Sudan: Nothilfe und Reha für Kriegsopfer
Drei Jahre nach Beginn des Krieges leidet die Bevölkerung im Sudan weiter unter extremer Gewalt. Millionen Menschen sind auf der Flucht. Die humanitäre Lage ist dramatisch. Rehabilitation und psychosoziale Unterstützung sind kaum noch verfügbar. Gleichzeitig steigt der Bedarf stetig. Handicap International (HI) gehört zu den wenigen Organisationen, die Reha und Physiotherapie im Land anbieten.
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HI hilft trotz schwieriger Bedingungen
Zu Beginn des Konflikts war direkte Hilfe vor Ort kaum möglich. Inzwischen sind unsere Teams mit rund 60 Mitarbeitenden im Sudan tätig.
Die Kämpfe zwischen den Sudanese Armed Forces (SAF) und den Rapid Support Forces (RSF) haben zentrale Versorgungssysteme weitgehend zerstört. Im Bundesstaat Al-Dschasira, südöstlich der Hauptstadt Khartum, unterstützt HI Menschen in vier Krankenhäusern und Rehabilitationszentren. Die Teams versorgen Verletzte und Menschen mit Behinderung – Menschen, die der Gewalt besonders ausgeliefert sind. Wir kümmern uns zudem mit gezielter, spielerischer Förderung um unterernährte Kinder.
Auch in Darfur ist Handicap International aktiv: In Geneina erhalten Vertriebene finanzielle Unterstützung und Hygieneartikel. In Tawilah packen wir in einem Krankenhaus von „Ärzte ohne Grenzen“ mit an. Die Stadt liegt etwa 80 Kilometer westlich von El Fascher. Dort kam es 2025 zu einer Explosion der Gewalt. Unzählige Menschen flohen vor Massentötungen, wurden verletzt oder verloren ihr Leben.
„Der Fall von El-Fasher hat zu einem Zustrom von Vertriebenen in die benachbarte Stadt Tawilah geführt. Immer mehr Menschen mit schweren Verletzungen, wie Schusswunden, benötigen dringend Reha-Maßnahmen und Hilfsmittel. Ohne frühzeitige Versorgung drohen diesen Menschen dauerhafte Behinderungen und chronische Schmerzen. Derzeit sind wir eine der wenigen humanitären Organisationen, die diese wichtige Unterstützung im Sudan leisten können. In Darfur sind wir sogar die einzige“, sagt Vincent Dalonneau, Landesdirektor von HI-Sudan.
Frühzeitige Reha verhindert bleibende Behinderungen
In Darfur richtet sich die Hilfe vor allem an Verletzte. Häufig handelt es sich um Schussverletzungen. Doch auch die Lebensbedingungen auf der Flucht und in Lagern führen zu Knochenbrüchen, Verbrennungen und anderen Verletzungen.
Frühzeitige Rehabilitation ist dabei entscheidend. Sie hilft, dauerhafte Behinderungen, chronische Schmerzen und Fehlstellungen zu vermeiden.
„Wir versorgen die Menschen mit Reha-Leistungen und fokussieren uns dabei darauf, dass sie wieder mobil werden und bleiben. Es geht nicht darum, perfekte Bewegungen zu erreichen. Ziel ist, die größtmögliche Selbstständigkeit im Alltag zu ermöglichen und Folgeschäden zu verhindern.“
– Marie Remy, Leiterin des Reha-Teams
Gemeinsam mit lokalen Handwerkern stellt HI einfache Hilfsmittel her, zum Beispiel Krücken aus Holz. Sie ermöglichen den Patient*innen mehr Bewegungsfreiheit. Bald sollen auch Metallarbeiter eingebunden werden, um weitere Mobilitätshilfen wie z.B. Dreiräder zu fertigen.
Rückkehr bleibt gefährlich
Der Krieg im Sudan hat die weltweit größte Flüchtlingskrise ausgelöst. In der Spitze waren fast 14 Millionen Menschen auf der Flucht.
Trotz anhaltender Kämpfe sind bis Ende Januar 2026 mehr als drei Millionen Menschen in ihre Heimat zurückgekehrt. Darunter etwa 700.000 aus dem Ausland. Viele kehren nach Khartum und in östliche Regionen zurück, wo die Gewalt nachgelassen hat.
Doch die Gefahr bleibt: Explosive Kriegsreste, darunter Antipersonen-Minen, bedrohen die Zivilbevölkerung in Wohnhäusern, Schulen, Krankenhäusern, Moscheen und auf Straßen.
„Andere Konflikte weltweit haben bereits gezeigt, wie sich die Kontamination durch nicht explodierte Kriegsreste über Jahrzehnte hinweg auf das Leben der Zivilbevölkerung auswirken kann, selbst, nachdem der Konflikt beendet ist. Sie gefährdet das Leben der sudanesischen Bevölkerung, schränkt den Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen ein und behindert die wirtschaftliche Entwicklung“, unterstreicht Vincent Dalonneau.
Handicap International prüft derzeit, Projekte zur Minenräumung zu starten. Zusätzlich sind Informationsangebote zur Gefahrenaufklärung geplant. Sie sollen Menschen helfen, gefährliche Gegenstände zu erkennen und sich im Falle eines Fundes richtig zu verhalten.