Co-Preisträgerin Friedensnobelpreis

Sahel: „Sie dachten, ich sei tot“

Nothilfe
Togo

Awa*, verwitwet und Mutter von acht Kindern, verlor bei einem Angriff auf ihr Dorf in Burkina Faso ihren Sohn und ihr Zuhause – sie wurde selbst schwer verletzt. Sie fand im Norden Togos Zuflucht. Dank der Hilfe von Handicap International erhielt sie dringend benötigte Nothilfe, eine Operation für ihren Arm sowie psychosoziale Betreuung. Schritt für Schritt findet sie nun zurück ins Leben.

Eine Frau sitzt im Schatten eines Baumes auf sandigem Boden; ihr rechter Arm ist bandagiert

Awa* verlor ihren Sohn und ihr Zuhause und wurde schwer verletzt – mit Unterstützung von Handicap International findet sie nun zurück ins Leben. | © L. Mensah / HI

Die Lage in der Sahelregion ist erschütternd: Anhaltende Gewalt zwingt viele Menschen zur Flucht und trennt Familien. Über zwei Millionen Menschen haben ihr Zuhause verloren und leben oft unter schwierigen Bedingungen in Flüchtlingslagern. Die Region befindet sich in einer ernsten humanitären Krise – Millionen sind auf Hilfe angewiesen, und immer mehr Menschen sind von Hunger bedroht.

Burkina Faso: Brutaler Überfall auf die Dorfbevölkerung

Awa* lebte in Konpougou in Burkina Faso. Als Mutter von acht Kindern arbeitete sie als Bäuerin und Getreidehändlerin. Doch ihr Leben änderte sich schlagartig, als ihr Dorf von bewaffneten Angreifern überfallen wurde.
Eines Nachmittags drangen sie in den Ort ein, schossen auf die Bewohnerinnen und Bewohner und steckten Häuser in Brand. Awas ältester Sohn, 25 Jahre alt und gerade erst mit der Ausbildung fertig, wurde vor ihren Augen getötet. 
Awa wurde in den Arm geschossen und für tot gehalten.

„Ich fiel zu Boden, und sie dachten, ich sei tot. Ich kam erst im Krankenhaus wieder zu mir. Nach dem Angriff nahmen sie all unseren Besitz mit – unser Vieh und unsere Getreidevorräte.“

Nachdem sich ihr Zustand stabilisiert hatte, entschied sie sich mit ihrer Familie zu fliehen und nicht mehr in ihr Dorf zurückzukehren.

Neuanfang im Flüchtlingslager in Togo

Im Februar 2025 fand Awa, die seit Jahren verwitwet ist, Zuflucht in Cinkassé im Norden Togos. Bei ihrer Ankunft war sie körperlich und psychisch stark geschwächt. Sie erhielt von Handicap International dringend benötigte Unterstützung. Dazu gehörte ein Hilfspaket mit Lebensmitteln wie Reis, Öl und Keksen sowie wichtige Alltagsgegenstände wie Seife und ein Moskitonetz, um die ersten Wochen zu überstehen.
Awas Arm war stark angeschwollen und bereitete ihr große Schmerzen. Von Handicap International geschulte lokale Fachkräfte kümmerten sich darum:

„Sie war sehr einsam und sprach kaum. Nach einer Röntgenaufnahme fanden wir mehrere unbehandelte Brüche. Eine Operation war erforderlich“, erzählt Alassane Inoussa vom HI-Team. „Die Kosten übernahm Handicap International“, fügt sie an.

Seitdem erhält Awa auch psychologische Unterstützung. Tief traumatisiert schreckte sie zunächst bei jedem Geräusch auf und wurde immer wieder von den Erinnerungen an den Angriff eingeholt. Die psychosoziale Begleitung gibt ihr nach und nach Halt und neue Kraft.
Heute lebt Awa mit ihrer jüngsten Tochter, 18 Jahre alt, zusammen, die inzwischen als Schneiderin arbeitet. Mit Hilfe der lokalen Gemeinschaft und etwas Unterstützung von ihrer Familie schafft sie es, ihren Alltag zu bewältigen. Ihr Wunsch ist einfach, endlich in Sicherheit und Frieden zu leben. 

Der Einsatz von Handicap International in Togo

Im Rahmen des von ECHO, humanitäre Hilfe der EU-Kommission, finanzierten Projekts, leistet Handicap International Nothilfe in Nord-Togo und Benin, um die Gemeinden vor Ort zu stärken.
Das Projekt umfasst unter anderem psychologische Erste Hilfe und psychosoziale Unterstützung, gezielte Hilfe für besonders gefährdete Menschen sowie finanzielle Unterstützung für bedürftige Haushalte. Zudem werden Hygiene- und Sanitärpakete verteilt und schutzbedürftige Kinder unterstützt.
Zwischen April 2024 und September 2025 erhielten in Togo über 1.100 Menschen psychosoziale Unterstützung und fast 13.000 Menschen finanzielle Hilfe. Insgesamt sollen mehr als 26.000 Menschen von dem Projekt profitieren.

 

*Name aus Sicherheitsgründen geändert.

19 März 2026
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