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Was sind Streubomben?

Streubomben enthalten mehrere hundert Minibomben, die sich bei Explosion über große Flächen verteilen. Sie treffen, verwunden und töten ohne Unterschied Soldaten und Zivilist*innen. Auch im Ukraine-Krieg wurden sie bereits mehrfach von russischer und auch von ukrainischer Seite eingesetzt.

© Till Mayer/HI

Streubomben

Streubomben sind Waffen, die mehrere hundert Minibomben enthalten, die als Submunitionen bezeichnet werden. Sie sind so konzipiert, dass sie über große Flächen verstreut werden und deshalb nie ausschließlich militärische Ziele treffen. Im Ukraine-Krieg werden sie mutmaßlich von beiden Konfliktparteien gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt.

Zivilbevölkerung in Gefahr

Kunstinstallation mit entschärften Submunitionsresten Kunstinstallation mit entschärften Submunitionsresten Kunstinstallation mit entschärften Submunitionsresten Kunstinstallation mit entschärften Submunitionsresten

© Till Mayer/HI

Bis zu 40 Prozent der Submunitionen explodieren nicht beim Aufprall. Wie Antipersonen-Minen können sie durch den geringsten Kontakt ausgelöst werden. So töten und verstümmeln sie Menschen während und nach Konflikten.

Zahlreiche Länder sind betroffen: In der Ukraine führte das russische Militär zahlreiche Angriffe mit Streubomben gegen die Zivilbevölkerung durch. Auch von ukrainischer Seite wurden Streubomben eingesetzt. (Stand August 2022). Über Laos feuerten die USA während des Vietnamkrieges zum Beispiel 260 Millionen Submunitionen ab, im Libanon warf Israel in nur wenigen Tagen über vier Millionen ab. 5 bis 40 Prozent der abgefeuerten Submunition explodiert nicht beim Aufprall. Als Blindgänger wirken Streubomben wie Landminen. Deshalb haben Handicap International und andere Organisationen der Landminenkampagne 2003 die Internationale Koalition gegen Streubomben (CMC) gegründet, die mit ihrem Engagement 2008 einen Verbotsvertrag erreichte. Doch weiterhin werden Streubomben immer wieder von Staaten eingesetzt, die den Vertrag noch nicht unterzeichnet haben. Also setzen wir uns mit unseren Bündnispartnern weiter für ein weltweites Verbot von Streumunition ein – und dafür, dass die betroffenen Gebiete geräumt und die Opfer nachhaltig unterstützt werden.

Die Zivilbevölkerung bildet den Großteil der Opfer von Streumunition: bisher wurden nachweislich 23.768 Zivilist*innen Opfer von Streumunition (Stand 2022), die tatsächliche Anzahl der zivilen Opfer wird aber auf 56.500 bis 100.000 geschätzt. In Berichtsjahr 2021 stammten 97 Prozent der gemeldeten Unfälle aus der Zivilbevölkerung, davon waren über die Hälfte Kinder. Auch Jahrzehnte nach dem Konflikt besteht für Millionen Menschen die Gefahr durch Blindgänger. 26 Staaten und 3 Gebiete sind 2021 durch nicht explodierte Munition betroffen.

 

Entminer durchsuchen ein Reisfeld in Laos nach Streubomben. Entminer durchsuchen ein Reisfeld in Laos nach Streubomben. Entminer durchsuchen ein Reisfeld in Laos nach Streubomben. Entminer durchsuchen ein Reisfeld in Laos nach Streubomben.

© Sara Goldberg/HI

Als Blindgänger verhalten sich Streubomben wie Landminen. Unsere Entminer*innen suchen hier in Laos auf einem Reisfeld nach explosiven Kriegsresten.

Fakten im Überblick - 2022:

  • 26 Staaten und 3 Gebiete sind 2021 durch nicht explodierte Munition betroffen.
  • Mindestens 23 Staaten haben seit Ende des Zweiten Weltkrieges Streumunition eingesetzt (darunter USA, Frankreich, Großbritannien, Israel, Russland).
  • Russland hat neue Streumunition hergestellt. Russische Streitkräfte haben im Jahr 2022 mindestens zwei neu entwickelte Typen von Streumunition in der Ukraine eingesetzt.
  • Auch von ukrainischer Seite wurden Streubomben eingesetzt.
  • Seit dem In-Kraft-Treten des Oslo-Vertrags 2010 wurde von Streumunitionseinsätzen in Kambodscha 2011 (durch Thailand), in Libyen 2011, 2015, 2019 und 2020, in Syrien 2012 bis heute, im Sudan 2012 und 2015, im Südsudan (2014), in der Ukraine (2014-2015 und 2022) und im Jemen 2015 bis 2017 (durch die saudi-arabische Koalition) berichtet.
  • 34 Staaten haben seit den 50er Jahren Streumunition hergestellt, 16 davon produzieren vermutlich auch 2021 noch Streumunition oder behalten sich dies vor.
  • Mehr Infos finden Sie im Faktenblatt bzw. in den Wichtigsten Erkenntnissen.
  • Einen detaillierten Überblick über die internationale Lage bietet der Streubomben Monitor.

 

 


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Streubomben gefährden vor allem die Zivilbevölkerung. Viele Opfer sind Kinder - mit verheerenden Folgen.
Handicap International verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz – von der Risikoaufklärung über die langfristige Unterstützung von Minenopfern bis zur humanitären Entminung.
2007 begann der Oslo-Prozess. Er führte in knapp zwei Jahren zu einem Verbotsvertrag von Streubomben, der am 1. August 2010 in Kraft trat.