Minen im Irak: „Sie gingen einfach weiter!“
Roger Eid, Leiter der Minen-Räumungsarbeiten von Handicap International im Irak, berichtet, wie gefährlich die unzähligen Blindgänger sind und wie wichtig die Entminung ist. Die lokale Zivilbevölkerung hat sich fast schon an die tägliche Gefahr gewöhnt und übersieht häufig die Risiken. Es gibt nur eine Lösung: das Land schnellstmöglich zu entminen.
Ein Warnschild von HI macht deutlich: Hier liegen Sprengkörper und Landminen. Trotz der Gefahr hütet ein Hirte gemeinsam mit seinem Sohn seine Herde. | © HI
Vor Kurzem gingen in der Wüste von Baidschi (Salah ad-Din), in einem Gebiet, das mit Blindgängern verseucht ist, ein Hirte und sein kleiner Sohn ruhig zwischen ihren rund 200 Schafen umher. Die Tiere weideten in einem gefährlichen Minenfeld, als wäre es ein ganz normales Stück Land. Ein Minenfeld voller explosiver Überreste improvisierter Sprengsätze (IEDs).
„Wir riefen ihnen Warnungen zu. Wir drängten sie, zurückzugehen. Aber sie reagierten nicht. Sie gingen einfach weiter.“
Zu sehen, wie jemand unwissentlich – oder vielleicht auch wissentlich – ein tödliches Terrain betritt, ist ein Gefühl, das schwer zu beschreiben ist. Dieses Gebiet hat eine Geschichte – Unfälle, Todesfälle und zerstörte Familien. Auf dem Rückweg beschäftigte mich eine Frage: Was bringt jemanden dazu, ein solches Risiko einzugehen? Ist es mangelndes Bewusstsein? Ist es Verleugnung der Gefahr? Oder ist es die tägliche Not des Überlebens, bei der die Ernährung der Familie wichtiger ist als das eigene Überleben?
Oder ist die Gefahr nach so vielen Jahren des Konflikts einfach zur Normalität geworden? Vielleicht ist es alles zusammen.
„Es gibt nur eine Lösung: Wir müssen das Land räumen.“
Eines weiß ich mit Sicherheit: Wenn die Zivilbevölkerung über Jahre hinweg inmitten von Kontamination und explosiven Kriegsresten lebt, wird die Gefahr zu einem Teil ihres Lebens. Sie wird vertraut. Zur Routine. Selbst für einen Vater, der mit seinem Kind umhergeht.
Als die Sonne über Baischii unterging, musste ich an den Hirten und seinen Sohn denken. Das hat mir wieder bewusst gemacht, wie wichtig Räumungen sind, wie wichtig es ist, Menschen über Risiken aufzuklären, und dass es bei der Rettung von Menschenleben letztlich darum geht, Würde, Sicherheit und Hoffnung wiederherzustellen. Als Minenräumexperten räumen wir Land, reduzieren Risiken, klären Gemeinden auf und setzen uns für eine sicherere Zukunft ein.
Das Auswärtige Amt unterstützt Entminungsprojekte im Irak.
