für die Rohingya. Im November 2018 scheiterte ein erster Rückführungsversuch, da Hunderte Geflüchtete aus Angst vor erneuter Gewalt und Verfolgung protestierten.

Auch zwei Jahre nach dem Massenzustrom der Rohingya nach Bangladesch brauchen die Menschen immer noch Unterstützung von Hilfsorganisationen und humanitären Akteuren wie Mohammad. Sie kommen meist völlig verarmt im Nachbarland an – hatten nur Zeit hastig das Nötigste zusammenzupacken. 

Handicap International arbeitet seit 1997 in Bangladesch und leistet seit August 2017 Nothilfe für die geflüchteten Rohingya. Mithilfe mobiler Teams versorgen wir insbesondere Menschen mit Behinderung oder Verletzungen mit Reha und Hygieneberatungen.

Dank des Einsatzes von HI

  • Haben über 13.000 Menschen Reha-Behandlungen erhalten.
  • Haben mehr als 9.100 Menschen psychosoziale Beratung erhalten.
  • Wurden über 1.800 Gehhilfen (Rollatoren, Krücken usw.) verteilt.
  • Wurden zwei Lagerhäuser für humanitäre Hilfsgüter eingerichtet. Von dort transportiert eine Flotte von 15 Lastwagen die Hilfsgüter von HI und anderen Organisationen in die Einsatzgebiete.
  • Wurden 1.000 Hygienesets (für über 4.000 Menschen) verteilt.
  • Wurden 12.700 Lebensmittelrationen (für über 63.500 Menschen) ausgegeben und mehr als 900 Unterbringungs-Sets verteilt.
23 August 2019
Einsatz weltweit:
Helfen
Sie mit

Lesen sie weiter

Afghanistan: Die Landmine lauerte im Gras
© E. Blanchard / HI
Rehabilitation und Orthopädie

Afghanistan: Die Landmine lauerte im Gras

Omaid aus der Nähe von Kunduz spielte draußen mit seinen Freunden, als er auf eine Landmine trat – die Explosion verletzte ihn schwer. Sein rechtes Bein konnte nicht gerettet werden und musste amputiert werden. Da war Omaid mal gerade fünf Jahre alt.

Syrien: Die Mine lag zwischen den Olivenbäumen
© T. Mayer / HI
Minen und andere Waffen Rehabilitation und Orthopädie

Syrien: Die Mine lag zwischen den Olivenbäumen

Ahmed Kasom ist einer von vielen, die nach Ende des Krieges in ihr syrisches Heimatdorf zurückkehren. Der 29-Jährige lebt in einem Flüchtlingscamp nahe Idlib und versucht seine Familie mit Gelegenheitsjobs zu ernähren. So auch zu Beginn des Jahres, als er bei der Olivenernte mithilft. Doch er tritt auf eine Landmine, die ihm sein Bein abreißt – ein unglaublicher Schock.

Ukraine: „Mein Mann dachte, ich sei tot“
© L. Hutsul / HI
Rehabilitation und Orthopädie

Ukraine: „Mein Mann dachte, ich sei tot“

Yuliia verlor durch eine Minenexplosion beide Beine und ihr Augenlicht. Unsere Teams helfen ihr, auf ihrem schwierigen Weg zurück in den Alltag. Ein Physiotherapeut besucht sie regelmäßig, um ihr mit den Prothesen zu helfen und ihre Muskeln zu stärken. Yuliia wünscht sich endlich Frieden, eine Familie und hofft durch die Unterstützung von Handicap International auf ein selbstständiges Leben.