Hungersnot in Ostafrika: Inklusion der Schutzbedürftigsten in die humanitäre Hilfe

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Seit 2016 leiden 20 Millionen Menschen im Südsudan, in Somalia, im Jemen und im Nordosten Nigerias unter einer schlimmen Nahrungsmittelkrise. Sie wurde ausgelöst durch eine Dürre, die seit mehreren Monaten in einigen Ländern Ostafrikas vorherrscht: in Somalia, Kenia, Äthiopien, Dschibuti, Uganda, Südsudan und in geringerem Ausmaß auch in Tansania. In manchen Ländern wird die schwere Lebensmittelknappheit noch zusätzlich durch Konflikte verstärkt. Handicap International setzt sich dafür ein, dass die besonders schutzbedürftigen Menschen Zugang zur humanitären Hilfe erhalten.

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Trockene Erde und Wasserstellen im Flüchtlingslager Kakuma
Trockene Erde und Wasserstellen im Flüchtlingslager Kakuma
Auch in den Flüchtlingslagern wird das Wasser knapp. Die Dürre betrifft viele Camps wie hier Kakuma in Kenia.

UNSER ANSATZ IN DER NOTHILFE

Xavier Duvauchelle, Leiter der Programme von Handicap International in Ost- und Südafrika: „Viele internationale Organisationen haben ihre Nothilfe für die Menschen, die von der Nahrungsmittelkrise in Ostafrika und Jemen betroffen sind, bereits begonnen oder werden sie in Kürze beginnen. Zusätzlich zu dieser regionalen humanitären Hilfe wollen wir uns auf die Versorgung und Inklusion von Menschen mit eingeschränkter Mobilität konzentrieren, die eine Behinderung oder Krankheit haben oder älter sind. Wir planen, unseren Einsatz mit der Rehabilitation für unterernährte Kinder zu beginnen, und indem wir humanitäre Einsatzkräfte sensibilisieren. Wir wollen sie schulen, sodass sie Menschen mit Behinderung besser in ihrer Nothilfe berücksichtigen. Dies erfolgt zusätzlich zu der rehabilitativen Versorgung und der psychologischen Unterstützung, die wir bereits für jeden anbieten, der sie braucht. Dort wo wir erkennen, dass die Menschen die grundlegende humanitäre Hilfe wie etwa Nahrung und Wasser nicht erreichen können, werden wir sie selbst verteilen und zu ihnen bringen.“

 

DIE BEDEUTUNG DER INKLUSION

Handicap International sensibilisiert andere humanitäre Organisationen und schult sie darin, Menschen mit Behinderung besser in ihre Programmen einzuschließen: „Humanitäre Fachkräfte erhalten keine speziellen Schulungen, um Menschen mit Behinderung zu identifizieren, ihre speziellen Bedürfnisse zu erkennen und auf diese einzugehen“, erklärt Ricardo Pla Cordero, der technische Berater von Handicap International für das Thema Inklusion in der humanitären Hilfe. „In größeren Krisen, wenn hunderttausende Menschen sofortige Hilfe brauchen, ist es lebenswichtig, die schutzbedürftigen Menschen zu berücksichtigen, da sie meist mehr Probleme haben – weil sie nicht in der Lage sind, sich fortzubewegen, und deshalb spezielle Aufmerksamkeit brauchen. Deswegen rufen wir auch alle humanitären Organisationen und Staaten dazu auf, die Charta zur Inklusion von Menschen mit Behinderung in die Humanitäre Hilfe zu unterzeichnen, an der Handicap International mitgearbeitet hat. Diese Charta haben wir gemeinsam mit Organisationen von Menschen mit Behinderung bei humanitären Weltgipfel im Mai 2016 in Istanbul zur Unterzeichnung eröffnet."

 

UGANDA

In Uganda arbeitet Handicap International daran, internationale Mittel für die Aufstellung von Teams zu erhalten, um die Flüchtlinge aus dem Südsudan zu unterstützen. Diese Flüchtlinge sind nicht nur gezwungen, vor der Gewalt in ihrer Heimat zu fliehen, sondern gleichzeitig auch von einer schweren Dürre betroffen. Handicap International konzentriert sich auf die schutzbedürftigen Menschen wie etwa Menschen mit Behinderung, ältere Menschen, schwangere Frauen oder Menschen mit psychosozialen Beeinträchtigungen, die traumatisiert oder isoliert sind. Diese Mission wird auch dazu dienen, genauere Informationen über die Lage im Südsudan zu sammeln, wo der Zugang zur humanitären Hilfe aufgrund der angespannten Sicherheitslage extrem schwierig ist.

 

ÄTHIOPIEN

Äthiopien ist ein Zufluchtsland für eine hohe Anzahl von Flüchtlingen, die meist aus dem Südsudan kommen und dort in Flüchtlingslagern leben, einschließlich in der Region Gambella. Handicap International erweitert die Aktivitäten für unterernährte Kinder, um sie mit stimulierender Physiotherapie zu versorgen, zusammen mit weiteren Unterstützungsformen. In den Regionen Gambella und Dire Dawa werden wir vermehrt über Katastrophenvorsorge aufklären. Dadurch kann die lokale Bevölkerung lernen, besser mit der Klimakrise zurecht zu kommen und ihre Folgen zu bewältigen.

Lesen Sie hier, wie Wassermangel und Konflikte Teile Äthiopiens destabilisieren

 

SOMALIA

  • In Somalia will Handicap International andere humanitäre Organisationen sensibilisieren und schulen, damit auch sie die schutzbedürftigsten Menschen (Menschen mit Behinderung, ältere Menschen, Kinder, schwangere Frauen etc.) in ihren Nothilfeeinsätzen besser berücksichtigen.
  • Weiterer Schwerpunkt ist der langfristige Zugang zu Wasser und zu Nahrungsmitteln: „Nach monatelangen, schweren Dürren könnte die Regenzeit, die jetzt beginnt, für die Bevölkerung katastrophal werden. Ab Juli wird dann eine zweite Dürrezeit vorhergesagt. Wir wollen der betroffenen Bevölkerung daher einen nachhaltigen Zugang zu Wasser und Nahrungsmitteln schaffen. Dies könnte beispielweise geschehen, indem Brunnen gebaut werden und Landparzellen bereitgestellt werden, auf denen widerstandsfähige landwirtschaftliche Produkte angebaut werden, die dem Klimawandel standhalten“, erklärt Xavier Duvauchelle, Leiter der Programme für Ost- und Südafrika.
  • Handicap International sieht auch vor, unterernährte Kinder mit Physiotherapie zu versorgen. „In vielen Fällen kann physiotherapeutische Behandlung bei unternährten Kindern notwendig sein, damit keine lebenslange Behinderung entsteht. Denn Kinder, die unter Hunger leiden, können als Folge der Mangelernährung Entwicklungsstörungen aufweisen. Außerdem verursacht Unterernährung auch Atemwegsinfektionen. Auch in diesen Fällen können unsere Fachkräfte für Physiotherapie aktiv werden, um Komplikationen zu vermeiden.“ In solchen Situationen organisiert Handicap International auch Veranstaltungen zur Sensibilisierung der Eltern, damit sie diese gesundheitlichen Probleme selbst erkennen können.
  • Handicap International plant ebenfalls, die Bevölkerung über Katastrophenvorsorge aufzuklären und ihre Kapazitäten zu stärken, um die Widerstandskraft der Gemeindn zu verstärken und ihnen dabei zu helfen, besser mit den Folgen der Dürre zurecht zu kommen.

 

SÜDSUDAN

  • Im Südsudan stellt Handicap International sicher, dass die schutzbedürftigsten Menschen (Menschen mit Behinderung, ältere Menschen, Kinder, schwangere Frauen etc.) von den humanitären Programmen vor Ort berücksichtigt werden, die andere internationale Hilfsorganisationen durchführen.
  • In den Regionen des Landes, in denen wir bereits tätig sind, könnten wir uns an der Verteilung von Lebensmitteln und Wasser beteiligen, physiotherapeutische Behandlungen durchführen und psychologische Unterstützung leisten. Dies wird jeweils davon abhängig sein, inwiefern die Bedürfnisse von den anderen humanitären Organisationen vor Ort gedeckt werden können.

Lesen Sie hier mehr zur Hungersnot in Südsudan

JEMEN

Im Jemen verursacht der Konflikt, der seit zwei Jahren tobt, eine Situation allgemeiner Lebensmittelunsicherheit. „In diesem Land hat der Krieg den Import von Nahrungsmitteln stark durcheinandergebracht. Vor allem hat er die Mittel für den Lebensunterhalt und die Einkommensquellen der Haushalte beträchtlich verringert“, erklärt Arnaud Pont, Leiter der Nothilfeeinsätze im Jemen. Die Teams von Handicap International vor Ort ermitteln derzeit die Bedürfnisse, um einen möglichen Einsatz zu planen.

Lesen Sie hier ein Interview mit Xavier Duvauchelle, Programmbeauftragter für Ostafrika bei Handicap International

Veröffentlicht am 24.03.17

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